Rekordverdächtig: Schulneubau aus Holz nach neun Monaten bezugsfertig

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres, Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst, Schulleiterin Marielle Rosemeyer, Schulstadtrat Martin Schaefer und Staatssekretärin Wenke Christoph bei der Eröffnung des ersten "Modularen Ergänzungsbaus in Holzmodulbauweise" am Mittwoch, den 4. August 2021. Foto: Marcel Gäding
Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres, Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst, Schulleiterin Marielle Rosemeyer, Schulstadtrat Martin Schaefer und Staatssekretärin Wenke Christoph bei der Eröffnung des ersten “Modularen Ergänzungsbaus in Holzmodulbauweise” am Mittwoch, den 4. August 2021. Foto: Marcel Gäding

In einer rekordverdächtigen Bauzeit von nur neun Monaten ist an der Bernhard-Grzimek-Schule im Lichtenberger Ortsteil Friedrichsfelde ein Schulneubau entstanden. Besonders ist nicht nur das Tempo zwischen Grundsteinlegung und Einzug. Erstmals nimmt das Land Berlin einen komplett aus Holz vorgefertigten „Mobilen Ergänzungsbau“, kurz MEB, in Betrieb. Weitere dieser „Fertighäuser“ sollen folgen. Von Marcel Gäding.

Die Aufregung ist ihr immer noch anzumerken, doch für den wohl größten Tag in ihrer Karriere als Schulleiterin nimmt sie den Stress gerne in Kauf: Eine Woche vor dem Start ins neue Schuljahr empfängt Marielle Rosemeyer an diesem Mittwoch gemeinsam mit ihrem Team Gäste aus Politik und Verwaltung, hält Reden, organisiert Führungen und beantwortet zwischendurch geduldig Fragen. Und so richtig kann sie es eigentlich noch immer nicht glauben, dass die von ihr geleitete Bernhard-Grzimek-Schule nun um ein neues Schulgebäude reicher ist. „Das wurde alles so schnell aus dem Boden gestampft“, sagt die Pädagogin, die seit 13 Jahren die Einrichtung in der Sewanstraße im Lichtenberger Ortsteil Friedrichsfelde leitet, immer noch mit großem Staunen.

Die Bernhard-Grzimek-Schule ist eine ganz besondere Schule: Dort lernen 400 Grundschulkinder aus 50 Nationen. Unter ihnen sind auch Jungen und Mädchen mit Lernbeeinträchtigungen oder einer Hochbegabung. Daher gibt es speziell auf die entsprechenden Bedürfnisse zugeschnittene Lernangebote. Doch die kleine inklusive Grundschule im Ortsteil Friedrichsfelde hat ein Platzproblem. Gerade erst wurde in der Nachbarschaft ein neues Wohnquartier eröffnet. „Demzufolge rechnen wir schon im kommenden Jahr mit bis zu 460 Schülerinnen und Schüler“, sagt Schulleiterin Marielle Rosemeyer.

Der Bezirk Lichtenberg hat offenbar rechtzeitig erkannt, auf den Bevölkerungszuwachs zu reagieren. Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) weist darauf hin, dass in den vergangenen 20 Jahren rund 40.000 Menschen zusätzlich in den Bezirk zogen: „Da ist eine ganze Kleinstadt zu uns gekommen.“ Neben der Berliner Schulbauoffensive startete die Bezirksverwaltung ein eigenes Programm, um zusätzliche Kita- und Schulplätze zu schaffen. Noch in diesem Monat wird daher an der Wartiner Straße 1-3 in Neu-Hohenschönhausen eine weitere neue Grundschule zur Verfügung stehen, allerdings klassisch gebaut.

Für die Bernhard-Grzimek-Schule war es ein willkommener Zufall, dass erst im vergangenen Jahr zwei Neubauschulen komplett aus Holz in Betrieb genommen wurden. Diese Standard-Typenbauten stammen vom Architekturbüro NKBAK aus Frankfurt am Main. Architekt Andreas Krawczyk erinnert sich daran, wie er seinerzeit in der hessischen Bankenmetropole gebeten wurde, eine Schule um Container zu erweitern. „Da kamen wir auf die Holzmodulbauweise“, sagt der Planer. Das Prinzip funktioniere wie ein großer Lego-Baukasten: Die Standardmodule werden in Köpenick aus Fichtenholz produziert – inklusiver aller Leitungen und Anschlüsse. „Es fehlen nur die Fußböden und die Fassade“, sagt Krawczyk. 96 dieser Holzmodule wurden allein für Friedrichsfelde produziert. Vom Gießen der Bodenplatte bis zum Einzug der Schülerinnen und Schüler vergingen keine neun Monate. Normalerweise dauert ein Schulneubau von der Planung über die Genehmigung bis zum Bau bis zu neun Jahre, wie Kai Aderhold von der Lichtenberger Schulbauplanung sagt. Die Kosten für den Neubau liegen bei rund 8,3 Millionen Euro.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der dreigeschossige Neubau an der Sewanstraße verfügt über 16 helle Unterrichtsräume mit bodentiefen Fenstern, eine Mensa sowie acht sogenannte Teilungsräume: Dort soll Unterricht in kleinen Lerngruppen ermöglicht werden. Rein rechnerisch wurde die Kapazität der Bernhard-Grzimek-Schule um 216 Schulplätze erweitert. Schulleiterin Marielle Rosemeyer sagt, dass im Neubau jahrgangsübergreifend die Klassen 1 und 2 unterrichtet werden – darüber hinaus findet dort der Förderbereich für die kleinen statt, insbesondere für autistische Kinder. Einen Namen gibt es ebenfalls: Während die naturkundlich ausgerichtete Bernhard-Grzimek-Schule das Hauptgebäude „Serengeti“-Haus nennt, heißt der Neubau nun Mikumi-Haus – benannt nach dem Nationalpark in Tansania. „Über den Namen haben die Schülerinnen und Schüler in unserem Kinderparlament abgestimmt“, sagt die Schulleiterin stolz.

Nach Angaben von Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) soll es nicht bei diesem Mobilen Ergänzungsbau aus Holz bleiben. Mehr als 30 Standorte werden im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive bis 2025 eine Holzmodulschule erhalten. Der Vorteil: Die Pläne sind sofort abrufbereit. Vor Ort müssen die Neubauten nur an die entsprechenden Gegebenheiten angepasst werden. „So gelingt es uns, schnell neue Schulplätze zu schaffen.“ Jedes Jahr investiere das Land Berlin rund 700 Millionen Euro in Neubauten und Schulsanierungen. In den nächsten Jahren sollen allein über Mobile Ergänzungsbauten zusätzlich 13.000 Schulplätze entstehen. „Das nächste MEB aus Holz eröffnet im September in Spandau“, kündigt Stadtentwicklungsstaatssekretärin Wenke Christoph (Die Linke) an. Beim Schulbau arbeiten die beiden Senatsverwaltungen für Bildung und Stadtentwicklung eng zusammen. Diese Kooperation kommt bei den Bezirken gut an: „Jeder zusätzliche Schulplatz bringt eine spürbare Entlastung“, sagt Lichtenbergs Schulstadtrat Martin Schaefer.

Galerie: Eröffnung Schulneubau aus Holz an der Bernhard-Grzimek-Schule

Eröffnung von Berlins erster Holzmodulschule

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