Unwetter in Lichtenberg: Umweltstadtrat will die Natur wieder zurückholen

Verregneter August am Kunzeweg in Lichtenberg: Donnerstag regnete es dort mit kurzen Unterbrechungen, das Wasser sammelte sich auf der Straße. Foto: Marcel Gäding
Verregneter August am Kunzeweg in Lichtenberg: Donnerstag regnete es dort mit kurzen Unterbrechungen, das Wasser sammelte sich auf der Straße. Foto: Marcel Gäding

Extreme Regenfälle, starke Niederschläge: Immer wieder gibt es Unwetter in Lichtenberg. Nun will Umweltstadtrat Martin Schaefer (CDU) Experten an den Tisch holen, um mit ihnen zu besprechen, wie man auf die ungewöhnlichen Wetterlagen reagieren kann. Einige Ideen dazu gibt es bereits.

Die Bilder von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen sind noch präsent: Mehr als 180 Tote, unzählige Vermisste und ein milliardenschwerer Schaden haben die Fluten nach tagelangem Starkregen Mitte Juli hinterlassen. Extreme Wetterlagen gibt es aber auch in unserer Region, sagt der für Umwelt zuständige Lichtenberger Bezirksstadtrat Martin Schaefer (CDU) – und zählt Beispiele auf: „Dazu gehören der geflutete Tunnel der B1/B5 in Friedrichsfelde oder die Bahnunterführung in der Schlichtallee in Rummelsburg.“ Wenige Stunden Regen reichen aus, um ganze Straßen unpassierbar zu machen. Vor zwei Jahren wurden durch heftige Niederschläge Teile des Kaskelkiezes unter Wasser gesetzt – mit immensen finanziellen Folgen für Bezirk, Hauseigentümer und Gewerbetreibende.

Die Ursachen dafür, dass Straßen und Plätze unter Wasser gesetzt werden: Niederschläge können nicht versickern, weil immer mehr Flächen bebaut werden. Deshalb will Schaefer noch in der laufenden Wahlperiode Experten an einen Tisch holen, um mit ihnen geeignete Maßnahmen zu besprechen. „Das ist ein Thema, das wir stärker anpacken müssen“, sagt der Umweltstadtrat. Unter anderem gehe es darum, Flächen zu entsiegeln – also der Natur den Platz einzuräumen, den sie benötigt. Erste Gespräche habe er bereits mit Verbänden sowie Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften geführt. „Wir brauchen mehr Planung und müssen sehen, wo wir renaturieren“, sagt Schaefer. Übersetzt heißt das: weniger gepflasterte Innenhöfe, Abriss leerstehender Garagenkomplexe, Rückbau von Betonflächen. „Wir müssen uns darauf verständigen, wie und wo wir schneller reagieren können“, erklärt der Kommunalpolitiker und hofft auf ein möglichst breites Bündnis an seiner Seite. „Die Ereignisse der vergangenen Wochen zeigen uns, dass wir nicht naiv in die Zukunft gehen können.“ Außerdem fordert er, auf Bezirksebene eine(n) „Klimafolgenbeauftragte(n)“ beziehungsweise „Extremwetterbeauftragte(n)“ einzustellen.

Beate Kitzmann ist Diplom-Biologin und Geschäftsführerin des Vereins „Naturschutz Malchow“. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit den Folgen des Klimawandels. Vor geraumer Zeit machte sie unter anderem auf Gewässer wie den Gehrensee aufmerksam, die allmählich austrocknen, weil anfallendes Regenwasser nicht mehr in die Natur, sondern in die Kanalisation gelangt. Sie findet es richtig, bei Extremwetterlagen endlich vorbeugend zu reagieren, warnt jedoch davor, neue Regelwerke zu erstellen. „Wir können auf viele kluge Konzepte zurückgreifen, die bereits existieren, es gibt für alles intelligente Lösungen“, sagt Beate Kitzmann. Es sei grundsätzlich falsch, Regenwasser wegzuleiten. „Es sollte vor Ort versickern können.“ Allerdings werden viele bestehende Regelungen schlichtweg nicht angewandt.

Obwohl im September mit den Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung auch an der Spitze des Rathauses die Karten neu gemischt werden, will Schaefer das Thema noch in diesem Herbst anpacken. „Es gibt verschiedene Dinge, die wir anpacken müssen“, sagt er und hofft, berlinweit Gehör zu finden. „Da werden wir dem Senat noch einmal auf die Füße treten.“ (gäd.)