Rummelsburger Bucht: Polizei kämpft zunehmend mit Freizeitkapitänen

Ansammlung von Wasserfahrzeugen auf der Rummelsburger Bucht. Immer wieder muss die Polizei Berlin auf dem Gewässer tätig werden. Foto: Marcel Gäding
Ansammlung von Wasserfahrzeugen auf der Rummelsburger Bucht. Immer wieder muss die Polizei Berlin auf dem Gewässer tätig werden. Foto: Marcel Gäding

Hausboote und andere fragwürdige Wasserfahrzeuge machen den Behörden auf dem Rummelsburger See zunehmend zu schaffen. Die Wasserschutzpolizei ist regelmäßig im Einsatz. Das Problem ruft jetzt auch die Kommunalpolitik auf den Plan. Von Marcel Gäding.

Wenn sich die Sonne über dem Rummelsburger See senkt, wirkt das kleine Gewässer an der Grenze zwischen Friedrichshain und Lichtenberg friedlich. Auf der Promenade sind Jogger unterwegs, junge Paare und Familien. Wer die Gegend noch aus der Wendezeit kennt, wird sie heute kaum wieder erkennen. Rund um das Gewässer sind unzählige Häuser entstanden, die gewiss nicht zur Kategorie „Sozialwohnungen“ gehören. Doch die Idylle ist getrübt – nicht erst seit der Räumung eines Obdachlosencamps an der Rummelsburger Bucht. Denn auf dem Wasser liegen unzählige Wasserfahrzeuge vor Anker. Als der See im Februar eine dicke Eisschicht bildete, sanken einige Boote oder gerieten in eine gefährliche Schieflage. Das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Spree-Havel sperrte große Teile des Gewässers daraufhin für den Schiffsverkehr.

Niemand weiß genau, wie viele Boote in der Rummelsburger Bucht ankern. Man muss jedoch kein Experte sein, um festzustellen: hier befinden sich nicht nur Boote in Schieflage. Offenbar ist der Rummelsburger See seit Jahren beliebter Ort für alternative Wohnformen auf dem Wasser. Und so liegen am Ufer und in der Mitte des Sees kleine Sportboote ebenso wie mehr oder weniger schwimmfähige Behausungen, die laienhaft zusammengeschustert wurden. Solange Boote nicht länger als 20 Meter sind, benötigen diese in der Regel auch keine technische Zulassung. Es besteht nach Auskunft der Berliner Polizei „je nach Größe und Motorleistung lediglich eine Registrierungspflicht“. Und genau das ist ein Problem, denn so kann nahezu jedes beliebige kleine Wasserfahrzeug auf den See. „Die Nutzung des Rummelsburger See durch solche Fahrzeuge nimmt in den letzten Jahren in der Tendenz zu“, sagt Polizeisprecherin Anja Dierschke.

Gregor Hoffmann ist der Vorsitzende der Lichtenberger CDU-Fraktion. Am 21. Februar nahm er die Einladung von Anwohnenden an, sich vor Ort mit ihnen über drei Themen zu unterhalten. Es ging um das inzwischen bundesweit bekannte und nun geräumte Obdachlosencamp, um Verkehrsprobleme im Kiez und um die vielen Schiffswracks im und auf dem Wasser. Was er dann bei einem Spaziergang vom Ufer aus sah, erschreckte ihn. „Wir haben nichts gegen alternative Wohnformen“, sagt der Kommunalpolitiker, „solange das alles geordnet ist“. Die Ansammlung der Wasserfahrzeuge sei jedoch „nicht in unserem Sinne, insbesondere aus ökologischen Gründen“. Denn von den leckgeschlagenen Booten geht eine Gefahr aus. So können Öl und Kraftstoffe ins Wasser gelangen. Erst im Februar war in Höhe der Insel Kratzbruch ein Schiff gesunken. Die Berliner Feuerwehr errichtete eine Ölsperre, die immer noch existiert.

Wie viele Boote inzwischen auf dem Grund des Rummelsburger Sees befinden, lässt sich nicht sagen. „Eine Prüfung und Feststellung von havarierten Objekten konnte bisher aufgrund der Eisbedeckung auf dem Rummelsburger See nicht erfolgen“, sagt Björn Röske vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Spree-Havel. „Das WSA Spree-Havel wird voraussichtlich Ende März eine Verkehrssicherungspeilung durchführen. Im Anschluss wird die Peilung ausgewertet. Die daraus abzuleitende weitere Vorgehensweise wird dann festgelegt“, erklärt Röske.

Rein statistisch gesehen ist die Berliner Polizei mehrmals am Tag auf und an dem See im Einsatz. Das geht aus Zahlen des Polizeipräsidiums hervor, die dem Bezirks-Journal vorliegen. Im vergangenen Jahr gab es dort 810 „polizeiliche Maßnahmen“, 2018 lag die Zahl sogar bei 1.019. 2020 wurden in 276 Fällen Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet – unter anderem wegen Verstößen gegen das Naturschutzgesetz, wegen unzulässigen Lärms oder Vergehen im Bereich Schifffahrt. Gestiegen ist die Zahl der eingeleiteten Strafverfahren von 19 im Jahr 2018 auf 23 im Jahr 2020. CDU-Fraktionschef Gregor Hoffmann sagt unter Berufung auf Anwohner­informationen, dass es unter anderem um harte Drogen gehen soll. „Die Leute fürchten sich, dort spazieren zu gehen“, sagt der Kommunalpolitiker. „Es ist eine gewisse Kriminalität, die sich da angesiedelt hat.“

Klar ist für Hoffmann: Es muss schnell etwas passieren. Er sieht die Senatsinnenverwaltung genauso in der Pflicht wie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Hoffmann fordert, dass alle gesetzlichen Regelungen ausgenutzt werden, dass verstärkt Ordnungsamt und Polizei einschreiten. Ein erster Schritt wäre, den im See liegenden Schrott umgehend zu entsorgen. „Das ist eine Gefahr, die niemand ertragen muss.“

Versuche des Bezirks-Journals, mit den mutmaßlichen Eigentümern der Schiffe ins Gespräch zu kommen, schlugen fehl. Auch eine Anfrage an eine Organisation, die sich für die Nutzung öffentlicher Gewässer in Berlin einsetzt und die geradezu für alternatives Wohnen auf dem Wasser wirbt, blieb unbeantwortet.