Unternehmen im Fokus: Ökomode, etwas Spielzeug und viele Accessoires

Mareike Hadeler in ihrem Geschäft an der Lichtenberger Alfredstraße. Foto: Angelika Giorgis
Mareike Hadeler in ihrem Geschäft an der Lichtenberger Alfredstraße. Foto: Angelika Giorgis

Hoppla Charlotte heißt ein kleiner, feiner Laden mit nachhaltig produzierter Kleidung für Groß und Klein. Von Angelika Giorgis.

Ob sie das Geschenk in von ihr recyceltem Marzipanpapier aus Lübeck eingepackt haben wollen, fragte Mareike Hadeler ein junges Paar. Die Beiden suchten ein praktisches und hübsches Mitbringsel für eine Einjährige und entschieden sich für bunte Stulpen aus Wolle. Die sind vielseitig einsetzbar. Wichtig war den Schenkenden aber auch, dass es etwas Nachhaltiges ist, das die Kleine erhält.

Eine junge Mutter fragte wenig später nach einer Regenjacke. „Ich habe welche mit Lotuseffekt, an denen das Wasser leicht abperlt. Plastiksachen führe ich nicht“, erklärt Mareike Hadeler. Die Mutter ist interessiert, aber die Jacken sind ihrem Sohn etwas eng. Mareike verweist sie auf einen anderen Laden mit einem ähnlichen Sortiment. Schließlich kauft die kleine Familie Baumwollsocken für den Dreijährigen und Fingerfarbe. Mehr als zwei Farben sollte man Kindern in diesem Alter nicht anbieten. So können sie gut experimentieren, erklärt ihr Mareike.

An diesem Dienstag gaben sich viele Kunden die Klinke in die Hand. Das war nicht immer so. Die Räume in der Alfredstraße wurden schon seit 2011 für eine Bürogemeinschaft angemietet. Die studierte Produktdesignerin unterrichtete damals im Bereich Nachhaltiges Design an der Hochschule für Wirtschaft und Recht und an Volkshochschulen. Außerdem arbeitete sie im Vorstand von Sustainable Design Center (SDC).

„Ich wollte nie etwas entwerfen, wenn ich nicht wusste, wo es hergestellt wird“, erklärt die Designerin. Da sie in Berlin schon lange immer wieder im Verkauf von nachhaltiger Kleidung arbeitete, entschloss sie sich, sich damit im eigenen Kiez selbstständig zu machen. Das war sehr ambitioniert, denn die Alfredstraße ist keine Laufgegend für Kundschaft. An der vielbefahrenen Straße findet man das Berliner Frauengefängnis, ein paar Meter weiter das Lichtenberger Amtsgericht. Um die Ecke pulsiert der Verkehr auf der Frankfurter Allee. Wegen der strukturellen Defizite wurde die Gegend 2011 vom Berliner Senat zum Fördergebiet des Stadtumbaus erklärt. Seither hat sich einiges getan. Viele junge Familien zogen in die sanierten Häuser aus den 1920er- bis 1940er-Jahren und in die Plattenbauten an der Frankfurter Allee.

Waren stammen von 50 Unternehmen aus Deutschland

Die anfänglichen Schwierigkeiten hat Mareike fast vergessen. Man findet sie auch auf Kiezfesten und anderen Veranstaltungen. Dort bietet sie unter anderem Workshops an und verteilt Flyer. Sie selbst organisiert auch Feste mit Musikern, Kaffee, Kuchen und Schnittchen. Seit dem fünften Geburtstag ihres Ladens wird einmal jährlich im Café Maggie, einem Ort für junge Leute in der Frankfurter Allee, gefeiert. Dort findet dann auch ein großer Lagerverkauf statt. Das traditionelle Herbstfest im Laden fällt in diesem Jahr leider aus. Sonst präsentiert Mareike bei dieser Gelegenheit ihre Waren für Babys, Kinder und Erwachsene – von der Unterwäsche bis zur Jacke, aber auch etwas Spielzeug. Für Kinder bietet sie viele Wollsachen an – Pullover, Jacken, Anzüge, Strampler und Shirts, bunte Hosen, Leggins, Sturmmützen und Haargummis, Knete, Farben, gehäkelte Kakteen, Edelstahlflaschen, Rucksäcke, weiche Decken, sonnenabweisende Hüte. Erwachsene finden Jacken, Hosen, Shirts Blusen, Hemden, Kleider und feinen Schmuck. Die Waren kommen von etwa 50 Firmen, hauptsächlich aus Deutschland beziehungsweise unserer Region, beispielsweise von einer Modedesignerin aus Neukölln. Die Fingerpuppen stammen aus einer Lichtenberger Werkstatt, die Rucksäcke für Kinder aus Köln. Eine Designerin macht Upcycling. Sie näht aus Resten von Möbelkatalogen Taschen. Viele Lieferanten produzieren komplett in Deutschland. Mareikes Lieblingsfirma stammt momentan aus Spanien. Aber auch skandinavische Unternehmen liefern in die Alfredstraße. „Man kann mich nach allen Firmen fragen“, sagt sie. „Ich weiß genau, woher die Kleidung kommt.“ Meistens sind es kleine Unternehmen, denn die großen haben einen zu hohen Mindestbestellwert oder sind weniger transparent. Sie fährt mit einer Kollegin zu Messen und schaut, was in ihren Laden passt. Auch Wünsche von Kunden sind willkommen.

Leider ist die Kleidung bei Anlieferung noch in Plastik verpackt. Das verlangt der Zoll. „Man muss sich also neben dem Geschäft und der Familie auch noch politisch engagieren, zum Beispiel bei der Initiative Lieferkettengesetz“, resümiert Mareike. Bei unserem Besuch packte sie Kleidung für die Herbstsaison aus. Sie war froh, dass diese rechtzeitig eintraf, denn die 38jährige fuhr am nächsten Tag mit ihrem kleinen Sohn zur Mutter-Kind-Kur. Die letzten Jahre haben Spuren hinterlassen.

Dank der staatlichen Corona-Hilfe konnte sie ihre Kollegin während des Lockdowns weiterbeschäftigen. Die übernimmt nun für ein paar Wochen den Laden. Im März/April hielten die Frauen über Facebook, Instagram, den Blog und per E-Mail Kontakt zu ihren Kunden. Sie sandten Fotos von der Ware und packten anschließend Päckchen, die sie verschickten oder mit dem Fahrrad im Kiez auslieferten. Immer mehr Kunden kommen mittlerweile aus der Innenstadt oder aus Randlagen wie Biesdorf. Der nächste U-Bahnhof Magdalenenstraße ist nur wenige Meter entfernt.

Hoppla Charlotte: Alfredstr. 4, 10365 Berlin, Tel. 030 22346360, geöffnet: Di/Mi/Do/Sa 10-18 Uhr und auf Anfrage, www.hopplacharlotte.de