Schnellstraße TVO: Waldgebiet sorgt für Ärger um Verkehrsplanung

Blick auf die Märkische Allee in Marzahn: Sie wäre Teil der neuen Schnellstraße zwischen dem Nord- und Südosten Berlins. Ähnlich breit soll die „TVO“ durch die waldreiche Wuhlheide führen. Foto: Marcel Gäding
Blick auf die Märkische Allee in Marzahn: Sie wäre Teil der neuen Schnellstraße zwischen dem Nord- und Südosten Berlins. Ähnlich breit soll die „TVO“ durch die waldreiche Wuhlheide führen. Foto: Marcel Gäding

Steht ein Waldgebiet in der Wuhlheide einem der wichtigsten Verkehrsprojekte im Berliner Osten im Wege? Zumindest befürchten dies Umweltaktivisten, darunter der Berliner Bund für Umwelt und Naturschutz. Sie kritisieren, dass für die sogenannte Tangentiale Verbindung Ost (TVO) mindestens 15 Hektar Wald weichen müssten. „Eines der wichtigsten städtischen Wald- und Naherholungsgebiete Berlins würde dadurch zerschnitten und großflächig zerstört“, erklären insgesamt 28 Organisationen. Nun gibt es Gegenwind in Form einer Resolution aus den betroffenen Bezirken Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick. Von Marcel Gäding.

Bereits jetzt existieren mit der Spindlersfelder Straße in Treptow-Köpenick und der Märkischen Allee Teile der sogenannten TVO. Seit mehr als 15 Jahren gibt es zudem Pläne, die gut sechs Kilometer lange Lücke zwischen der Wuhlheide und Biesdorf zu schließen. Die Schnellstraße soll auf mehreren Spuren dafür sorgen, dass Wohngebiete entlastet und Fahrzeuge auf direktem Wege unter anderem zu den Autobahnen gelangen.

Umwelt- und Naturschutzverbände aber laufen gegen das Vorhaben Sturm, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Erst vor einem Monat demonstrierten sie zu Fuß gegen die aus ihrer Sicht „veraltete und klimaschädliche Verkehrsplanung aus den 1960er-Jahren“. Mit dem Lückenschluss würde „eines der wichtigsten städtischen Wald- und Naherholungsgebiete Berlins würde dadurch zerschnitten und großflächig zerstört“. Die Pläne für die TVO seien Teil einer autogerechten Stadt. „Aber mehr Straßen ziehen mehr Verkehr an – und mehr Kfz-Verkehr verhindert klimagerechte und ökologische Alternativen.“ Daher sei der Bau der Schnellstraße nicht mit einer klimagerechten Verkehrspolitik vereinbar. „Eine ökologische Verkehrswende braucht keine neuen Straßen, sondern eine flächendeckende Förderung des Umweltverbunds (ÖPNV- Fuß- und Radverkehr).“

Gegenwind kommt nun von 23 Bezirks- und Kommunalpolitikern aus Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg sowie von Wirtschafts- und Grundstücksverbänden in Form einer am Mittwoch unterzeichneten Resolution. Sie trägt den Titel „Die Tangentialverbindung Ost zügig realisieren – Anwohner entlasten und gewerbliche Anbindungen verbessern“. Alle eine die dringende Forderung, „nach dem festgestellten Bedarf auch unverzüglich mit dem Planfeststellungsverfahren für die im Osten Berlins unverzichtbare Verkehrsverbindung inklusive eines Radschnellweges zu beginnen“. Getragen wird die Resolution unter anderem von den Bezirksbürgermeister*innen Dagmar Pohle (Die Linke, Marzahn-Hellersdorf), Michael Grunst (Die Linke, Lichtenberg) und Oliver Igel (SPD, Treptow-Köpenick).

In der Resolution weisen die Unterzeichner*innen unter anderem auf die langwierige, mehr als 15 Jahre dauernde Diskussion um die TVO hin. „Bei kaum einem Verkehrsprojekt ist der breite Nutzen – oder besser: die dringende Notwendigkeit – so offensichtlich wie bei der TVO“, heißt es in der Willenserklärung. Die TVO würde weit mehr als 100.000 Menschen in den genannten drei Bezirken von täglichen massiven Staus vor ihrer Haustür und den damit einhergehenden Belastungen durch Lärm und Abgase entlasten. „Verursacht werden die Staus in den drei hauptsächlich betroffenen Straßen – Köpenicker Straße, Treskowallee, Rudolf-Rühl-Allee – von täglich insgesamt rund 100.000 Fahrzeugen: Für die betroffenen Anwohner und für den Wirtschaftsverkehr als Grundlage für Ansiedlungen eine unzumutbare Situation.“

Die Befürworter*innen der TVO fürchten, dass das für 2022 angesetzte Planfeststellungsverfahren weiter in die Länge gezogen wird. „Mit Sorge sehen die Unterzeichner die in den letzten Wochen aufgeflammte Diskussion um die Waldflächen, die der TVO weichen müssen. Dabei wird nach Angaben der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz möglichst wenig Wald in Anspruch genommen. Nur in den Randbereichen der Waldgebiete Wuhlheide und Biesdorfer Busch werden einige Bäume gefällt.“ Ein wichtiger Bestand alter Eichen in der Wuhlheide bleibe erhalten „und es finden in beiden Waldgebieten keine Zerschneidungen statt“.

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