Wie Bürgermeister Gordon Lemm (SPD) das Klima retten will

Gordon Lemm (SPD) ist seit 2021 Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf. Foto: Marcel Gäding
Gordon Lemm (SPD) ist seit 2021 Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf. Foto: Marcel Gäding

Seit Kurzem hat der Bezirk Marzahn-Hellersdorf einen Klimarat. Das Gremium, das sich auf Initiative von Bezirksbürgermeister Gordon Lemm (SPD) konstituiert hat, setzt sich aus Expertinnen und Experten von Verbänden, Unternehmen und Organisationen zusammen.

Herr Lemm, Klimaschutz ist ja derzeit ein beherrschendes Thema. Nun soll also Marzahn-Hellersdorf das Klima retten?

Auf jeden Fall! So wie Sie und ich, das ist überhaupt nicht ironisch gemeint. Wenn wir im Kleinen anfangen, unsere Verhaltensweisen zu ändern, dann können wir im Großen alle etwas bewegen. Als Kommune haben wir ja auch die Möglichkeit, gezielt Maßnahmen zu ergreifen und aktiv zu werden.

Dann lassen Sie uns doch mal konkret werden: Wie können Maßnahmen zum Klimaschutz auf bezirklicher Ebene aussehen?

Da gibt es zwei Bereiche, die mir einfallen. Einerseits der Verkehr. Andererseits Energie. Nehmen wir beispielsweise die öffentlichen Gebäude im Bezirk, die wir mit Solaranlagen ausrüsten können oder die nach einer Sanierung weniger Energie verbrauchen. Gemeinsam mit den Wohnungsunternehmen in Marzahn-Hellersdorf lässt sich da schon viel machen. Ich denke da an die Begrünung von Fassaden oder an die Nutzung des anfallenden Regenwassers. Konkret können wir über Bauanträge Einfluss auf Bauvorhaben nehmen. Wir dürfen auch die privaten Eigenheimbesitzer nicht aus dem Blick verlieren. Daher wollen wir über den Verband der Grundstücksnutzer insbesondere Eigentümer von Einfamilienhäusern in unseren Siedlungsgebieten erreichen. Immerhin belegen Eigenheime zwei Drittel der Fläche unseres Bezirks. Über gezielte Informationen wollen wir die Menschen sensibilisieren, weniger Flächen zu versiegeln, auf Gärten mit Schichten aus Kieselsteinen zu verzichten oder das anfallende Niederschlagswasser zu nutzen. Gleichzeitig geht es darum, Energie einzusparen oder Energie zu produzieren. Der ganze Komplex ist sehr vielfältig. Für alle ist das also eine Win-Win-Situation. Dabei wollen wir nichts mit Zwang machen, sondern die Leute für das Thema Klimaschutz gewinnen. Dazu zählen auch Maßnahmen zum Naturschutz oder zur Biodiversität. Eine Wildblumenwiese auf dem eigenen Grundstück könnte da schon ein Anfang sein.

In Sachen Verkehr schauen wir als Verwaltung, wo wir Vorbild sein können. Derzeit werden die Fachabteilungen abgefragt, um zu schauen, wo wir auf Elektromobilität umsteigen können. Ich selbst nutze ab dem kommenden Jahr einen elektrisch angetriebenen Dienstwagen. Darüber hinaus ist es mein Wunsch, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Fahrradflotte bereitzustellen. Viele Wege lassen sich mit dem Rad erledigen. Außerdem leisten wir damit gleich einen Beitrag zur Gesundheitsförderung. Der Ausbau der Radwegeinfrastruktur darf zudem nicht unerwähnt bleiben. Niemand soll gezwungen werden, Rad zu fahren – doch wir wollen für die Menschen in unserem Bezirk die Angebote dafür schaffen.

Welche Aufgaben übernimmt der Klimarat genau?

Er soll ein eigenständiges Gremium sein, am besten unter dem Vorsitz des neuen Klimaschutzbeauftragten oder der neuen Klimaschutzbeauftragten. Das Bewerbungsverfahren läuft, und ich bin zuversichtlich, dass die vakante Stelle in diesem Sommer besetzt ist. Der Klimarat soll Impulse und Vorschläge liefern, auch mal kritisch den Finger in die Wunde legen und Forderungen stellen. Geplant sind einmal im Monat Sitzungen. Wir sind gerade dabei, die Strukturen des Klimarates aufzubauen. Bewusst haben wir für die erste Sitzung offen eingeladen, gut 20 Interessierte waren beim Auftakttreffen dabei. Mir ist es wichtig, dass der Klimarat breit aufgestellt ist. Daher sind dort neben Wohnungsunternehmen, Verordneten und Abgeordneten, Fridays For Future, der BSR, dem ADFC oder der Alice Salomon Hochschule Berlin auch die Fraktionen, Umweltverbände und die Wissenschaft vertreten. Kernthemen sind neben Fragen der Energie auch Müllvermeidung, der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, die Reduzierung des Individualverkehrs. Ich erhoffe mir Vorschläge, die in der Praxis umsetzbar sind.

Das Gespräch führte Marcel Gäding.

Wer sich für die Mitarbeit im Klimarat interessiert, kann sich im Büro des Bezirksbürgermeisters (Tel. 030 90293-2001/ E-Mail: buero.buergermeister@ba-mh.berlin.de) melden.