Stadtnatur-Ranger: Fauna und Flora stets im Blick

Den Zustand der Natur stets im Blick: Stadtnatur-Rangerin Caroline Thiem und ihr Kollege Toni Becker bei der Arbeit. Foto: Uwe Lemm
Den Zustand der Natur stets im Blick: Stadtnatur-Rangerin Caroline Thiem und ihr Kollege Toni Becker bei der Arbeit. Foto: Uwe Lemm

Caroline Thiem und Toni Becker sind jetzt in Marzahn und Hellersdorf als Stadtnatur-Ranger unterwegs. Sie haben nicht nur die Natur fest im Blick, sondern beantworten auch Fragen interessierter BürgerInnen. Von Uwe Lemm.

Wer das Wort „Ranger“ hört, wird sich vielleicht an die „High Mountain Rangers“ erinnern, eine ursprünglich amerikanische Fernsehserie, die in den 1990er-Jahren auch in Deutschland Fernsehgeschichte schrieb und in der Ranger Menschen retteten und Tiere vor Wilderern schützten. Bei den beiden Stadtnatur-Rangern Caroline Thiem und Toni Becker, die seit Ende letzten Jahres in Marzahn-Hellersdorf tätig sind, sieht das Berufsbild allerdings deutlich anders aus. Jedenfalls steht „Menschen retten“ nicht vorrangig auf ihrer Aufgabenliste. Wohl aber die Bewahrung der Natur.

Kein Wunder, denn beide haben Biologie studiert: sie mit Master-Abschluss und den Schwerpunkten Ökologie und Biodiversität, also der Erforschung der Lebensvielfalt in einem bestimmten Gebiet; er neben Biologie noch Geographie im Hauptfach – „schreiben sie bloß nicht Geologie“, erklärt er lachend –, und Landschaftsökologie. Sie ist dabei die Spezialistin für die Pflanzenwelt im Team, er der Fachmann für Vögel: ausgewiesene Fachleute, die hier im Bezirk für die landeseigene Stiftung Naturschutz Berlin unterwegs sind. Beide sind also hochqualifiziert, was Annette Nawrath, Vorsitzende der Stiftung, auf deren Internet-Seite gerne allen ihren Berliner Rangern bescheinigt.

Die Stiftung ist Trägerin des auf insgesamt zwei Jahre angelegten Pilotprojekts. Marzahn-Hellersdorf gehörte zu den letzten Berliner Bezirken, die eigene Stadtnatur-Ranger erhalten haben. Das derzeit größte Projekt der Stiftung endet regulär Ende 2021, über eine eventuelle Verlängerung entschieden wird wohl noch vor den nächsten Abgeordnetenhauswahlen in Berlin im Herbst. Auf eine positive Entscheidung dazu hofft nicht nur Caroline Thiem: „Es ist mein Traumberuf – draußen und kommunikativ!“ Toni Becker nickt zustimmend.

Doch was machen Stadtnatur-Ranger eigentlich? „Wir halten Kontakt zu allen relevanten Gruppen,“ erläutert Becker die kommunikative Seite ihrer Arbeit. Das kann zum Beispiel das bezirkliche Straßen- und Grünflächenamt sein, dem man etwa die Zerstörung wichtiger Schilder am Rande von Landschaftsschutzgebieten meldet oder eine Vermüllung solcher Gebiete. Oder aber die Polizei, der man den Unterschied zwischen einer ungefährlichen, heimischen Ringelnatter und einer gefährlichen Kobra erklärt, die ausgesetzt wurde. „Und natürlich sind wir Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu Natur- und Umweltschutzfragen,“ ergänzt seine Kollegin. Gut erkennbar sind die Ranger an ihrer grünen Dienstkleidung.

Darüber hinaus beobachten Stadtnatur-Ranger intensiv, wie sich die Naturräume im Bezirk verändern. Dazu gehört beispielsweise das Verschwinden von Arten oder das Austrocknen von Gewässern wie der Hönower Weiherkette: „In der jüngeren Vergangenheit merken wir schon die Auswirkungen fehlender Niederschläge. Solche Gefährdungen von Fauna und Flora melden wir dann den zuständigen Institutionen,“ erklärt Caroline Thiem mit Blick auf einen der zugefrorenen schilfbewachsenen Weiher. „Hier scheint mir der Wasserstand aber in Ordnung.“ Hauptaugenmerk liegt immer darauf, natürliche Lebensräume zu bewahren.

Menschen für den Erhalt der Umwelt zu sensibilisieren, dient schließlich auch die Durchführung von Führungen bzw. eine Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen. „Wir bieten Veranstaltungen, etwa eigene Führungen, an. Buchen direkt kann man uns Ranger allerdings nicht,“ erklärt Becker. „Aber wir sind auch auf dem ‚Langen Tag der Stadtnatur‘ vertreten, der in diesem Jahr am 12. und 13. Juni stattfinden soll, und dort Ansprechpartner für alle Wissensdurstigen“, sagt Thiem. Für detaillierte Informationen zu Veranstaltungen, Seminaren und Beratungen verweisen die Marzahn-Hellersdorfer Ranger auf die Webseite stiftung-naturschutz.de und auf den Umweltkalender im Netz.