Wirtschaftssenator Stephan Schwarz zeigt sich begeistert von Lichtenberg

Machte eine gute Figur im Sulky auf der Trabrennbahn Karlshorst: Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz. Foto: Marcel Gäding
Machte eine gute Figur im Sulky auf der Trabrennbahn Karlshorst: Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz. Foto: Marcel Gäding

Im Rahmen einer Bezirkstour besuchte Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos) am Mittwoch Lichtenberg. Der Politiker ging auf Tuchfühlung mit Pferden, fuhr eine Runde im Sulky, kam mit vietnamesischen Investoren ins Gespräch, zeigte sich tief beeindruckt vom Mies van der Rohe-Haus und genoss auf dem Naturhof Malchow den Sonnenuntergang auf einem Steg.

Fragt man Stephan Schwarz, was er bislang von Lichtenberg kannte, dann nennt er den Tierpark Berlin, das Schloss Friedrichsfelde und die „Fahrbereitschaft“ an der Herzbergstraße. Mehr wusste er bislang nicht über den Bezirk, der sich von der Innenstadt bis zum Stadtrand erstreckt. Vier Stunden haben nun den Blick des Berliner Wirtschaftssenators verändert: Schwarz ließ sich im Rahmen einer Bustour von Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke), seinem Stellvertreter Kevin Hönicke (SPD) und Mitarbeitern der bezirklichen Wirtschaftsförderung Lichtenberg zeigen – und kam am Ende zu einem charmanten Urteil: „Lichtenberg ist einerseits unglaublich international, andererseits ländlich und geprägt von Architekturgeschichte.“ Er habe sofort zugesagt, als er vom Bezirksamt die Einladung zu der Bustour bekam. „Es ist das erste Mal, dass ich einen Berliner Bezirk auf diese Weise erkunde.“

Fünf Stationen standen auf dem Tourenplan, für den eigens ein Reisebus organisiert wurde. Mit an Bord war auch Berlins Chef-Touristiker Burkhard Kieker. Als erstes ging es zum inklusiven Pferdesport- und Reittherapiezentrum in den Pferdesportpark nach Karlshorst. Das eröffnete 2019 auf einer Fläche von 10 Hektar. Unter dem Dach der Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin-Ost können Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen reiten. 12 Millionen Euro investierte die Stiftung, betrieben wird die Anlage von der eigens gegründeten RBO – Mensch und Pferd gGmbH.

Nur wenige Hundert Meter weiter wurde Schwarz von Dimitrios Vergos vom Pferdesportpark Berlin-Karlshorst begrüßt. Der Verein betreibt die traditionsreiche Anlage an der Treskowallee und richtet in diesem Jahr 14 Renntage aus – darunter den Lichtenberger Bezirksrenntag am 28. August. Vergos hatte eigens für den Senator den Traber Jorma Oikarinen samt Sulky organisiert. Schwarz zögerte nicht lange und nahm das Angebot an, sich zu Oikarinen in den Einachser zu setzen. Gemeinsam drehten sie einige Runden auf dem 1.200 Meter langen Geläuf.

Bevor es zum dritten Ort ging, standen der Wirtschaftssenator und seine Delegation zunächst im Stau auf der Treskowallee. Eine kleine Baustelle sorgte dafür, dass es nur im Schritttempo voranging. Auf der Treskowallee gebe es gefühlt eigentlich immer Stau, wie Katrin Roeseler-Soult vom bezirklichen Stadtmarketing berichtete. Seit Jahrzehnten existieren Pläne, über die sogenannte Tangentialverbindung Ost (TVO) eine vierspurige Umfahrung zu bauen, welche die viel befahrene Treskowallee deutlich entlastet. Schwarz sicherte zu, sich für die TVO einzusetzen – das stehe schließlich auch im Koalitionsvertrag. Und als früherer Präsident der Berliner Handwerkskammer wisse er, wie wichtig diese TVO vor allem für den Wirtschafts- und Warenverkehr sei.

Besuch von Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz in Lichtenberg

Bild 7 von 7

Foto (c): Marcel Gäding

An Station drei wurde Schwarz von den Betreibern des Dong-Xuan-Center empfangen. Der vietnamesische Unternehmer Van Hien Nguyen kaufte das 165.000 Quadratmeter große Areal 2005 und ließ auf dem einstigen Gelände des VEB Elektrokohle in der Herzbergstraße die Hallen für Gastronomie und Großhandel herrichten. Heute arbeiten dort 2.000 Menschen in 400 meist von Familien geführten Unternehmen. Stolz berichtet Nguyen, dass an dem Standort bislang 90 Millionen Euro investiert wurden – und kündigte weitere Projekte in Ahrensfelde, in Hoppegarten und in Lichtenberg mit einem Volumen von 200 Millionen Euro an. Im Mai soll ein Neubau mit großem Veranstaltungssaal dazu kommen. „Von hier aus versorgen wir Einzelhändler aus Deutschland und Europa mit Exportartikeln“, berichtet Van Hien Nguyen. Und auch für seine Landsleute habe der Standort eine große Bedeutung. Viele finden dort nicht nur Arbeit, sondern auch Dienstleister in ihrer eigenen Muttersprache. Die Zahl der in Lichtenberg lebenden Vietnamesen liegt bei rund 20.000. Bezirksbürgermeister Michael Grunst sieht in dem Handelszentrum viel Potenzial und unterstützt die Betreiber des Dong-Xuan-Center. Wirtschaftssenator Schwarz lobte den Unternehmer: „Sie sind ehrgeizig, Sie wollen wachsen und Sie wollen investieren.“ Dabei sicherte er seitens des Landes Berlin seine Unterstützung zu. Und Berlins Chef-Touristiker Burkhard Kieker von visitberlin will sich dafür einsetzen, dass es eine direkte Flugverbindung zwischen Berlin und Hanoi gibt.

Nachdem sich der Bus durch den Feierabendverkehr schlängelte, hielt er an Station vier – dem Mies van der Rohe-Haus in der Oberseestraße. Eingebettet ist dieses Architekturdenkmal in ein Villenviertel. Schwarz kannte das vom Architekten Ludwig Mies van der Rohe 1932 errichtete Gebäude bereits aus Reiseführern – und machte keinen Hehl daraus, dass er sich sehr für die Bauhausarchitektur interessiert. Im von Karl Foerster gestalteten Garten verfolgte der Senator aufmerksam die Ausführungen von Wita Noack, der Leiterin des Hauses. Sie erzählte aus der wechselvollen Geschichte, würzte ihren Vortrag mit kleinen Anekdoten, während die Abendsonne den L-förmigen Eingeschosser in das passende Licht rückte.

Zum Schluss ging es aufs Land – in den Ortsteil Malchow, der bis heute seinen dörflichen Charakter erhalten hat und vor allem wegen seiner Störche bekannt ist. Beate Kitzmann ist Geschäftsführerin des Vereins „Naturschutz Berlin-Malchow“ und präsentierte stolz den Naturhof, der an der Dorfstraße entstand – samt Hofladen, Seminarräumen für Umweltbildung und weitläufigen Blühflächen im hinteren Teil. Am Ende genossen Kitzmann, Schwarz, Grunst und Kieker auf dem Steg am Naturteich den Sonnenuntergang. „Lichtenberg ist so eine Offenbarung gewesen“, schwärmte der Wirtschaftssenator. Und versprach, dass er gerne wiederkommt. (gäd.)