Zentrum Neu-Hohenschönhausen: ein autofreies Viertel mit begrünten Fassaden

Blick auf den Plan für das neue, urbane Zentrum von Neu-Hohenschönhausen. Foto: Darstellung: superwien urbanism zt gmbh
Blick auf den Plan für das neue, urbane Zentrum von Neu-Hohenschönhausen. Foto: Darstellung: superwien urbanism zt gmbh

Österreichische Planungsbüros konnten sich mit ihren Plänen für das „Urbane Zentrum Neu-Hohenschönhausen“ durchsetzen. Auf den Brachen zwischen Bahnhof und Linden-Center entstehen neun Häuser und viele neue Wege. Von Marcel Gäding.

Gut drei Jahrzehnte dauert die Debatte darum, wie das Zentrum von Neu-Hohenschönhausen aussehen soll. Nun gibt es erste konkrete Visionen. Im Rahmen eines städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerbs konnten sich die beiden Büros „superwien urbanism zt gmbh“ aus Wien und „studio boden Landscape Architecture + Urban Design“ aus Graz mit ihren Plänen für die künftige Gestaltung des fast 100.000 Quadratmeter großen Areals durchsetzen.

Seit der Wende war immer wieder diskutiert worden, in welcher Form das lang ersehnte Zentrum der Großsiedlung von Neu-Hohenschönhausen gestaltet werden soll. Das Ergebnis: Neben einem Multiplexkino und einem neu gestalteten Stadtplatz blieben die meisten Flächen zwischen dem Linden-Center und dem Bahnhof leer. Wildwuchs und großflächige Parkplätze bestimmen bis heute das Bild. Pläne eines privaten Investors versprachen vor einigen Jahren viel – umgesetzt wurden sie jedoch nie.

Jetzt wagen das Bezirksamt und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen neuen Anlauf. Im Mai vergangenen Jahres hatten sie europaweit Stadt- und Landschaftsplaner aufgerufen, ihre Ideen für das Areal einzureichen. Eine Wettbewerbsjury hatte dann unter 26 eingereichten Entwürfen die Qual der Wahl.

Die Entwürfe der Büros „superwien urbanism zt gmbh“ und „studio boden Landscape Architecture + Urban Design“ sehen sieben Baufelder vor. „Der Brunnenplatz sowie die Wartenberger Straße werden zu den zentralen Orten von Neu-Hohenschönhausen“, heißt es in der Projektbeschreibung. Vorgesehen ist ein buntes und vielfältiges Viertel mit Neubauten, grünen Wegebeziehungen, neuen Wohnungen und Platz für Kunst, Kultur und nicht-kommerzielle Nutzungen. Ein markanter Punkt wird das Kultur- und Bildungszentrum gleich neben dem bestehenden Kino. Vom Bahnhof aus führt ein Boulevard in das Zentrum vorbei an einer Markthalle. Die geplanten Wohn- und Gewerbeeinheiten werden mehrfach genutzt. Auf ihren Dächern könnten Anlagen für Wind- und Solarenergie entstehen. Auch ist die Rede davon, Platz für Farmen und urbane Landwirtschaft zu schaffen. Damit das Mikroklima stimmt, werden Teile der Fassaden begrünt. Derzeit wird von rund 500 neuen Wohnungen ausgegangen,

„Urbanes Wohnzimmer“ nennen die Planer den Stadtplatz in der Mitte des neuen Zentrums. Das soll als „Bindeglied“ fungieren. Das gesamte Viertel soll gut zu Fuß erreichbar sein, weshalb Autos dort keine Perspektive haben werden. „Daher werden nur notwendige Autoverbindungen für den individuellen Verkehr ermöglicht.“

Die Pläne sollen als verbindliches Regelwerk für die verschiedenen Grundstückseigentümer und Investoren dienen. Von Anfang an setzen die Wettbewerbssieger darauf, Bewohner in die Prozesse einzubeziehen. Die Rede ist zudem davon, einen „Quartiersentwicklungsbeirat“ zu berufen, in dem sich Vertreter der Verwaltung sowie unabhängige Planer engagieren.

„Das zukünftige urbane Zentrum von Neu-Hohenschönhausen wird ein Ort sein, an dem man gern seine Freizeit verbringt, arbeitet und wohnt“, sagt Lichtenbergs Bezirksbürgermeister und Jurymitglied Michael Grunst (Die Linke). „Das ausgewählte Konzept überzeugt durch visionäre Ideen zur Mobilitätswende, zu neuen Gebäudetypen sowie innovativen Wohn- und Lebensformen“, ergänzt Manfred Kühne, der Abteilungsleiter für Städtebau und Projekte der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. 

Die Ausstellung aller Wettbewerbsbeiträge erfolgt pandemiebedingt zunächst digital:
https://urbanes-zentrum-nhsh.berlin.de/