Sportforum Berlin: ein sportlicher Volkspark für alle

Blick in die Zukunft: So soll der Eingang vom Sportforum Berlin vom Weißenseer Weg aussehen. Bild: Arbeitsgemeinschaft HOLZWARTH Landschaftsarchitektur aus Berlin mit dem Büro Yellow Z aus Berlin
Blick in die Zukunft: So soll der Eingang vom Sportforum Berlin vom Weißenseer Weg aussehen. Bild: Arbeitsgemeinschaft HOLZWARTH Landschaftsarchitektur aus Berlin mit dem Büro Yellow Z aus Berlin

Das Sportforum Berlin soll grüner, offener und autofrei werden. Ein Berliner Architekturbüro konnte sich im Rahmen eines Wettbewerbs mit seinen Plänen durchsetzen. Die Entwürfe sehen Flächen für Profi- und Freizeitsport vor.

Der Eingang zur Eisschnelllaufhalle wirkt nicht sehr einladend. Vor dem Tor stehen Container für den Verkauf von Tickets, die Wege zur Mehrzweckhalle und zum legendären Wellblechpalast bestehen aus Betonplatten. Wer über das weitläufige Areal des Sportforums Berlin läuft, sieht gut erhaltene Sportflächen ebenso wie Baracken und Gebäude, die schon bessere Zeiten erlebt haben. Der größte Schandfleck aber dürfte das einstige Sport- und Kongresshotel an der Ecke Konrad-Wolf-Straße und Weißenseer Weg sein. Es steht seit Jahren leer, Scheiben sind eingeschlagen, die Einrichtung verwüstet. Hochtrabende Pläne für den Komplex sind inzwischen lange Geschichte…

Während sich die Ruine des Sport- und Kongresshotels auf privatem Bauland befindet und dessen Schicksal von Investoren abhängt, gibt es für die gut 50 Hektar des Sportforums Berlin gute Nachrichten. Stück für Stück soll die zweitgrößte Sportanlage der Hauptstadt umgestaltet werden. Wurden in der Vergangenheit Sportplätze und -hallen eher punktuell saniert, liegt nun eine Art Masterplan vor. Das Berliner Büro „HOLZWARTH Landschaftsarchitektur“ hat zusammen mit „Yellow Z“ mit seinen Vorschlägen den ersten Platz bei einem städtebaulich-freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb belegt, der von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Inneres und Sport ausgelobt wurde. An dem Verfahren hatten sich 19 Büros beteiligt, von denen elf mit ihren Ideen in die engere Auswahl kamen. Am Ende setzten sich Holzwarth und Yellow Z durch.

Blick auf die Eisschnelllaufhalle des Sportforum Berlin. In den vergangenen Jahren wurden die Gebäude und Anlagen immer nur punktuell saniert. Foto: Marcel Gäding
Blick auf die Eisschnelllaufhalle des Sportforum Berlin. In den vergangenen Jahren wurden die Gebäude und Anlagen immer nur punktuell saniert. Foto: Marcel Gäding

Seit 1954 ist das Sportforum eine Kaderschmiede, die zahlreiche Top-Leistungssportler hervorbrachte. Bis zum Ende der DDR wurde das Areal immer wieder erweitert. Es umfasst derzeit 35 Sportanlagen, darunter drei Eishallen, zwei Turnhallen, zwei Leichtathletikhallen, zwei Handballhallen, eine Volleyball-, Judo-, Fecht-, und Bogenschieß- sowie Beachvolleyballhalle, zahlreiche Kunst und Naturrasenplätze, mehrere Freianlagen für Leichtathletik, Beachvolleyball, Fußball, Bogenschießen und viele Spezialtrainingsanlagen. Doch bislang war das Gelände meist den Spitzensportlern vorbehalten – mit Ausnahme der Eisschnelllaufhalle, in deren Mitte sich eine öffentliche Eisbahn befindet, sowie der Schwimmhalle. Vorrangig werden die Anlagen von Vereinen wie Alba Berlin, Füchse Berlin, BFC Dynamo oder den Eisbären Juniors genutzt, außerdem vom Olympiastützpunkt sowie vom Schul- und Leistungssportzentrum.

