Umwelt in Hellersdorf: Ein Paradies für Naturfreunde

Eine von 26 Tafeln informiert am Eingang zum Kurt-Julius-Goldstein-Park über die Pflanzenwelt. Foto: Marcel Gäding
Eine von 26 Tafeln informiert am Eingang zum Kurt-Julius-Goldstein-Park über die Pflanzenwelt. Foto: Marcel Gäding

Zwei Hellersdorfer Parkanlagen waren lange vermüllt und verschmutzt. Parkläufer kümmern sich nun seit drei Jahren um das Stadtgrün. Ihr jüngstes Projekt: ein Naturlehrpfad. Von Marcel Gäding.

Zwischen der Strecke der U-Bahnlinie 5 und zahlreichen Sechsgeschossern ist in den vergangenen Jahren ein kleines Paradies entstanden. Dort sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht, auch heimische Insekten und unzählige Vogelarten fühlen im Regine-Hildebrandt-Park sowie dem Kurt-Julius-Goldstein-Park wohl. Allerdings galten die seit 2006 aus Fördermitteln gestalteten Grünanlagen lange als Sorgenkind. Skulpturen mit Zitaten der SPD-Politikerin Regine Hildebrandt waren bis zur Unkenntlichkeit mit Graffiti übersät, Müll prägte lange Zeit das Bild.

Der soziale Träger „pad gGmbH“ übernahm 2019 die Betreuung der beiden Grünanlagen und ist seitdem mit vier Parkläufern permanent dort präsent. Im Auftrag von Land und Bezirk sorgen sie dafür, dass Ordnung herrscht, sprechen gezielt junge Menschen oder Obdachlose an und setzen eigene Ideen um. Und das mit Erfolg: Müll ist kaum noch zu finden. Mit Hilfe eigener Mülltonnen konnte der Abfall auf Wegen und Wiesen um rund 80 Prozent reduziert werden. Hundebesitzer können zudem auf kostenfreie Kotbeutel zurückgreifen, um die übelriechenden Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner sauber zu entsorgen. Ein Erfolg ist auch, dass es nur noch selten Ansammlungen von Gruppen gibt, die für Ärger sorgen. So wurden für acht Mitglieder einer Clique, die gerne im Park Alkohol konsumierten, Hilfsangebote organisiert. Die Gruppe löste sich dann auf.

Uwe Barthel und Anne Karpinski gehören zum Parkläufer-Team. Sie sind fast täglich zwischen den U-Bahnhöfen Lewis-Lewin-Straße und Cottbusser Platz unterwegs, um die beiden Parkanlagen in Schuss zu halten. „Zunächst haben wir, auch mit Unterstützung von Cleanup MaHe, dem Abfall den Kampf angesagt“, berichtet Uwe Barthel. Sie beseitigten Gefahrenstellen, Graffitischmierereien und stellten neben Müllbehältern auch Aschenbecher auf. Das Ergebnis: Inzwischen nutzen Studierende der nahen Alice Salomon Hochschule Berlin die Grünanlagen wieder für ihre Mittagspause oder Familien aus den benachbarten Wohnblöcken, um zu picknicken oder gemeinsam die Abendsonne zu genießen. „Wir verstehen uns nicht nur als Parkläufer, sondern wollen gemeinsam mit den Menschen die Anlagen gestalten“, erklärt Barthel.

Um die Parks noch attraktiver zu machen, installierten die Parkläufer der „pad gGmbH“ in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum „Schleipfuhl“ 26 Informationstafeln, die über die Tier- und Pflanzenwelt informieren. Dabei bot es sich an, die Holzkonstruktionen in Eigenregie aufzubauen, was Geld sparte. „Der Naturlehrpfad soll die Hauptattraktion hier werden“, sagt Anne Karpinski. Auf den Tafeln ist zu lesen, welche Vögel in den Grünanlagen heimisch sind und für wen die Bäume einen wichtigen Lebensraum darstellen. Wer zwar schon mal von einem Insektenhotel gehört hat, aber sich darunter nichts vorstellen kann, wird ebenfalls aufgeklärt. „85 Prozent des Lehrpfades sind fertiggestellt, der Rest folgt in den kommenden Monaten.“ Und auch an die Tierwelt haben Parkläufer gedacht – und wollen Vogeltränken aufstellen. Die kleinen Teiche und Versickerungsgraben in den Grünanlagen sind nämlich im Sommer so gut wie ausgetrocknet. Nistkästen helfen außerdem, Höhlenbrütern einen ruhigen Rückzugsort zu garantieren. Im Winter dienen sie zudem Insekten und Eichhörnchen als warmes Quartier, während sich die Vogelwelt an drei Futterhäuschen erfreut.