Steine am Biesdorfer Baggersee: Parteien üben scharfe Kritik

Steine sollen seit Ende März den Weg ins Wasser versperren. Die Umgestaltung vom Ufer des Baggersees stößt jedoch auf zahlreiche Kritik. Foto: Marcel Gäding
Steine sollen seit Ende März den Weg ins Wasser versperren. Die Umgestaltung vom Ufer des Baggersees stößt jedoch auf zahlreiche Kritik. Foto: Marcel Gäding

Für 90.000 Euro wurde der Zugang zum Biesdorfer Baggersee mit Steinen versperrt. Linke, SPD und Grüne sprechen von einem Alleingang. Die zuständige Bezirksstadträtin hingegen verteidigt das Vorgehen ihres Amtes. Von Marcel Gäding.

Lärm, Müll und Gestank am und um den Biesdorfer Baggersee: Seit Jahren gibt es immer wieder Ärger im Süden des Bezirks. In diesem Frühjahr reagierte die für Straßen und Grünflächen zuständige Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic (CDU) – in dem sie den Zugang zum See erschwerte. Wie das Bezirks-Journal zuerst berichtete, hatten im März Mitarbeiter einer Gartenbaufirma das Ufer des Baggersees mit Steinen zugeschüttet. Diese sollen das Baden in dem kleinen Gewässer verhindern und den Aufenthalt rund um den See weniger attraktiv gestalten. Als Begründung für die 90.000 Euro schwere Investition führte Zivkovic damals unzählige Hinweise aus der Nachbarschaft an. „Wir hatten 35 bis 40 Beschwerden dazu im letzten Jahr“, sagt die Politikerin auf Nachfrage. Außerdem handelt es sich bei dem See um ein Auffangbecken für Regenwasser, weshalb das Baden eine Gesundheitsgefahr bedeuten könnte.

Offenbar gibt es aber nach Darstellung von Pascal Grothe zahlreiche Gegner des Steinwalls am Biesdorfer Baggersees. „Ich erhalte viele E-Mails von Anwohnenden, die sich hilflos fühlen“, sagt der Sprecher des bündnisgrünen Kreisverbandes Marzahn-Hellersdorf. Eine solche Aktion lasse sich schließlich nicht mehr so schnell rückgängig machen.

Nicht nur Grothe ist ratlos und wütend, auch die Fraktionen von SPD und Die Linke in der BVV. Diese hatten im vergangenen Jahr ein ganzes Bündel an Anträgen zum Thema Biesdorfer Baggersee gestellt. Mal ging es um die Wasserqualität, mal um die Sicherheit von Badenden, mal um ein Gesamtkonzept. Denn der Baggersee ist beliebt – weil es in Marzahn-Hellersdorf kein einziges Freibad gibt. Während viele Anträge in der Bezirksverordnetenversammlung ohne Wirkung blieben, schaffte das bezirkliche Straßen- und Grünflächenamt Tatsachen – und versperrte den Seezugang an der Ecke Debenzer Straße und Beruner Straße. „Das alles ist konzeptlos, weil ja nur Teilbereiche betrachtet werden“, sagt Pascal Grothe. Er kennt mehrere Treppen, die hinunter zum See führen. „Besucherinnen und Besucher weichen auf andere Stellen aus.“

Die SPD-Fraktion spricht von einem Alleingang der Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic: „Dieses Vorgehen geschah eigenständig und ohne Bürgerdialog!“ Für die SPD-Fraktion sei klar, dass die Sicherheit der Badegäste an erster Stelle stehen muss. „Allerdings bezweifle ich, dass die Steine am Seeufer die Probleme am Baggersee lösen. Möglicherweise wurde so nun sogar eine größere Gefahrenlage geschaffen als vorher“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Liane Ollech. Pascal Grothe von den Bündnisgrünen befürchtet sogar, dass sich Badegäste an den Steinen verletzen können. „Wer, bitte, trägt dann die Verantwortung?“ Dass der See viele Menschen anziehe und es Beschwerden über Müll sowie Lärm gibt, sei kein neues Problem, „das auch wir nicht kleinreden“. Allerdings habe die seit mindestens zehn Jahren von der CDU zu verantwortende Fachabteilung lange Zeit gehabt, sich der Sache anzunehmen.

Anträge ignoriert?

Eine der fraktionsübergreifenden Forderungen aus dem vergangenen Jahr war, dass das Bezirksamt prüfen soll, welche Möglichkeiten eines geordneten Badebetriebs es gebe. Die entsprechenden Anträge seien aber schlichtweg ignoriert worden, heißt es aus der Linksfraktion. „Wir erwarten von der Bezirksstadträtin, dass sie den durch die BVV geforderten Dialog über die Zukunft des Badens am Biesdorfer Baggersee endlich aufnimmt“, sagt deren Vorsitzender Bjoern Tielebein. Es sei völlig realitätsfern zu glauben, dass Bürgerinnen und Bürger aufgrund der Steine am Ufer den See nicht mehr zum Baden nutzen werden. „Jetzt sind allerdings größere Gefahrenstellen hinzugekommen und eine Absicherung durch Rettungsschwimmer*innen und Sanitäter*innen bisher nicht in Sicht.“ Dies sei politisch völlig unverantwortlich.

Von Alleingängen will Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic jedoch nichts wissen. Bevor der Auftrag zur Umgestaltung des Uferbereichs erteilt wurde, habe es Runden mit den Berliner Wasserbetrieben, den Bäderbetrieben, dem Straßen- und Grünflächenamt, dem Ordnungsamt und der Polizei gegeben. „Am Ende handelt es sich einfach um eine Umgestaltung der Grünanlage“, sagt Zivkovic. Es sei darum gegangen, dort die Ordnung und die Sicherheit wiederherzustellen. Sollte es einen heißen Sommer geben, „dann halten dies weder die Grünanlage noch die Anwohner aus“. Einen Rückzieher wird sie jedenfalls nicht machen. „Die Steine bleiben natürlich!“

Pascal Grothe ist sich sicher, dass die Steine Badende nicht darin hindern werden, in den See zu springen. Er fordert ein Konzept mit einer langfristigen Perspektive – zweifelt aber daran, dass es mit dem Amt derzeit eine Lösung gibt. „Ich erkenne nicht, dass man dort Einsicht zeigt.“