Tausende neue Kitaplätze für Lichtenberg

Blick in den Umkleidebereich der Kita Abenteuerland in der Anna-Ebermann-Straße in Berlin-Hohenschönhausen. Die Einrichtung wurde im Sommer um einen Neubau namens „Pirateninsel“ erweitert. Foto: Marcel Gäding
Blick in den Umkleidebereich der Kita Abenteuerland in der Anna-Ebermann-Straße in Berlin-Hohenschönhausen. Die Einrichtung wurde im Sommer um einen Neubau namens „Pirateninsel“ erweitert. Foto: Marcel Gäding

Freie und öffentliche Träger schaffen innerhalb von zwei Jahren deutlich mehr Kitaplätze in Lichtenberg. Allerdings fehlt für 1.400 Kinder das Personal, wie dem neuen Kita-Entwicklungsplan zu entnehmen ist. Von Marcel Gäding.

Wer beim Amt für Statistik Berlin Brandenburg geduldig nach Zahlen sucht, der stößt mitunter auf beeindruckende Angaben: So stieg die Zahl derer, die in Lichtenberg gemeldet sind, innerhalb von zehn Jahren um rund 43.000 auf nun 294.000. Zwischen 2009 und 2019 zogen also so viele Menschen in den Bezirk, wie Eisenach, Wismar oder Falkensee Einwohner haben. Doch der Zuzug hat Folgen: Wohnraum wird knapp, es fehlt an Schulen – und an Kitas. Landes- und Bezirkspolitik haben längst reagiert, investieren in die soziale Infrastruktur. So wird die Zahl der Kitaplätze zwischen Dezember 2019 und Dezember 2021 um mehr als 2.000 auf 16.825 Plätze steigen. So jedenfalls steht es im Kindertagesstättenentwicklungsplan (KEP), der jetzt vom Bezirksamt vorgelegt wurde. Das 77 Seiten starke Papier enthält unzählige Angaben zur Kitaentwicklung in den Jahren 2020 bis 2023, aufgeschlüsselt nach den 14 Bezirksregionen von Falkenberg, Wartenberg und Malchow im Norden bis Rummelsburg und Karlshorst im Süden.

Derzeit verfügt der Bezirk Lichtenberg mit Stand 30. Juni 2020 über 15.000 Kitaplätze. Ende des Jahres fehlen rechnerisch 1.400 Plätze, Ende kommenden Jahres 1.063. Während es im Fennpfuhl und in der Frankfurter Allee Süd mehr Plätze als Bedarf gibt, sieht es in den übrigen Regionen anders aus: Ende dieses Jahres gibt es allein in Neu-Lichtenberg ein Defizit an 418, in Alt-Hohenschönhausen Süd an 353, in Alt-Lichtenberg an 342 Plätzen.

Die Folge: Viele Lichtenberger Familien lassen ihre Kinder in Kitas betreuen, die sich in umliegenden Bezirken befinden – das sind immerhin rund 1.800. Die meisten Kinder besuchen Kitas in Friedrichshain-Kreuzberg (624), gefolgt von Pankow mit 538. Allerdings fast genauso viele Kinder aus anderen Bezirken (1.736) werden in Lichtenberg betreut.

Fachkräfte fehlen in Lichtenberger Kitas

Obwohl nach Angaben des Bezirksamtes die Betreuungskapazitäten seit Jahren stetig wachsen, können nicht alle geschaffenen Kitaplätze belegt werden. „Eine wesentliche Begründung dafür stellt der Fachkräftemangel dar“, heißt es im KEP. Konkret bedeutet dies, dass es für 1.400 Kinder keine Erzieherinnen und Erzieher gibt. Unabhängig davon gehen der Bau beziehungsweise die Erweiterung von Kindertagesstätten weiter voran. In den vergangenen zwei Jahren entstanden elf neue mit 727 Plätzen, zwölf Einrichtungen wurden um 229 Plätze erweitert.

Hinzu kommt, dass es zunehmend schwerer wird, neue Einrichtungen zu bauen. „Einige Rahmenbedingungen im sehr dynamischen Berlin und dem Bezirk Lichtenberg haben sich in den letzten Jahren verändert“, heißt es im KEP. „Steigende Kosten für Miete und Bau stellen Kitaträger vor verstärkte wirtschaftliche Herausforderungen. Gleichzeitig gibt es im Bezirk immer weniger ungenutzte Grundstücke, die sich zur Entwicklung als Kitastandort eignen und zur Verfügung stehen.“ Die rechtssichere Vergabe dieser Grundstücke an Kitaträger zum Bau und/oder Betrieb einer Kita sei mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. „Dadurch kommt es immer wieder zu unvorhersehbaren Hürden, die das ganze Verfahren zu einem langwierigen Prozess werden lassen.“ Dennoch setzt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) alles daran, den Kitaausbau fortzusetzen. „Als Familiengerechte Kommune hat der Kitaausbau für den Bezirk Priorität.“ Es sei sein Ziel, dass jedes Kind, dessen Eltern dies wünschen, im Bezirk auch einen Kitaplatz bekomme.