Die Planer von Holzwarth und Yellow Z wollen das Areal nun neu ordnen und haben ihre Entwürfe mit dem Slogan „Sport findet Stadt“ überschrieben. „Das traditionsreiche Areal soll einen Schritt in die Zukunft machen und zu einem Spitzensportzentrum von nationaler, ja, internationaler Bedeutung entwickelt werden“, heißt es dazu im Begleittext zur Wettbewerbsarbeit. Möglichkeiten für den Spitzensport sollen um Angebote des Freizeit- und Breitensportes ergänzt werden. „Als niederschwelliges Angebot an die nähere und weitere Umgebung muss sich das Sportforum mehr als bisher als Teil der Stadt definieren, die Nähe suchen und sich öffnen.“ Viele der Anlagen werden demnach abgerissen, neu gebaut oder baulich aufgewertet. Angelehnt an die 1954 angedachte Gesamtgestaltung wird es drei Hauptachsen geben, die von den umliegenden Wohngebieten über das Gelände führen. Sie führen an Spiel-, Sport- und Aufenthaltsflächen vorbei zu den Hallen und Plätzen. Die Planer sehen dabei Felder vor, die sich um einen Forum-Park ziehen. Bei ihm handelt es sich um einen Gebäudekomplex der Sportarena, zwei Dreifachsporthallen sowie deren Funktionsbereichen und einem Bistro. „Der Forum-Park lässt sich auf vielfältige Weise nutzen, unter anderem als Schlittenbahn im Winter, als Liegewiese oder Veranstaltungsort für Anlässe unter freiem Himmel.“

Auf ersten Visualisierungen ist gut das Nebeneinander von Profi- und Freizeitsportlern, aber auch von Erholungssuchenden und Familien zu erkennen. Damit die Anlage künftig ungestört genutzt werden kann, soll der bislang gestattete Autoverkehr aus dem Sportforum Berlin verbannt werden. Autos verschwinden in einer Garage am Weißenseer Weg. Wer will, kann das Areal dann entweder zu Fuß, per Cargobike, E-Tretroller oder Fahrrad durchstreifen. In einem Mobilitätsstützpunkt sollen unter anderem Fahrradstellplätze, Ladesäulen für E-Bikes, ein Vermieter von Sportausrüstung sowie eine Fahrradreparaturwerkstatt unterbracht werden. „Für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen ist das neue Sportforum attraktiv, durchlässig und barrierefrei“, heißt es. Außerdem werden Wildhecken, Sträucher und Baumgruppen dazu benutzt, die einzelnen Bereiche zu parzellieren. (gäd.)

Alle Wettbewerbsbeiträge sind bis Ende März online abrufbar:

https://wb-sfb.machleidt.info/ausstellung

 

Umgestaltung in zwei Phasen

Phase 1 bis 2025:

  • Bogensportanlage: Abriss und Neubau
  • Athletikhalle für den Eissport: Neubau
  • Baracke C: Abriss und Ersatz durch ein Funktionsgebäude Fußball
  • Herberge und Vereinshaus: Abriss (o. Umnutzung Herberge) und Ersatz durch ein Funktionsgebäude Leichtathletik
  • Traglufthalle: Abriss und Ersatz durch eine 3-Feld-Halle
  • Rasenplatz 2: kann ersatzlos aufgegeben werden

 

Phase 2 nach 2025:

  • Radtrainingsstrecke: Abriss und Neuanlage eines 500 m langen Rundkurses
  • Fußballstadion: Abriss und Ersatz durch kleineren Neubau
  • Olympiastützpunkt: Abriss und Ersatz durch Neubau
  • Skatingbahn: Verlagerung Richtung Eissporthallen
  • Verwaltungsgebäude: Standort ist disponibel, kann verlagert oder die Nutzung in ein anderes Gebäude integriert werden
  • Beachvolleyballfelder: Lage ist disponibel unter Beachtung funktionaler Zusammenhänge
  • Fußballfelder: Standorte sind disponibel – Verlagerung möglichst in räumlichem Zusammenhang zueinander und zum Funktionsgebäude Fußball
  • Neubauten:
  • Beachhandballanlage, Kita, Sportarena (letzter Baustein), Parkhaus (erst mit Sportarena)