Theater und Kino in der Schwimmhalle

Blick in eine von zwei Schwimmhallen im Stadtbad Lichtenberg (Aufnahme von 2014). Dort sollen künftig Kulturveranstaltungen stattfinden. Foto: Marcel Gäding
Blick in eine von zwei Schwimmhallen im Stadtbad Lichtenberg (Aufnahme von 2014). Dort sollen künftig Kulturveranstaltungen stattfinden. Foto: Marcel Gäding

Das „Hubertusbad“ soll in absehbarer Zeit schrittweise wieder eröffnet werden. Baden wird dort nicht mehr möglich sein. Die landeseigene BIM will stattdessen unter anderem Kunst, Kultur und Gewerbe ermöglichen. Von Marcel Gäding.

Acht Jahre ist es jetzt her, dass sich vor dem Hubertusbad Menschen an einem Planschbecken trafen. Der heutige Innensenator Andreas Geisel (SPD) war damals noch Bezirksbürgermeister und sich nicht zu schade dafür, einen gestreiften Badeanzug überzuwerfen und sich mit Schwimmreifen vor die Kameras der Fotografen zu stellen. Eine Initiative mit dem Namen „Licht an im Hubertusbad“ hatte zum öffentlichen Baden vor die altehrwürdige Schwimmhalle geladen, die seit der Wende geschlossen ist und gehofft, dass sich die beiden großen Becken wieder mit Wasser füllen. Zumindest ein Wunsch wird in Erfüllung gehen: Schon bald wird im Hubertusbad das Licht angehen. Doch die beiden Becken bleiben trocken.

Das „Stadtbad Lichtenberg“, wie das Hubertusbad richtig heißt, wurde 1928 eröffnet. Neben einem Becken für Frauen und einem für Männer fanden in dem zweigeschossigen Gebäude in der Hubertusstraße auch Badeabteilungen, Massagebereiche und ein Gymnastiksaal Platz. Schon Ende der 1980er-Jahre aber versagte ein Teil der Technik, 1991 wurde ein Defekt an der Hauptwasserzufuhr entdeckt. Alle Bemühungen, das Hubertusbad zu sanieren, schlugen fehl – meist lag es am Geld. Versuche, Investoren zu finden, gingen ins Leere, sodass 2016 beschlossen wurde, das landeseigene Bad in die Zuständigkeit der Berliner Immobilienmanagement GmbH, kurz BIM, zu übertragen. Seither wird überlegt, welche Zukunft das Hubertusbad haben könnte. Von Anfang an wurden dabei die bislang tätigen privaten Unterstützervereine einbezogen, ebenso der Bezirk und zahlreiche freie Träger. Im Rahmen von verschiedenen Aktionen – darunter Befragungen und Workshops – sammelte die BIM Ideen für die Nachnutzung. Ganz oben auf der Wunschliste stand nach wie vor, den Schwimmbetrieb in dem denkmalgeschützten Gebäude wieder aufzunehmen. Doch diese Hoffnung wird nicht erfüllt, wie in einem kürzlich veröffentlichten Konzeptpapier der BIM nachzulesen ist. Es enthält neben einer Bestandsaufnahme und den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung auch Antworten auf Fragen, was machbar ist – und was eben nicht. In letztere Kategorie fällt der Schwimmbadbetrieb. „Sowohl das Bezirks­amt Lichtenberg, aufgrund verschiedener Bedenken des Amtes für Denkmalschutz, wie auch die Berliner Bäderbetriebe schließen jedoch eine neuerliche Nutzung des Hubertusbades als Schwimmbad aus“, heißt es in dem Konzeptpapier. Die Bäderbetriebe führen vor allem betriebswirtschaftliche Gründe an: die Sanierung der Schwimmbecken, der laufende Betrieb und die Betriebskosten sind schlichtweg zu teuer. „Es ist anzunehmen, dass eine private Finanzierung und Trägerschaft eines Schwimmbetriebes zu erhöhten Eintrittspreisen führen und einer nachbarschaftlichen Nutzung so nicht gerecht werden würde.“ Infolgedessen werde „der Wunsch einer Badnutzung in diesem Konzeptpapier nicht weiterverfolgt“.

Stadtbad Lichtenberg soll seinen Charakter behalten

Künftig soll das Hubertusbad als Veranstaltungshaus, Begegnungsstätte und Nachbarschaftstreff gleichermaßen genutzt werden. „Gerade durch die neue Nutzung besteht die Chance, das Gebäude in seinem ursprünglichen und historischen Charakter zu erhalten“, sagt Johanna Steinke, die Sprecherin der BIM.

Bevor überhaupt daran zu denken ist, das Hubertusbad wieder zu öffnen, sind Bauarbeiter gefragt. Neben der baulichen Sicherung des Gebäudes müssen zunächst Schadstoffe wie Lacke, Holzschutzmittel und Farben beseitigt werden. In den kommenden Jahren folgt die schrittweise Sanierung der einzelnen Etagen, parallel soll es sogenannte Zwischennutzungen geben. Ab dem dritten Quartal 2021 könnte zunächst das Erdgeschoss für eine Nutzung freigegeben werden – also das Kernstück des Stadtbades. Gut 5 Millionen Euro wird die BIM bis dahin bereits investieren. So ist daran gedacht, eine der Schwimmhallen für Kino- und Theatervorführungen ebenso zu öffnen wie für Tagungen der Bezirksverordnetenversammlung. Dafür bekommt das alte Becken ein Podest, seine Umrisse werden aber weiterhin erkennbar sein. Künftig gibt es Platz für bis zu 199 Personen. Die Vermietung nimmt die BIM nach Angaben ihrer Sprecherin Johanna Steinke für die Zeit der Teilöffnung selbst in die Hand.

Von einem Café ist die Rede, von Werkstätten, Ausstellungsräumen und Sportflächen. Zwei Jahre später soll das Obergeschoss folgen, in dem unter anderem Arbeitsplätze für Kreative entstehen oder aber Räume, in denen therapeutische Leistungen erbracht werden. „Volksbäder wie das Stadtbad Lichtenberg hatten seit ihrer Erbauung einen demokratischen Auftrag, richteten sich an eine möglichst breite Bevölkerungsschicht und waren Orte der Begegnung und Gemeinschaft“, schreiben die Autoren in dem Konzeptpapier. Dieser Grundgedanke solle sich auch in der zukünftigen Nutzung des Hubertusbades wiederfinden. Großformatige Events könnten in der großen Schwimmhalle stattfinden. Mit der kommerziellen Vermietung soll das Geld für die sogenannten nachbarschaftlichen Nutzungen im Haus eingespielt werden.