Trauer um früheren Lichtenberger Bürgermeister

Christian Kind (SPD) war von 1990 bis 1992 erster Lichtenberger Bezirksbürgermeister nach dem Fall der Mauer. Foto: Marcel Gäding
Christian Kind (SPD) war von 1990 bis 1992 erster Lichtenberger Bezirksbürgermeister nach dem Fall der Mauer. Foto: Marcel Gäding

Der frühere Lichtenberger Bezirksbürgermeister Christian Kind ist tot. Wie das Bezirks-Journal aus Parteikreisen erfuhr, starb der SPD-Kommunalpolitiker am vergangenen Sonnabend im Alter von 76 Jahren.

Christian Kind war 1990 nach den ersten freien Kommunalwahlen in der DDR zum Bezirksbürgermeister von Lichtenberg gewählt worden. Unter seiner Leitung baute er bis 1992 die frühere Stadtbezirksverwaltung zum Bezirksamt um. Dazu gehörte auch, neues Personal zu gewinnen, Mitarbeiter auf eine frühere mögliche Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit zu überprüfen und Strukturen zu schaffen. Parallel engagierte sich Kind am Runden Tisch und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der SDP – der Vorgängerpartei der SPD im Osten. Außerdem saß er seit der Wende für die SPD in den verschiedenen Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) – zunächst im Altbezirk Lichtenberg, seit 2001 im Fusionsbezirk Lichtenberg-Hohenschönhausen, der kurz nach der Bezirkszusammenlegung in „Lichtenberg“ benannt wurde. Kind bekleidete darüber hinaus verschiedene Funktionen innerhalb seiner Partei. Bekannt wurde er durch seine direkte Art, Probleme anzusprechen. Aus Parteikreisen hieß es, dass Christian Kind überlegte, kommendes Jahr zur BVV-Wahl erneut zu kandidieren. Für viele kommt sein Tod überraschend. Innerhalb seiner Partei hatte seine Stimme Gewicht.

Michael Grunst, seit 2016 Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, reagierte am Donnerstag schockiert und „tief betroffen“ auf die Nachricht, dass Christian Kind nicht mehr lebt. „Er hat seit seiner Wahl zum Lichtenberger Bürgermeister im Mai 1990 viel für Lichtenberg geleistet und die Herausforderungen, die in dieser Zeit mit der Wiedervereinigung anstanden, gemeistert“, sagte der Linkenpolitiker dem Bezirks-Journal. „Immer den Blick auf das was getan werden musste, rang er auch als Bezirksverordneter im demokratischen Prozess um die besten Lösungen.“ Als legendär bezeichnete Grunst Christian Kinds Wissen um die Geschichte Lichtenbergs. Der Familie gelte seine meine aufrichtige Anteilnahme. „Ich wünsche viel Kraft in diesen schweren Stunden. Wir werden Christian Kind sehr vermissen.“

„Mit Christian Kind verliert die SPD-Fraktion einen leidenschaftlichen und streitbaren Sozialdemokraten“, sagte Jutta Feige, stellvertretende Vorsitzende der Lichtenberger SPD-Fraktion. „Christian Kind trat im Herbst 1989 in die SDP ein und übernahm im Januar 1990 die Aufgabe, sich um die Lichtenberger Kommunalpolitik zu kümmern. Dieser Aufgabe widmete er sich bis zu seinem plötzlichen Tode mit Begeisterung und viel Engagement.“ Christian Kind hinterlasse eine große Lücke. „Er wird uns fehlen. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.“

Bestürzt hat auch die CDU-Fraktion reagiert. „Noch vor wenigen Tagen haben wir gemeinsam an einer Sitzung der BVV Lichtenberg teilgenommen. Die Nachricht des plötzlichen Todes von Bürgermeister Kind erfasst uns mit tiefer Trauer“, sagte Fraktionsvorsitzender Gregor Hoffmann. „Er war eine Persönlichkeit mit Charakter und ein Mann mit klarer Position, die er stets auch zu vertreten wusste.“ Seine offene Haltung zur demokratischen Mitte und die Diskursbereitschaft waren nicht bequem, jedoch eine angenehme politische Art sich im Sinne von Argumenten zu begegnen und nicht nur der Parteilinie zu folgen. „Wir verlieren mit ihm eine anerkannte Persönlichkeit mit eigenem Kopf. Er machte einen Unterschied aus und wird hier eine Lücke reißen.“ (gäd.)