Verein sucht Käufer für das Schloss Hohenschönhausen

Das Schloss Hohenschönhausen ist eigentlich ein Gutshaus. Seit 2003 wird es denkmalgerecht saniert. Foto: Marcel Gäding
Das Schloss Hohenschönhausen ist eigentlich ein Gutshaus. Seit 2003 wird es denkmalgerecht saniert. Foto: Marcel Gäding

In einschlägigen Portalen wurde monatelang das Schloss Hohenschönhausen zum Kauf angeboten. Nachdem die SPD darauf aufmerksam wurde, verschwanden die Inserate. Doch es bleiben viele Fragen offen. Von Marcel Gäding.

Wer auf der Suche nach geschichtsträchtigen Immobilien ist, der stieß bis zum 3. November 2021 auf eine vielversprechende Anzeige: „Historisches Herrenhaus mit viel Potenzial“ war in gleich mehreren Immobilienportalen zu lesen. Es folgten blumige Texte über die Vergangenheit des Gebäudes und Informationen darüber, dass seit 2003 in die Sanierung der ehrwürdigen Bausubstanz bereits ca. 2 Millionen Euro geflossen sind. Ortskundige Betrachter des Inserats erkennen die beworbene Immobilie sofort: Es ist das Schloss Hohenschönhausen in der Hauptstraße.

Seit 13 Jahren ist der Förderverein „Schloss Hohenschönhausen e.V.“ Eigentümer des Gebäudes im Ortskern von Alt-Hohenschönhausen. Es gehörte einst zu einem Rittergut und hat eine wechselvolle Geschichte (siehe Infokasten). Als es nach der Wende leer stand und zusehend verfiel, nahmen sich geschichtsinteressierte Hohenschönhausener der Sache an. Sie verfolgten das Ziel, das Ensemble zu übernehmen, die historische Bausubstanz zu sanieren und dort eine Art „Bürgerschloss“ für alle zu etablieren. Dem Land Berlin gefiel das Konzept, weshalb es das Anwesen im Februar 2008 schließlich für einen symbolischen Euro an den Förderverein verkaufte. Mit Hilfe von Kommunalpolitikern akquirierten die Vereinsmitglieder Geld der Lottostiftung. Von der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg (BVV) gab es regelmäßig Zuwendungen in Form von sogenannten Sondermitteln. Sogar der Bundestag stellte eine sechsstellige Summe bereit.

Wem das Gebäude nebst dem alten Gutspark gehört und dass dort viel öffentliches Geld in Instandhaltung und Sanierung floss, wird in den Inseraten jedoch verschwiegen. Die Beschreibung eines Hamburger Immobilienmaklers, die dem Bezirks-Journal vorliegt, gibt noch nicht einmal Aufschluss darüber, dass es sich um ein mit Steuer- und Lottogeld gefördertes Projekt handelt. Ein Kaufpreis wird nicht genannt, Angaben zur derzeitigen Nutzung durch den Verein fehlen gänzlich.

„Ja, es stimmt, das Schloss war seit November 2020 in allen einschlägigen Immobilienportalen beworben“, räumt Rüdiger Schwarz, der Vorsitzende des Fördervereins ein. Über die Beweggründe wollte er sich auf Nachfrage nicht äußern, weshalb nur über den Verkauf spekuliert werden darf. Im Herbst vergangenen Jahres erschien in der Berliner Woche ein Beitrag darüber, dass der Verein einen strategischen Partner suche und daher einen Teil- beziehungsweise Gesamtverkauf anstrebe. Schwarz verweist auf diese Veröffentlichung und bestreitet deren Inhalte nicht. In dem Artikel ging es darum, dass sich immer weniger Mitglieder auf Grund ihres Alters nicht mehr so tatkräftig für die Sache engagieren können und dass weitere erhebliche finanzielle Mittel nötig seien, um in das denkmalgeschützte Gebäude zu investieren. Auch brauche es künftig Personal, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Unter anderem betreibt der Verein in den Räumen des Gutshauses ein Museum.

