Stadtbad Lichtenberg öffnet nach 30 Jahren wieder

Blick in die einstige Damenhalle des Stadtbad Lichtenberg. Ein Holzfußboden bedeckt das Schwimmbecken. Künftig soll der Raum für Veranstaltungen genutzt werden. Foto: Marcel Gäding
Blick in die einstige Damenhalle des Stadtbad Lichtenberg. Ein Holzfußboden bedeckt das Schwimmbecken. Künftig soll der Raum für Veranstaltungen genutzt werden. Foto: Marcel Gäding

Das Stadtbad Lichtenberg ist an diesem Sonntag erstmals wieder geöffnet. Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals haben Interessierte die Möglichkeit, einen Blick in das 1928 errichtete Gebäude zu werfen. Vor allem einstige Stadtbad-Besucher dürften überrascht sein.

Der Aufzug für Rollstuhlfahrer im Eingangsbereich ist noch mit Planen abgedeckt. Hin und wieder tragen Bauarbeiten noch letzte Reste von Schutt und Abfall aus dem Foyer. Seit zwei Jahren ist das Stadtbad Lichtenberg in der Hubertusstraße eine Baustelle. Die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) lässt das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in zwei Abschnitten sanieren. Der erste Part ist fast erledigt: Über das Becken der einstigen Frauenschwimmhalle wurde ein Holzboden gezogen. Schon ab dem kommenden Jahr sollen dort Ausstellungen, Workshops, Tanzabende oder Galadinner stattfinden – stilecht vor der geschichtsträchtigen Kulisse der einstigen Badeanstalt. Zunächst soll es sich um eine Zwischennutzung handeln, bis 2026 das gesamte Bad instandgesetzt wurde. Gut 28 Millionen Euro soll das Vorhaben kosten, „falls wir die Mittel im Haushalt bewilligt bekommen“, wie BIM-Sprecherin Marlen Zielke am Donnerstag bei einer Vorbesichtigung für Journalisten sagte. Im zweiten Bauabschnitt ist geplant, das einstige Herrenschwimmbad baulich zu ertüchtigen. Sie soll dann bis zu 400 Personen Platz bieten, während das Damenbad eine Kapazität von bis zu 200 Plätzen hat.

Seit das Bad 1991 wegen zahlreicher technischer Mängel geschlossen wurde, steht es leer. In den darauffolgenden Jahren wurde es als Lagerplatz benutzt, bevor erste Initiativen aus dem Bezirk auf die Idee kamen, das Bad wieder eröffnen zu wollen. Die Suche nach einem Investor scheiterte aber – denn die Auflagen seitens des Denkmalschutzes sind zu hoch und die Kosten für die Inbetriebnahme des Bades nicht tragbar. 2001 übernahm das Land Berlin die Immobilie, und erst 14 Jahre später kam die BIM ins Boot. Das landeseigene Immobilienunternehmen gab zunächst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag – um mögliche Szenarien einer künftigen Badnutzung zu beleuchten. Das Ergebnis: Ein Badbetrieb würde nicht nur teure Investitionen bedeuten, sondern auch mit rund 10.000 Euro am Tag unwirtschaftlich sein. Dass im Stadtbad Lichtenberg, das im Kiez auch liebevoll Hubertusbad genannt wird, nie wieder geschwommen werden kann, „ist tatsächlich beschlossen“, erklärt BIM-Sprecherin Zielke.

Im Rahmen eines „Festes der Ideen“ wurden stattdessen 2019 und 2020 rund 800 Vorschläge von rund 200 Anwohnern gesammelt. Das Ergebnis: Das Stadtbad Lichtenberg wird einerseits Veranstaltungsort, andererseits Begegnungszentrum im Kiez. Die größten Vorarbeiten sind bereits erledigt: Unter anderem wurde das Haus von mehreren Tonnen Bauschutt befreit, Elektroanschlüsse und Sanitäranlagen im linken Gebäudeteil wieder hergerichtet.

Der Hauch von Geschichte, der im Bad immer noch allgegenwärtig ist, soll auch nach Abschluss der Bauarbeiten erhalten bleiben. Unter anderem ist geplant, Elemente wie die vielen Wannen aus den Badekabinen auch künftig sichtbar zu machen, ebenso alte Spiegel und Kleiderhaken in den Umkleiden.

Geöffnet ist das Stadtbad Lichtenberg in der Hubertusstraße 47 am Sonntag, 12. September, von 10 bis 16 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Viele weitere Veranstaltungen rund zum den Tag des offenen Denkmals in Lichtenberg gibt es im Internet. (gäd.)

Impressionen aus dem Stadtbad Lichtenberg 2021

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(c) Foto: Marcel Gäding