Wohin man schaut: Lichtenberg

Berlin-Lichtenberg hat vieles zu bieten – eine Burgruine wie in Salzgitter-Lichtenberg ist allerdings nicht darunter. Foto: Uwe Lemm
Berlin-Lichtenberg hat vieles zu bieten – eine Burgruine wie in Salzgitter-Lichtenberg ist allerdings nicht darunter. Foto: Uwe Lemm

Sie alle teilen denselben Namen, sind aber über das ganze Land verteilt: Viele Orte in Deutschland tragen den Namen Lichtenberg – mal heißt eine Kleinstadt so, mal ein Dorf oder auch nur ein Ortsteil. Dass dieser Name so häufig vorkommt (und darüber hinaus auch in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz zu finden ist), hat sicher etwas mit seiner ursprünglichen Bedeutung zu tun. Schließlich verweist der Name auf einen Ort auf oder an einem lichten, also wenig bewaldeten Hügel oder Berg. Von Uwe Lemm.

Nun kennen Berlins Lichtenberger „ihren“ Bezirk sicher ganz gut, aber wie sieht es in den übrigen deutschen Lichtenbergs aus – und wo liegen sie überhaupt? Eines jedenfalls wird relativ schnell deutlich: Weder an der Fläche, noch der Zahl der Einwohner können die übrigen Namensvettern dem Berliner Bezirk „das Wasser reichen“ – mit seinen gut 50 Quadratkilometern Fläche, rund 290.000 Einwohnern in zehn Ortsteilen, einem der mit einer Fläche von 160 Hektar größten Landschaftstiergärten in Europa oder vier im Bezirk beheimateten Hochschulen. Sogar auf zwei „Schlösser“ – das in Friedrichsfelde und das Bürgerschloss Hohenschönhausen mit seinem Daimon-Museum – kann Berlin Lichtenberg stolz sein.

Eine Burg allerdings wird man hier vergeblich suchen. Um dafür fündig zu werden, muss der „geneigte Leser“ (das gilt stillschweigend natürlich auch für alle Leserinnen) schon „in die Ferne schweifen“. Etwa in die „Ritterstadt mit Tradition“: Lichtenberg an der ehemaligen innerdeutschen Grenze im bayerischen Landkreis Hof, von deren Burgruine mit -turm man einen „herrlichen Blick ins Thüringer Land“ werfen kann, bevor der Besucher vielleicht noch in den Friedrich Wilhelm-Stollen „abtaucht“, der auf den Berliner Alexander von Humboldt zurückgeht. Oder man fährt kurzerhand ins rund 300 Kilometer entfernte niedersächsische Salzgitter, dessen Ortsteil Lichtenberg und seine ca. 3.300 Einwohner mit einer Burg(ruine) Heinrichs des Löwen auftrumpfen können. Vielleicht führt der Weg bei einem Rundgang auch am Gaußstein vorbei, auf dem der gleichnamige Gelehrte seinen (bei Landvermessungen eingesetzten) Heliotropen erprobte. Und ist man am Deutschen Mühlentag vor Ort, steht eine historische Bockwindmühle offen.

Wen es dagegen nach Lichtenberg im Rhein-Sieg-Kreis verschlägt, wird weniger Kultur und Geschichte, dafür umso mehr die Natur im Auge haben – locken doch naher Westerwald und das Siebengebirge zu Spaziergängen und Wanderungen. Ein Ausflug sollte auch beim Besuch im erzgebirgischen Lichtenberg an der Freiberger Mulde auf dem Besuchsprogramm stehen. Ziel: die Talsperre Lichtenberg, die der Trinkwasserversorgung und dem Hochwasserschutz dient. Zum Rundgang über den Dorfanger mit seiner sehenswerten Kirche und den alten Bauernhäusern lädt dagegen der sechs Kilometer vom Zentrum Neuruppins gelegene Ortsteil Lichtenberg ein – quasi „um die Ecke“ und sehr viel bequemer zu erlaufen als die Mittelgebirge. Oder wie wäre es mit Lichtenberg bei Morsbach, das am zweiten Wochenende im September jedes Jahr sein Erntedankfest mit großem Ernteumzug feiert? Besinnlicher dürfte es da im Kloster Inderdorf zugehen, das nicht allzu weit von Lichtenberg bei Altomünster in Bayern entfernt ist. Gänsehaut eingeschlossen, liegt doch hier seit dem Hochmittelalter Otto VIII. von Wittelsbach begraben, der als Pfalzgraf von Bayern Philipp von Schwaben, einen amtierenden römisch-deutschen König, ermordet hat.

Friedfertigeres ist dagegen aus der Gemeinde Lichtenberg in der sächsischen Pfefferkuchenstadt Pulsnitz zu berichten: Hier wartet das Puppenmuseum von Gudrun Schöne auf Besucher, die sich ein Stück der eigenen Kindheit zurückholen können. Rund 850 Puppen, 25 Puppenstuben, 24 Puppenhäuser, 17 Kaufmannsläden, 52 Puppenwagen zwölf Sportwagen und zehn Kinderwagen sind in der privaten Sammlung zusammengetragen und mit viel Liebe zum Detail aufgearbeitet worden und allemal sehenswert.

Spielzeuge ganz anderer Art sind in Asendorf, zu dem der Ortsteil  Lichtenberg gehört, etwa 40 Kilometer südlich von Bremen zu finden: Keine Puppen, wohl aber Automobile, niedersächsische Kleinbahnen und eine Museumseisenbahn präsentieren sich in zwei Museen bzw. freuen sich – wie die 3.000 „Seelen“ der Gemeinde im Landkreis Diepholz –  über eine rege Benutzung.

Schlösser gibt es natürlich auch in den diversen Lichtenbergs – etwa in niederbayerischen Eggenfelde oder im hessischen Fischbachtal, wo ein besonders ansehnliches steht, auch wenn der Ort selbst 2011 gerade einmal 471 Einwohner zählte. Und Türme, etwa den gerade einmal 5 m hohen Bismarck-Turm im Lichtenberg der Oderstadt Frankfurt. Mal war eine Gemeinde auf Uran gebaut wie im thüringischen Landkreis Greiz und ist durch den Wismut-Tagebau heute fast ganz verschwunden; mal sind es künstlerische Aktivitäten wie die beeindruckende permanente Ausstellung der Arbeiten von Margarete Petersen und Dietmar Buchmann, die das Lichtenberg im Wendland auszeichnen.

Vertraut man Wikipedia, so gibt es 20 Orte mit dem Namen Lichtenberg, allein sieben und damit die meisten in Bayern. Und sieben Burgen allein in Deutschland, zu viele, um alle hier zu nennen. Gemeinsamkeiten? Die wenigsten ihrer Einwohner werden schon einmal im Berliner Lichtenberg gewesen sein. Und umgekehrt. Aber beides lässt sich ja ändern…