Zentrum Neu-Hohenschönhausen: Planer aus ganz Europa sollen Ideen liefern

Der Brunnen der Jugend befindet sich zwischen dem Kino „Cinemotion“ und dem Linden-Center. Noch fristet er ein Dasein im Abseits. Im neuen urbanen Zentrum von Neu-Hohenschönhausen könnte er im Mittelpunkt stehen. Foto: Marcel Gäding
Der Brunnen der Jugend befindet sich zwischen dem Kino „Cinemotion“ und dem Linden-Center. Noch fristet er ein Dasein im Abseits. Im neuen urbanen Zentrum von Neu-Hohenschönhausen könnte er im Mittelpunkt stehen. Foto: Marcel Gäding

Wie soll das künftige Zentrum von Neu-Hohenschönhausen aussehen? Antworten auf diese Frage soll jetzt ein europaweiter Wettbewerb liefern, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gemeinsam mit dem Bezirk Lichtenberg ausgeschrieben hat. Planerbüros sollen erste konkrete Vorschläge liefern, wie das Areal zwischen Linden-Center, Bahnhof Hohenschönhausen und Falkenberger Chaussee gestaltet werden könnte.

Damit ist eine weitere wichtige Etappe für ein neues, urbanes Zentrum in Neu-Hohenschönhausen erreicht. Denn bislang verfügt die Großsiedlung mit ihren rund 60.000 Bewohnern über keinen zentralen Ort, der zum Verweilen einlädt. Seit der Wende liegen viele Flächen im Norden von Lichtenberg brach. Wer beispielsweise vom Bahnhof Hohenschönhausen zu Fuß zum Prerower Platz läuft, muss dafür einen trostlosen Parkplatz überqueren. Seit mehr als drei Jahrzehnten taucht die Gestaltung eines urbanen Zentrums für Neu-Hohenschönhausen daher immer wieder auf der Agenda verantwortlicher Kommunalpolitiker auf. Seit dem vergangenen Jahr werden nun Tatsachen geschaffen: Auf Initiative von Bezirk und Land kam ein mehrstufiger Wettbewerb in Gang, der unter anderem die Ideen der Nachbarn aufgreift. Einige davon sollen nun Grundlage für den europaweiten Wettbewerb sein. Dessen Ergebnis liefert die Rahmenbedingungen und grobe erste Vorschläge, wie das fast 20 Hektar große Areal künftig aussehen könnte.

„Ich erwarte visionäre Ideen und Entwürfe zur nachhaltigen Entwicklung und Gestaltung des Standorts, die wir auch mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutieren werden“, sagt Berlins Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel (Die Linke). Vorfreude gibt es auch bei Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke): „Neu Hohenschönhausen bekommt 37 Jahre nach der Grundsteinlegung ein Zentrum, das der Großsiedlung mit 60.000 Einwohnerinnen und Einwohnern auch gerecht wird.“

Anders als an anderen Orten der Stadt gehören vielen der ungenutzten Flächen in Neu-Hohenschönhausen dem Land Berlin. Das biete die „Chance für eine funktionale und bauliche Weiterentwicklung dieses zentralen Bereichs“, heißt es aus der Senatsverwaltung. Erste Ideen finden bei den Anwohnern offenbar bereits Zustimmung: So könnten Hochhäuser das neue Zentrum von Neu-Hohenschönhausen flankieren, auch an Wohnungen für verschiedene Altersgruppen und Gewerbe ist gedacht. Bis Ende des Jahres erwarten Land und Bezirk im Rahmen des Gestaltungswettbewerbs Ergebnisse der Planerteams.

Viel Luft nach oben ist jedoch noch bei der Bürgerbeteiligung, die wegen der Corona-Pandemie insbesondere ins Internet verlagert wurde. Gerade einmal 60 bis 80 Personen beteiligten sich an den verschiedenen Aufrufen mit Ideen und Vorschlägen für die zukünftige Gestaltung. Damit die Debatte noch mehr an Fahrt aufnimmt, plant der Bezirk bis Oktober vier Kunstprojekte am Prerower Platz. „Mit den Kunstaktionen am Prerower Platz laden wir die Hohenschönhausener und Hohenschönhausenerinnen ein, sich mit ihrem direkten Wohnumfeld künstlerisch auseinander zu setzen und ihren Stadtraum zu erobern“, sagt Bezirksbürgermeister Grunst. Spektakulär dürfte daebi das Projekt des Künstlers Albrecht Fersch sein. Es trägt den Namen „Die Insel“. Fersch will 150 Tonnen Sand, Liegestühle und Sonnenschirme organisieren und vor der Kulisse der Großsiedlung einen Strand errichten. Dort erhofft sich der Künstler, mit den Bewohnern der umliegenden Geschosswohnungsbauten ins Gespräch zu kommen. (gäd.)

Mehr Informationen im Netz:

Programm Kunstprojekte am Prerower Platz

Wettbewerb des Landes Berlin und des Bezirksamtes Lichtenberg