Schwimmhalle am Springpfuhl: Warten auf den Absprung

Blick in die sanierte Schwimmhalle Helmut Behrendt: Das neue Becken fasst 2 Millionen Liter Wasser – das sind umgerechnet 200.000 Wassereimer. Foto: Marcel Gäding
Blick in die sanierte Schwimmhalle Helmut Behrendt: Das neue Becken fasst 2 Millionen Liter Wasser – das sind umgerechnet 200.000 Wassereimer. Foto: Marcel Gäding

Gut zwei Jahre dauerten die Sanierungsarbeiten in der Schwimmhalle „Helmut Behrendt“ – und damit anderthalb Jahre länger als ursprünglich geplant. Was zunächst nach reiner Routine für die Berliner Bäderbetriebe aussah, entpuppte sich als ein Bauprojekt mit vielen bösen Überraschungen. Von Marcel Gäding.

Stolz präsentieren Ramona Sonntag und Detlef Dille von den Berliner Bäderbetrieben das Innenleben der Schwimmhalle „Helmut Behrendt“ – ganz coronakonform in einem Video auf der Onlineplattform Youtube. Die Bäderbetriebe haben den Film quasi als krönenden Abschluss der Bauarbeiten in der Halle am Helene-Weigel-Platz online gestellt. Gemeinsam mit dem technischen Leiter Ben Colwin erklären sie in gut zehn Minuten, warum die Sanierung viel länger dauerte als zunächst geplant.

Die Schwimmhalle „Helmut Behrendt“ wurde 1986 eröffnet und galt damals schon als einzigartig. Im Vergleich zu den anderen Einrichtungen verfügte sie nämlich über ein 50 Meter langes Becken. Kleiner Makel: Weil zu DDR-Zeiten nicht so präzise gearbeitet wurde, war das Becken fünf Zentimeter kürzer: 49,95 Meter. Das war auch der Grund, warum dort nie nationale oder internationale Wettkämpfe ausgetragen wurden. Dennoch war die Schwimmhalle „Helmut Behrendt“ ein beliebter Ort, der Freizeit- und Vereinssportler aus Marzahn und darüber hinaus anzog.

Während das Bad bereits vor einigen Jahren grundlegend saniert wurde, sollte das Becken später dran sein. Im Frühjahr 2019 rückten Bauarbeiter an, nachdem dort Fliesen abfielen. „Anfangs haben wir geglaubt, Taucher könnten den Schaden reparieren“, sagt Detlef Dille. Doch es blieb nicht bei einigen Fliesen, die einfach wieder anzukleben sind. Doch die Mitarbeiter der Berliner Bäderbetriebe irrten: Nicht nur die Fliesen waren locker, auch der Beton war in einem äußerst schlechten Zustand. Die Folge: Das komplette Becken wurde entkernt, eine neue Bodenplatte inklusive Betonumrandung und Abdichtung gegossen. 2.700 Kubikmeter Bauschutt mussten entsorgt werden. Am Ende kleideten Bauarbeiter das Becken mit Edelstahl aus. „Daher geriet der Terminplan von Anfang an völlig aus den Fugen“, sagt Ben Colwin, Leiter Technik bei den Berliner Bäderbetrieben. Dass die umfangreichen Arbeiten auch Auswirkungen auf die Tragfähigkeit der Schwimmhalle haben könnten, bewahrheitete sich zum Schluss jedoch nicht. Und dennoch: Aus sechs Monaten Bauzeit wurden nun zwei Jahre. Zudem musste deutlich mehr Geld als die zunächst vorgesehenen 2 Millionen Euro eingeplant werden. Wie viel teurer es wurde, ist noch unklar: Derzeit werden die Abrechnungen erstellt. Bei der Gelegenheit erhielt die Schwimmhalle „Helmut Behrendt“ gleich einen neuen Anstrich sowie einen modernen Eingangsbereich. Zudem wurden die Wände des Saunahofes neugestaltet – LED-Spots inklusive. Künftig wollen die Bäderbetriebe dort unter anderem Programme für Mütter mit kleinen Kindern anbieten, wie Badmitarbeiterin Ramona Sonntag sagt.

Noch müssen sich die Vereins- und Freizeitsportler aber gedulden, bevor sie den Absprung ins Wasser wagen. Die für den 25. Mai geplante Eröffnung ist nun auf den 19. Juli verschoben worden.

Hintergrund: Wer war Helmut Behrendt?

Helmut Behrendt (1904-1985) war Sportfunktionär in der DDR. Von 1952 bis 1973 wirkte er als Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees der DDR. Seine Liebe zum Sport entdeckte er ab 1919 als Fußballspieler beim Verein Concordia Königsberg. Nach seinem Umzug nach Berlin war er von 1929 bis 1933 Stammspieler beim Fußballverein Fichte Südost Berlin. Parallel engagierte er sich in der KPD sowie deren Roter Sporteinheit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Stationen beim Hauptsportamt Berlin und beim Deutschen Sportausschuss, Abteilung Fußball, ab 1952 beim Nationalen Olympischen Komitees der DDR (NOK).