Zentrum Hohenschönhausen: jetzt kommt es auf die Nachbarn an

Parkplatz vor dem Kino Cinemotion: Das Lichtspielhaus soll in das neue Zentrum von Hohenschönhausen integriert werden. Foto: Marcel Gäding
Parkplatz vor dem Kino Cinemotion: Das Lichtspielhaus soll in das neue Zentrum Hohenschönhausen integriert werden. Foto: Marcel Gäding

Bis Ende des Monats können Anwohner Ideen für das „Zentrum Hohenschönhausen“ zwischen Bahnhof Hohenschönhausen und Linden-Center kommentieren. Die Anregungen sollen in die Planungen für den Kiez einfließen. Von Marcel Gäding.

Zwei Dutzend Tauben suchen auf der kargen Wiese neben dem „Brunnen der Jugend“ nach Futter. Auf einer Bank haben es sich Männer mit Flaschenbier gemütlich gemacht. Eine junge Mutter schiebt eilig ihren Kinderwagen über den Platz Richtung Linden-Center. Obwohl die Sonne scheint und der Himmel über dem Areal zwischen dem Bahnhof Hohenschönhausen und dem Prerower Platz postkartenblau strahlt, wirkt alles schmuddelig. Es gibt wohl nur noch wenige Orte in Berlin, die so vergessen wirken wie das Zentrum von Hohenschönhausen…

Als die Großsiedlung in den 1980er-Jahren auf den Rieselfeldern im Berliner Nordosten entstand, war an vieles gedacht: Straßenbahn- und Busverbindungen, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten und sogar eine direkte S-Bahnverbindung zum Alexanderplatz. Doch mit der politischen Wende endete die Gestaltung des noch jungen Ostberliner Stadtteils abrupt. Darunter litt vor allem das Zentrum, das zwar mit dem Linden-Center und einem Multiplexkino große Gebäude bekam. Der Großteil des Areals nahe der Falkenberger Chaussee, der Wustrower Straße und der Wartenberger Straße aber blieb unbebaut und wird bis heute als Parkplatz genutzt. Erst seit Kurzem steht dort ein Zelt des Kinder- und Jugendzirkus „Cabuwazi“, das regelrecht für einen Farbtupfer auf der Fläche sorgt. Vor allem die älteren Bewohner des Lichtenberger Stadtteils Neu-Hohenschönhausen erinnern sich ein Versprechen von Bezirk und Investoren, das Zentrum zu entwickeln. Viele Projekte wurden aber nie umgesetzt.

Zentrum Hohenschönhausen: online mitdiskutieren!

Wenn es so etwas wie Hoffnung für Neu-Hohenschönhausen gibt, dann ist es ein sogenannter städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb, den das Bezirksamt Lichtenberg gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung anstrebt. Er soll quasi das grobe Ganze für den verwaisten Ort festlegen und klären, was im Zentrum von Hohenschönhausen geht und was nicht geht, wie die künftige Bebauung aussieht. Dass der Bezirk es diesmal ernst meint, zeigt ein Blick in die Investitionsplanung: Seit Jahren legt die Verwaltung aus Sondermitteln Geld für den Bau eines „Kultur-, Bildungs- und Verwaltungszentrums (KuBiZ)“ zurück. Einige Millionen Euro sind da schon zusammengekommen. Und dann ist da noch die Bürger*innenbeteiligung: Seit Herbst vergangenen Jahres können interessierte Bewohner über die Onlineplattform „mein.berlin“ Ideen und Anregungen hinterlassen sowie an Abstimmungen teilnehmen. Schließlich geht es um die Zukunft mehrerer 10.000 Lichtenberger und darum, wie das neue Quartier auf einer Fläche von rund 30 Hektar aussehen soll. „Es soll ein echtes Stadtteilzentrum mit kurzen Wegen und vielfältiger Nutzung entstehen, das einen lebenswerten Raum für alle schafft“, sagt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke). „Gerade bei einem so großen Projekt, mit so vielen unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten, muss frühzeitig gesichert sein, dass die Planung nicht an den Bedarfen der Bürgerinnen und Bürger vorbei geht“, ergänzt Stadtentwicklungsstadtrat Kevin Hönicke (SPD).

Inzwischen ist im Rahmen der Bürger*innenbeteiligung die nächste Stufe erreicht: Bis zum 31. März können Bürgerinnen und Bürger die einzelnen Aspekte der künftigen Gestaltung für ein „Urbanes Zentrum Neu-Hohenschönhausen“ kommentieren (Link siehe Ende des Textes). Die Ergebnisse der Beteiligung fließen in die Auslobung für den städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerb ein, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Lichtenberg im Sommer dieses Jahres startet.

Auf die Städte- und Landschaftsplaner warten anschließend spannende Aufgaben: Sie müssen den Spagat zwischen grünen Freiräumen und kompakter Bebauung schaffen. Unter anderem ist von einem Hochhaus die Rede, über dessen Höhe noch gestritten wird. Es soll allerdings einen architektonischen Punkt setzen und Teil mehrerer Gebäude auf dem Areal werden. Außerdem wünschen sich Bezirk und Land Wohnformen für verschiedene Alters- und Zielgruppen, ergänzende Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote und Gastronomie. Platz finden soll auch das KuBiZ, in dem Raum für Veranstaltungen, das Standesamt und für Kunst und Kultur sein soll. Ebenfalls auf der Wunschliste stehen Flächen für Büros, Co-Working, Soziales und Gesundheit.