Vandalismus in Marzahn-Hellersdorfer Parks geht in die Millionen

Der Kienbergpark ist über eine lange Brücke erreichbar. Er gehört zu den jüngsten Parkanlagen von Marzahn-Hellersdorf – und wohl auch zu den umstrittensten. Foto: Marcel Gäding
Der Kienbergpark ist über eine lange Brücke erreichbar. Er gehört zu den jüngsten Parkanlagen von Marzahn-Hellersdorf – und wohl auch zu den umstrittensten. Foto: Marcel Gäding

Im vergangenen Jahr musste der Bezirk Marzahn-Hellersdorf 1,2 Millionen Euro aufwenden, um in Grünanlagen Müll zu entsorgen und Vandalismus-Schäden zu beseitigen. Besonders schlimm ist es im Kienbergpark. Von Marcel Gäding.

Vielleicht liegt es an dem Dauerregen: Die Wege im Kienbergpark sind menschenleer. Und zur Freude von Nadja Zivkovic liegt kein Müll herum, auch sind keine Vandalismusschäden zu sehen. Doch die CDU-Politikerin weiß: Der Schein trügt. Denn der Kienbergpark steht immer wieder im Fokus mutwilliger Zerstörungsaktionen, die längst nichts mehr mit dummen Streichen zu tun haben. Mal werden Zäune zerschnitten, die dem Schutz von Weidetieren dienen, mal Laternen außer Betrieb gesetzt, in dem fachmännisch die Verbindungen gekappt werden. Letztes Jahr traf es den Fahrstuhl zur Aussichtsplattform „Wolkenhain“. Noch nicht lange her ist ein Vorfall, der einem die Sprache verschlägt. Unbekannte gossen in 14 Feuerwehrhydranten Flüssigbeton. „Bis jetzt beläuft sich die Summe der entstandenen Schäden nur im Kienbergpark auf 54.000 Euro“, sagt die für Straßen und Grünflächen zuständige Bezirksstadträtin.

Der Kienbergpark ist 60 Hektar groß und entstand im Zuge der Internationalen Gartenausstellung IGA 2017. Danach ging das Areal in die Zuständigkeit des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf über. Um Ordnung und Sauberkeit kümmert sich die Grün Berlin GmbH, die auch die nahegelegenen Gärten der Welt betreibt. Schon mit der Umgestaltung des Geländes rund um den Kienberg gab es Proteste, die später immer wieder in mutwilligen Zerstörungen mündeten. Vergangenes Jahr beliefen sich die Schäden auf eine Summe in Höhe von 98.000 Euro. Zwar seien Ordnungsamt und Polizei regelmäßig unterwegs. Doch dingfest konnte bislang keiner der Verursacher gemacht werden. Diskussionen, den Kienbergpark einzuzäunen, endeten mit einem klaren Nein durch die Bezirksverordneten. „Dabei wäre ein Zaun eine sinnvolle Maßnahme“, sagt die Kommunalpolitikerin.

Gut 1.200 Hektar Park- und Grünanlagen liegen im Zuständigkeitsbereich des bezirklichen Straßen- und Grünflächenamtes. Die meisten Probleme mit Vandalismus gibt es im Kienbergpark, im Schlosspark Biesdorf oder auf den Ahrensfelder Bergen. Aber auch Müll auf Wiesen und in Blumenbeeten macht den rund 125 Beschäftigten des Straßen- und Grünflächenamtes zu schaffen. 2020 musste der Bezirk 1,2 Millionen Euro an Sach- und Personalkosten aufwenden, um für Ordnung in den Park- und Grünanlagen zu sorgen. „Rein rechnerisch sind unsere Beschäftigten an drei von fünf Tagen in der Woche mit der Müllbeseitigung beschäftigt“, sagt Nadja Zivkovic. Ein wenig Entlastung bringt der Einsatz der Berliner Stadtreinigung, die für die Abfallentsorgung im Biesdorfer Schlosspark, im Bürgerpark Marzahn, in der Hönower Weiherkette und an den Kaulsdorfer Seen zuständig ist. „Es ist schade um das ganze Geld, das wir gut und sinnvoll an anderer Stelle einsetzen könnten“, sagt die Bezirksstadträtin.

An vielen Stellen hat der Bezirk bereits Ideen gegen Müll und Vandalismus umgesetzt. So sind im Schlosspark, im Julius-Goldstein-Park, im Regine-Hildebrandt-Park, am Biesdorfer Baggersee, im Springpfuhlpark, im Bürgerpark und im Hochzeitspark Parkmanager im Auftrag des Bezirksamtes unterwegs. Sie gehen auf Parkbesucher zu, sprechen sie auf deren Müll an – vor allem aber sind sie präsent. Außerdem versuchen sie und die beiden Stadtnatur-Ranger im Bezirk, die Leute für Fauna und Flora zu sensibilisieren. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dies Müll und Vandalismus vermeiden hilft“, berichtet Nadja Zivkovic. Viele seien am Ende doch einsichtig. Weniger Sachschäden erhofft sich der Bezirk auch am höchsten Punkt des Kienbergparks – dem Wolkenhain. Dort gibt es nun eine „Videoüberwachung mit Ansprache“: Werden mutmaßliche Täter beobachtet, kann sich ein Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes per Lautsprecher einschalten, gegebenenfalls seine Kollegen vor Ort oder die Polizei alarmieren.

Allerdings dürften Müll und Vandalismus weiter ein Thema sein, „denn der Druck auf die Flächen wird größer“, wie es Nadja Zivkovic formuliert. Gerade in der Corona-Pandemie zieht es die Menschen in Parks und Grünanlagen.