Wenn Worte nur bedingt helfen

Rainer Lenz aus Berlin ist Selbstschutztrainer. Mit "Self Defense 4 You" will er Schwächeren helfen, sich bestmöglich zur Wehr zu setzen. Foto: Marcel Gäding
Rainer Lenz aus Berlin ist Selbstschutztrainer. Mit „Self Defense 4 You“ will er Schwächeren helfen, sich bestmöglich zur Wehr zu setzen. Foto: Marcel Gäding

Der Marzahner Rainer Lenz arbeitet als Selbstschutztrainer. Er will Schwächeren helfen, sich zu wehren – notfalls auch mit körperlichem Einsatz.

Vor einigen Wochen beobachtete Rainer Lenz im Supermarkt um die Ecke eine Szene, die ihn noch Tage später beschäftigte. Ein Kunde hatte sich geweigert, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen und wurde daraufhin von einem Mitarbeiter angesprochen. Die Situation eskalierte, vermutlich auch wegen der Hautfarbe des Angestellten. Es kam zu fremdenfeindlichen Beschimpfungen. Noch bevor Lenz dazwischen ging, eilten zwei weitere Verkäufer herbei. „Der junge Mann war aggressiv“, erinnert sich Lenz. „Und ich war innerlich bereit, zu kämpfen.“

Rainer Lenz ist 42 Jahre alt, von kräftiger Statur und für gewöhnlich ein friedliebender Mensch. Werden jedoch andere Menschen bedroht, eingeschüchtert oder beleidigt, kann er sich einfach nicht zurückhalten. Lenz ist sogenannter Selbstschutztrainer und gibt sein Wissen, das er in mehr als 14 Jahren beruflicher Tätigkeit in der Sicherheitsbranche gesammelt hat, unter anderem an Kinder und Jugendliche, Frauen sowie Senioren weiter. „Self Defense 4 You“ („Selbstverteidigung für Dich“) hat er sein Ein-Mann-Unternehmen genannt, mit dem er freiberuflich unterschiedliche Kurse und Seminare anbietet. In erster Linie gehe es darum, Gewalt von vornherein zu verhindern, sagt der Marzahner. Daher bringt er zumeist jungen Menschen bei, wie sie selbstsicher und selbstbewusst auftreten, im äußersten Fall aber auch richtige Techniken einsetzen, um sich körperlich zur Wehr zu setzen.

Dass er sich für junge Menschen stark macht, hat auch mit der eigenen Geschichte von ihm zu tun: Wegen seiner roten Haare und seiner Brille wurde Rainer Lenz als Kind in der Schule gehänselt und ausgegrenzt. „Das ging bis zur Körperverletzung mir gegenüber, ich wollte nicht mehr zu Schule gehen“, sagt Lenz. Neben seiner Ausbildung zum Metallarbeiter absolvierte er seine ersten Kurse in Selbstverteidigung. Lenz wechselte in die Sicherheitsbranche, arbeitete als Türsteher, Kaufhausdetektiv und im Veranstaltungsschutz. Seit 2018 bietet er Selbstschutzkurse an – meist in öffentlichen Parkanlagen. Er selbst weiß, wie gefährlich manche Orte in der Stadt sind. Erst kürzlich sorgte ein Täter für Schrecken, weil er mehrere Frauen in Parkanlagen im Berliner Südwesten und in Potsdam vergewaltigte. „Die Hemmschwelle nimmt deutlich ab“, beobachtet Lenz. Auch deshalb will er Menschen dabei helfen, sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen zu können. Dazu gehört, das Selbstbewusstsein zu stärken. Sich körperlich zu verteidigen, könne nur der letzte Weg sein. Daher geht es in den Kursen von Rainer Lenz zunächst darum, die Körpersprache zu stärken, gezielt die Stimme einzusetzen und verbal Grenzen zu setzen.

Einen Ansatz seiner Arbeit sieht Rainer Lenz auch darin, Kinder für Cybermobbing zu sensibilisieren. Dabei handelt es sich um eine Art virtuelle Angriffe, etwa, wenn Kinder Opfer von Diffamierungen im  Internet werden. Eine besondere Rolle spielen seiner Meinung nach Eltern, die ihren Kindern klar machen sollten, welche Gefahren das Internet mit sich bringt. (gäd.)

Mehr Informationen gibt es im Internet:

www.selbstverteidigung-berlin.net