S75: Verlängerung von Wartenberg bis Westkreuz in Sicht

Ein Zug der Linie S75 fährt am Bahnhof Hohenschönhausen ein. Frühestens 2030 könnte er bis zum Karower Kreuz durchfahren. Foto: Marcel Gäding
Ein Zug der Linie S75 fährt am Bahnhof Hohenschönhausen ein. Frühestens 2030 könnte er bis zum Karower Kreuz durchfahren. Foto: Marcel Gäding

Seit vier Jahren endet die S75 an der Warschauer Straße. Lange Zeit sah es so aus, dass das so bleibt. Doch nun soll die Linie in beide Richtungen verlängert werden. Von Marcel Gäding.

Gute Nachrichten für S-Bahnbenutzer im Norden von Lichtenberg: Die S75 soll wieder in die Innenstadt und von dort weiter bis Westkreuz fahren. Allerdings ist noch Geduld gefragt. Nach Informationen des Bezirks-Journals gehen derzeitige Pläne der Senatsverkehrsverwaltung davon aus, dass die S75 frühestens im Jahr 2029 verlängert wird.

2017 war die Route der S75 von Wartenberg nach Westkreuz gekappt worden. Seitdem ist der Bahnhof Warschauer Straße Endhaltestelle. Der Hohenschönhausener CDU-Abgeordnete Danny Freymark übte bereits damals Kritik an dieser Entscheidung. Damit werde der Osten abgehängt, war der Tenor von Freymarks Interventionen. Beim Berliner Senats stieß er jedoch auf taube Ohren, im Bezirk warfen ihm andere Parteien Populismus vor. Selbst der frühere Lichtenberger Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD), der vor seinem Wechsel ins Innenressort als Verkehrssenator tätig war, wiegelte 2016 ab (wir berichteten). Schließlich könne man von der S75 barrierefrei auf die S3 umsteigen, die nach Westkreuz weiterfährt. Auf Initiative von Danny Freymark und vom CDU-Kreisvorsitzenden Prof. Dr. Martin Pätzold wurden Unterschriften gegen die Verkürzung gesammelt, regelmäßig war das Thema Tagesordnungspunkt im Berliner Abgeordnetenhaus. Das aber änderte nichts an der Haltung der Landesregierung. Im Gegenteil: Noch 2019 war die Rede davon, dass sich die Nachfrage auf der S75 in Grenzen hält.

Offenbar waren die vielen Aktionen aber nicht umsonst. Zumindest melden Freymark und Pätzold dieser Tage einen kleinen, ersten Achtungserfolg: In sozialen Netzwerken verkündeten sie, dass die S75 2029 wieder nach Westkreuz fahren soll. Aus dem Umfeld der Senatsverkehrsverwaltung wird dies inzwischen bestätigt. Von dort ist zu hören, dass die S75 auf die sogenannte „Stadtbahn“ geführt wird – also über den S-Bahnhof Warschauer Straße hinaus zum Westkreuz. Geplant ist, dass dann neue Züge zum Einsatz kommen, die derzeit beschafft werden.

Nun könnte sich die CDU zurücklehnen. Doch hundertprozentig zufrieden ist Martin Pätzold, der in Hohenschönhausen für das Abgeordnetenhaus kandidiert, nicht. „Das muss auch früher als 2029 funktionieren“, sagt Pätzold. Angeblich gebe es derzeit zu wenig Züge, um die S75 wieder bis Westkreuz fahren zu lassen. Der CDU-Kreisvorsitzende will schon in der nächsten Legislaturperiode Ergebnisse sehen: „Das sollte oberste Priorität für unsere Region haben.“ Der Bedarf sei auch deshalb vorhanden, weil die Richtung Alexanderplatz und Hauptbahnhof verkehrenden Straßenbahnen völlig ausgelastet sind. „Rein rechnerisch beträgt die Fahrzeit mit der Tram 15 bis 20 Minuten mehr“, erklärt Pätzold. Außerdem sei die Straßenbahn oft übervoll.

Einen Erfolg gibt es auch, was die Verlängerung der S75 über den Bahnhof Wartenberg hinaus betrifft. Schon 2030 könnten die Züge bis zum Bahnhof Karower Kreuz verlängert werden. Das sieht ein Maßnahmepaket von VBB, S-Bahn Berlin, dem Berliner Senat und dem Land Brandenburg vor. Fünf neue Bahnhöfe kommen hinzu: Karower Kreuz, Sellheimbrücke, Malchow Nord und Bucher Straße. Dafür müssen auf gut elf Kilometer Gleisanlagen gebaut werden. Im Gespräch ist auch, dafür einen Zehn-Minuten-Takt einzuführen.