Alle bisherigen Versuche, Partner zu finden, schlugen fehl. Vorgesehen war, dass ein Verein dort zur Miete ein Stadtteilzentrum betreibt. Auch der Antrag an den Bezirk, Geld in sechsstelliger Höhe bereitzustellen, verlief im Sande. „Dass wir einen Verkauf beziehungsweise Teilverkauf planen, war im Bezirk jedoch bekannt“, sagt Schwarz. Immer wieder habe es Gespräche gegeben, sei das Schloss Thema in Ausschusssitzungen der BVV gewesen. Auf die Frage, ob sich der Verein in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinde, antwortet dessen Vorsitzender jedoch nicht. „Die Restaurierungsarbeiten laufen, und wir arbeiten“, sagt Schwarz lediglich.

Verwundert zeigt sich der Verein, dass der geplante Verkauf nun auch Thema in der ersten Sitzung der neuen Bezirksverordnetenversammlung war. Der SPD-Verordnete Erik Gührs wollte vom Bezirksamt im Rahmen einer Anfrage wissen, ob ihm bekannt sei, dass das Schloss verkauft werden solle und ob es in diesem Zusammenhang Gespräche gab. „Wir wussten das nicht als Bezirksamt“, sagte Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke). Auch eine Abfrage in den Fachabteilungen habe ergeben, dass der Verkauf so nicht bekannt war. „Wir haben jedoch ein großes Interesse daran, eine Lösung zu finden.“

Noch zwei Tage vor der besagten BVV war das Verkaufsinserat online. „Inzwischen ist es deaktiviert“, sagt Erik Gührs. Er betont, dass das Schloss Hohenschönhausen der Öffentlichkeit zugänglich sein soll. „Wir werden alles in Bewegung setzen, dass es nicht an privat verkauft wird.“ Denkbar wäre, dass die Immobilie wieder zurück an die öffentliche Hand geht. „Der Bezirk könnte einen Ankauf prüfen“, erklärt Gührs. Eine weitere Option könnte zudem sein, dass das Schloss von Vereinen für soziale Projekte genutzt wird.

Für den Vereinsvorsitzenden Rüdiger Schwarz ist die ganze Angelegenheit „ein hochpolitisches Thema“. Er verweist darauf, dass mit allen Akteuren geredet wurde. Wie es mit einem der wenigen Kleinode von Alt-Hohenschönhausen weitergeht, bleibt abzuwarten. Offenbar gibt es aber noch reichlich Gesprächsbedarf.

Geschichte von Schloss Hohenschönhausen: Rittergut und Herrensitz

Das heutige Guthaus Hohenschönhausen wurde vermutlich bis Ende des 17. Jahrhunderts erbaut und gehörte lange Zeit der Familie von Röbel. Diese besaß ab Anfang des 16. Jahrhunderts an gleicher Stelle einen Herrensitz nebst Rittergut. 1817 ging das massiv gebaute Haus an den preußischen Agrarreformer Christian Friedrich Scharnweber (1770-1822) über.

Letzter privater Eigentümer war Paul Schmidt (1868-1948), der sich als Erfinder, Unternehmer und Gründer der Firma DAIMON einen Namen machte. Von ihm stammen unter anderem die Trockenbatterie und die Taschenlampe. An Schmidt und Scharnweber erinnern Gedenktafeln am Haus.

Das einstige Gutshaus wurde 1920 Eigentum der Stadt Berlin. Es wurde unterschiedlich genutzt, zuletzt als Außenstelle des Städtischen Krankenhauses Weißensee.

2003 konnte der Verein mit den ersten Bauarbeiten am Haus beginnen. 2008 übernahm der Verein die Immobilie vom Land Berlin. Im März 2018 wurde von der ProDenkmal GmbH das denkmalpflegerische Gesamtkonzept fertiggestellt.

Weitere Informationen zum Bürgerschloss gibt es im Internet unter www.schlosshsh.de