Stadtnatur: Wenn Ranger Hecken checken und Vögel zählen

Mira Langrock und Frank Schneider auf einer ihrer Touren durch den Landschaftspark. Die Ranger sind an ihrer olivefarbigen Kleidung zu erkennen. Foto: Steffi Bey
Mira Langrock und Frank Schneider auf einer ihrer Touren durch den Landschaftspark. Die Ranger sind an ihrer olivefarbigen Kleidung zu erkennen. Foto: Steffi Bey

Die beiden Stadtnatur-Ranger Mira Langrock und Frank Schneider sind im Auftrag der Stiftung Naturschutz in den Grünanlagen von Lichtenberg unterwegs. Von Steffi Bey.

Draußen-Tage sind am schönsten: Dreimal pro Woche gehen die Stadtnatur-Ranger Mira Lang­rock und Frank Schneider auf Spurensuche. Vor allem Falkenberg, Malchow und Wartenberg haben die Biologin und Ökologin sowie der Forstwirt genau im Blick. Sie kontrollieren Bäume, schauen an Seen und Teichen vorbei, zählen Vögel und checken Hecken. „Wir achten auf natürliche Strukturen, beobachten ganz viel, dokumentieren und machen Vorschläge, wie beispielsweise wertvolle Lebensräume für Tiere erhalten werden können“, sagt Frank Schneider.

Nach einem reichlichen halben Jahr Dienst für den Umwelt- und Artenschutz ziehen die beiden Ranger eine positive Bilanz. „Vom Umwelt- und Naturschutzamt Lichtenberg bekommen wir ganz viel Unterstützung“, sagt Mira Langrock. Ideen und Anregungen würden aufgenommen, diskutiert und auch umgesetzt.

Für einige Standorte stehen noch Entscheidungen aus – wie am Annenpfuhl: Die Stadtnatur-Ranger konnten dort zum Beispiel Knoblauchkröten und Teichrohrsänger nachweisen. Damit auch künftig solche kleinen Strukturen erhalten bleiben, gibt es aus Sicht der Experten zwei Möglichkeiten: Entweder dem Pfuhl mehr Wasser zuführen oder das Gelände einzäunen.

Auch für 30 absterbende Pappeln am Luch an der Margaretenhöhe in Malchow haben die Ranger einen Vorschlag: „Diese Bäume müssen nicht unbedingt gefällt werden, sondern könnten auf einer Höhe von acht Metern stehenbleiben – als Biotop“, erklärt Frank Schneider. Dann würden wertvolle Lebensräume in den Höhlungen nicht verloren gehen.

Wenn die beiden Vollblut-Naturschützer ihre Arbeit beschreiben, ist die Leidenschaft, mit der sie unterwegs sind, spürbar: Wie sie die Natur lieben, unbedingt erhalten und besser machen wollen und auch genießen. Mira Langrock bleibt bei den Streifzügen durch die Landschaft oft stehen: fotografiert, macht sich Notizen, riecht an einer Blume oder freut sich über Schmetterlinge, die den Weg kreuzen. Bei ihrem Kollegen ist das ähnlich: Manchmal rennt er los, weil er ein Geräusch hört und erschrickt, weil plötzlich an ihm ein Frischling vorbeirast. „Wir fühlen uns beide richtig wohl bei dem, was wir machen“, sagt der 41-Jährige.

Bei ihren Touren bekommen sie viel Zuspruch. „Die Leute freuen sich, dass es uns gibt und geben uns auch Hinweise“, betont die Rangerin. Zu erkennen ist das Zweier-Team an der grau-olivfarbigen Dienstkleidung und dem Schriftzug „Stadtnatur-Ranger“ am Ärmel. Auf Spurensuche gehen sie mit vollgepacktem Rucksack, in dem unter anderem Fernglas und Bandmaß, Messer, Taschenlampe, Fotoapparat und Tablet zur Dateneingabe stecken. Besonders spannend finden beide, was die Wildtierkameras in den Hecken verdeutlichen: Vor der Linse tauchten schon Rehe, Füchse und ein Fasan auf.

Dabei gehe es nicht um Überwachung, sondern es soll gezeigt werden, wie vielfältig solche Bereiche sind. Während ihrer ersten öffentlichen Führung im August brachten sie genau das den Teilnehmern näher. Erste Kontakte zu Schulen im Bezirk wurden ebenso geknüpft. „Wir möchten gemeinsam mit den Mädchen und Jungen Blühwiesen anlegen und Nisthilfen für Wildbienen bauen“, kündigen die Naturschützer an. Perspektivisch wollen sie für Interessierte auch Sprechstunden anbieten. Bereits eingespielt hat sich der Austausch mit Rangern anderer Bezirke. Denn jeder ist ein Experte auf einem ganz bestimmten Gebiet.

Das Projekt Stadtnatur-Ranger wurde vom Senat und der Stiftung Naturschutz Berlin initiiert und umgesetzt. Zunächst soll es bis Ende 2021 laufen. „Wir wünschen uns, dass Ranger künftig fester Bestandteil des Naturschutzes in Berlin werden“, erklärt Mira Langrock.