Unternehmen im Fokus: Ein Hauch von Uckermark in Hohenschönhausen

Nicole Kuhlmann in ihrem Laden in Alt-Hohenschönhausen. Das Sortiment umfasst 500 verschiedene Produkte. Foto: Angelika Giorgis
Nicole Kuhlmann in ihrem Laden in Alt-Hohenschönhausen. Das Sortiment umfasst 500 verschiedene Produkte. Foto: Angelika Giorgis

Das uckermärkische Kastaven gab dem Bio-Landladen in Alt-Hohenschönhausen seinen Namen. Lange brauchte es, bis sich das neue Angebot im Kiez herumsprach. Inzwischen werden die regionalen Produkte aus dem Umland stark nachgefragt. Von Angelika Giorgis.

2012 war für Nicole und Dominik Kuhlmann das Jahr der Entscheidungen. Die gelernte Einzelhandelskauffrau und der Offsetdrucker fanden in der Konrad-Wolf-Straße Geschäftsräume, die perfekt zu ihren Vorstellungen von einem Bioladen passten. Geht man nämlich von der Straße aus hindurch, kommt man in einen großen Garten. Sie heirateten im Juni und nannten ihr wenig später eröffnetes Domizil „Kastaven“ nach dem idyllischen Ort nahe Fürstenberg, wo sie sich das Ja-Wort gegeben hatten.

„Anfangs kochte ich täglich zwei Suppen, die im hinteren Raum serviert wurden. Vorne kauften die Kunden ein“, erinnert sich die heute 45-jährige. Das Sortiment war damals leicht überschaubar, der Kundenkreis war es auch. „Es dauerte eine Weile, ehe sich unser Angebot herumgesprochen hatte.“ Doch mit zunehmender Kundschaft wuchsen auch deren Wünsche. So erweiterten die Ladeninhaber ihr Angebot bereits am ersten Tag, als ein Kunde nach Bananen fragte. Eigentlich hatte sich das Paar vorgenommen, nur Regionales anzubieten. Heute bieten die beiden Geschäftsleute mehr als 500 verschiedene Produkte. Sollte ein Kunde nicht das finden, was er sucht, wird die Ware kurzfristig bestellt.

Die Zulieferer kommen hauptsächlich aus der Region, beispielsweise aus dem Ökodorf Brodowin und aus Lobetal, von der Biomanufaktur Havelland und der Rheinsberger Preußenquelle, vom Waldpferdehof Müncheberg und vom Landgut Pretschen im Unteren Spreewald.

Im Regal stehen Bio-Kräutertees vom Kräutergarten Pommerland. Diese Bio-Teemanufaktur wird von einer kleinen Genossenschaft aus dem Lassaner Winkel gegenüber der Insel Usedom betrieben. Einige vegane Bio-Suppen im Glas tragen den Namen „Wünsch Dir Mahl“. Doch Nicole Kuhlmann hat inzwischen auch selbst eine eigene Suppen-Linie entwickelt. Während sich ihre Mitarbeiterin im Laden um die Kunden kümmert, kocht sie in ihrer Werkstatt namens „Küchenmamselle“ in der Küstriner Straße beispielsweise Königsberger Klopse, vegan gefüllte Paprikaschoten, vegane und glutenfreie Spargelcremesuppe oder Marmeladen. Es werden ausschließlich natürliche Rohwaren ohne jegliche Zusätze, Laktose, Gluten und raffinierten Zucker verwendet. Die Gläser sind ohne Konservierungsstoffe mehr als ein Jahr haltbar.

