Schwere Zeiten für Radfahrer und Gehbehinderte

S-Bahnhof Berlin Biesdorf: Wer sein Fahrrad liebt, der trägt: Zwei Radfahrern bleibt nichts anderes übrig, als mit purer Muskelkraft auf die andere Seite der S-Bahn-Strecke zu gelangen. Foto: Marcel Gäding
S-Bahnhof Berlin Biesdorf: Wer sein Fahrrad liebt, der trägt: Zwei Radfahrern bleibt nichts anderes übrig, als mit purer Muskelkraft auf die andere Seite der S-Bahn-Strecke zu gelangen. Foto: Marcel Gäding

Wegen Bauarbeiten auf der Strecke der S-Bahnlinie 5 sperrt die Bahn für mehrere Monate Bahnübergänge. Wer die Gleise überqueren will, dem bleiben nur Treppen oder weite Umwege. Von Marcel Gäding.

Die beiden Radfahrer stehen etwas ratlos an der Oberfeldstraße. Zäune hindern sie darin, den Bahnübergang Richtung Brebacher Weg wie gewohnt zu überqueren. „Mein Rad ist ziemlich schwer“, sagt die junge Frau zu ihrem Begleiter. „Ach komm, das packen wir schon“, erwidert dieser. Mit ordentlich Muskelkraft packen sie ihre Fahrräder und erklimmen die Stufen der nahegelegenen Fußgängerbrücke. Der Aufzug ist an diesem Tag defekt.
Seit Ende August ist der Bahnübergang neben dem S-Bahnhof Biesdorf gesperrt. Auf einem kleinen Schild ist zu lesen: „Die Deutsche Bahn erneuert die Bahnübergänge an der Oberfeldstraße und am Brebacher Weg.“ Zu den Arbeiten gehöre, die „Schrankenansteuerung“ und die Lichtzeichenanlage an beiden Bahnübergängen, die an ein neues elektronisches Stellwerk gekoppelt werden. Außerdem würden Schienen, Schwellen und Gleiseindeckungen bei beiden Bahnübergängen erneuert. Dafür sei eine Sperrung bis einschließlich 28. Februar kommenden Jahres „unvermeidbar“. Wer nachweislich in seiner Mobilität eingeschränkt sei, könne für den Zeitraum der Sperrung auf Kosten der Deutschen Bahn ein Taxi nutzen, um den Bahnübergang zu umfahren.

An einem Vormittag Anfang Oktober ist von Bauarbeiten weit und breit nichts zu sehen. Und genau das ärgert viele Anwohner, die sich an das Bezirks-Journal gewandt haben. „Es ist völlig unverständlich, warum die Arbeiten so lange dauern sollen und wir ein halbes Jahr Umwege in Kauf nehmen sollen“, erklärt einer von ihnen. In einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus erklärt die Deutsche Bahn, sei eine verkürzte Bauzeit nicht möglich. Als Grund nennt sie unter anderem die Abschaltung der alten Sicherungstechnik und Arbeiten am Oberbau sowie die Inbetriebnahme der elektronischen Stellwerke auf der S-Bahnstrecke zwischen Biesdorf und Strausberg.

Der CDU-Abgeordnete Christian Gräff hat selbst noch einmal bei der Deutschen Bahn nachgefragt. Von dort heißt es: „Mit der langen Dauer der Baumaßnahmen an den Bahnübergängen sind wir auch nicht sonderlich zufrieden und haben Verständnis für den Unmut der Anwohner. Die scheinbar kleinen Baumaßnahmen, Modernisierung von 2 Bahnübergängen, sind Bestandteil eines insgesamt großen Bauvorhabens in diesem Bereich, welches sich von Berlin-Lichtenberg bis nach Strausberg Nord erstreckt.“ Und weiter: „Sehr gern würden wir eine sechsmonatige Sperrung der Bahnübergänge in Biesdorf vermeiden oder verkürzen. Leider ist dies bautechnisch nicht möglich.“
Die Bündnisgrünen kritisieren, dass es vor Ort keine Informationen über die Neugestaltung der Bereiche gebe. Außerdem gebe es kaum Alternativen für Radfahrer. „Trotz Ausweisung der Strecken als Radrouten wurden keine adäquaten Umleitungen geschaffen.“ Weder auf dem Blumberger Damm noch auf der Märkischen Allee befinden sich in dem betroffenen Bereich sichere Radwege.

„Das Bezirksamt sollte hier zügig nachbessern. Die Aufzüge allein genügen nicht. Ich selbst konnte mich davon überzeugen, dass diese bereits ausgefallen waren und die Bahnstrecke zum unüberwindbaren Hindernis für Menschen wurde, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind“, sagt Pascal Grothe, Sprecher des Kreisverbandes.