2014 konnte das Paar weitere angrenzende Räume mieten. Das ist nun das Refugium von Dominik Kuhlmann. Seine Kiezkantine nennt sich „Suppe und Stulle“. Auch hier wird selbst gekocht, aber nicht ausschließlich mit Bio-Waren. Geöffnet ist der Garten zurzeit montags bis freitags von 11 bis 15 Uhr. Man kann auch bestellen unter Tel. 015110408224 oder per E-Mail suppeundstulle@gmail.com. Gerade wurde im Garten eine Loggia gebaut, damit die Gäste zwar im Freien, aber dennoch im Trockenen sitzen können. „Der Garten ist in diesen Zeiten ein Segen“, meint Nicole.

Mittlerweile wohnen die Beiden selbst im Kiez und freuen sich, dass hier weiter gebaut wird. Die neuen Nachbarn interessieren sich sehr für ihr Angebot. Die Kunden greifen momentan besonders gern beim biozertifizierten Beelitzer Spargel zu. Den gibt es erst seit letztem Frühjahr. Auch Erdbeeren, Champignons und Gurken aus Deutschland sind gefragt. Die Äpfel stammen noch von der letzten Ernte. Sie kommen aus dem Alten Land.

Im Regal stehen verschiedene Säfte und Weine, Maibock und Märzen-Bier von der Braumanufaktur, Eierlikör aus Ferch und Grumsiner Schnäpse. „Diese Etiketten gefallen mir besonders gut“, gesteht Nicole Kuhlmann. Neu ist Honig mit Caramel oder Himbeere/Lavendel aus Tempelhof und Honig aus dem Havelland. Neben Nussmischungen im Pfandglas mit den klangvollen Namen „Wilde Rosmarie“, „Freiburger Nussmix“ oder „Feuertänzer“ gibt es Soja-Geschnetzeltes, Datteln, Hanfsamen und Leinsamen mit Nachfüllsystem. Der Haus- und Hofkäse heißt „Wilder Bernd“. Dafür wird Kuhmilch in einem Eichenfass zwei Jahre lang gelagert und anschließend mit Dinkel und Schabziger Klee ummantelt. Büffelsalami kommt aus Jüterbog, Hähnchen- und Putenfleisch aus Fahrenzhausen. Nicole Kuhlmann empfiehlt mir Bio-Wiener vom Gut Kerkow. „Das sind tolle Würste aus einer Warmschlachtung“, meint sie.

Das Mehl für Brot und Brötchen von der Berliner Jute-Bäckerei, die ausschließlich glutenfreie Backwaren produziert, stammt aus biologischem Anbau. Ebenso das vom Märkischen Landbrot aus Neukölln. Besonders begehrt sind die Dinkel-Möhren-Brötchen.

Ihre Affinität zu schöner Kosmetik hat Nicole Kuhlmann ausgebaut. Darum bietet sie Bio-Kosmetik an, beispielsweise von der Firma Lenz, die zu 80 Prozent deutsche Inhaltsstoffe verwendet. Der Kunde findet auch Bio-Reinigungs- und Waschmittel, Nahrungsergänzungsmittel, schöne Seifen zur Körperpflege und für die Haare, diverse Ernährungsratgeber, Nahrungsmittel und Kosmetik für Babys, hübsche Schachteln zum Verpacken und diverse Karten zum Verschenken. Frau Kuhlmann nimmt natürlich auch Bestellungen für Geschenkkörbe an. Das hintere Zimmer mit seiner gemusterten Tapete, der alten Lampe und den diversen Kleinigkeiten ähnelt einem Wohnzimmer aus vergangenen Zeiten.

Nur etwa 30 Jahre alt hingegen ist Karmakoma, eine Wasserschildkröte, die sich sichtlich wohl in ihrem großen Aquarium fühlt. Dominik Kuhlmann fand sie in einem alten Waschbecken und hat sich ihrer angenommen. Wenn Kunden durch den Laden stöbern, stehen ihre Kinder oft vor dem Aquarium und bewundern das gepanzerte Tier.

Weitere Informationen:
Landladen Kastaven, Konrad-Wolf-Straße 74, 13055 Berlin, Tel. 030 98318884,
info@landladen-kastaven.de