Rathaus Marzahn: Sanierung wird teurer und verzögert sich

Das Rathaus Marzahn wurde 1989 eröffnet und steht seit 2008 unter Denkmalschutz. Seit Jahren bemüht sich der Bezirk, das einzigartige Verwaltungsgebäude zu sanieren. Foto: Marcel Gäding
Das Rathaus Marzahn wurde 1989 eröffnet und steht seit 2008 unter Denkmalschutz. Seit Jahren bemüht sich der Bezirk, das einzigartige Verwaltungsgebäude zu sanieren. Foto: Marcel Gäding

Das Rathaus Marzahn am Helene-Weigel-Platz ist eines der wenigen Rathäuser, das zu DDR-Zeiten gebaut wurde. 1989 eröffnet, steht es seit 2008 unter Denkmalschutz. Ursprünglich sollte 2024 die Sanierung beginnen. Nachdem nun aber auch Fachgutachten zu Brand- und Denkmalschutz vorliegen, ist klar: die bereits bewilligten 22 Millionen Euro reichen hinten und vorne nicht. Von Sabine Flatau.

Das alte Rathaus Marzahn soll zum modernen Verwaltungsstandort werden. Vorgesehen war, dass die Sanierung Anfang 2024 beginnt. Nun hat sich herausgestellt, dass das Vorhaben teurer wird als angenommen. Bislang waren 22 Millionen Euro veranschlagt. Diese Summe hatte der Senat bereits 2018 bewilligt. Sie stammt aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (Siwana).

Doch erst die sogenannte Vorplanung, die 2020 erstellt wurde, hat Erkenntnisse aus Fachgutachten etwa zu Schadstoffen, Bauphysik, Brandschutz und Denkmalschutz berücksichtigt. Diese Gutachten lagen noch nicht vor, als der ursprüngliche Kostenrahmen festgelegt wurde. Zudem seien seither die Baupreise gestiegen, sagte Juliane Witt (Linke), Stadträtin für Gebäudemanagement, Anfang März. Zurzeit werde die Finanzierung des Projektes geklärt: „Bis zur Bestätigung der Finanzierung darf leider nicht weiter geplant werden, insofern wird sich voraussichtlich auch der Baubeginn verzögern.“

Ein Rathaus mit Ratskeller und viel Licht

Das Rathaus Marzahn wurde 1989 eröffnet. „Ende der 1980er-Jahre entstand hier ein Haus, das sich nach außen wie nach innen geöffnet hat“, sagt Juliane Witt. Das Atrium im Kern des Hauses sei Symbolträger für Demokratie. „Bis zum Ratskeller finden sich viele Elemente traditionsreicher Rathäuser“. Seit 2008 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Es gehe vor allem darum, die Gebäudehülle energetisch zu sanieren, sagt Bezirksstadträtin Witt. Fenster werden ausgetauscht. Die Fassade bekommt eine Dämmung. Eine Photovoltaik-Anlage ist vorgesehen. Das Rathaus habe zudem „eine ineffektive, überholte Gebäudetechnik“. Bei der Sanierung werden Heizung, Lüftung und Stromleitungen erneuert, ebenso Sanitäranlagen und Wasserleitungen. Der Brandschutz wird den aktuellen Anforderungen angepasst. Auch soll das Haus künftig umfassend barrierefrei sein.

Der einstige Ratskeller wird zum Kulturkeller und bietet Raum für Veranstaltungen des Bezirksamtes, für öffentliche Lesungen und Diskussionen sowie für private Feierlichkeiten wie Jugendweihe und Kommunion. Der Tresen und alle anderen Einbauten und Gestaltungselemente bleiben erhalten.

Späte DDR-Architektur

Für das Gebäude sei eigens ein Denkmalpflegeplan erstellt worden, sagt Stadträtin Witt. Er gibt vor, wie die Sanierungsarbeiten auszuführen sind. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Räumen des Standesamtes. Sie seien ein „wichtiges zeithistorisches Zeugnis für Anspruch und Gestaltwillen der späten DDR-Architektur“, heißt es in einer Dokumentation, die das Landesdenkmalamt beauftragt hat. „Es wird eine Restaurierung der Ausstattung und Oberflächen erfolgen.“

Kathrin Henkel (CDU) kennt das Rathaus gut. Seit Ende 2011 ist sie Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung und hat ihr Büro am Helene-Weigel-Platz 8. Schon damals sei das Haus stark sanierungsbedürftig gewesen, sagt die Politikerin. Sie habe die Blumenkästen vor ihrem Büro bepflanzen wollen. „Doch mir wurde erklärt, das sei nicht erlaubt, weil durch das Gießen die Fassade Schaden nimmt.“ Probleme mit dem Fahrstuhl seien ein Dauerthema gewesen. „Jetzt wurde endlich mal eine größere Reparatur und ein Austausch vorgenommen, aber es hieß ja monatelang, dort immer ohne Fahrstuhl auszukommen.“

Auch die Pflanzen im Atrium seien in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden, so Kathrin Henkel. „Das ist ja ein sehr schönes Konzept gewesen, dieser Lichteinfall von oben und die Begrünung, die kleinen Bänke und Orte des Verweilens, die man da eingerichtet hat.“ Das soll auch in Zukunft so sein. Das Mobiliar der Wartezonen und Flure bleibe erhalten und werde nach Auflagen des Denkmalschutzes instandgesetzt, sagt Stadträtin Witt an. Auch die Bepflanzung werde nach der Sanierung „in Anlehnung an das ursprüngliche Konzept wieder hergestellt.“

180 Verwaltungsmitarbeiter müssen umziehen

Die etwa 180 Verwaltungsmitarbeiter sollen für die Zeit der Sanierung umziehen. „Das Stadtentwicklungsamt wird fast vollständig in dem noch zu ertüchtigenden künftigen Bürodienstgebäude in der Premnitzer Straße 4 untergebracht“, kündigt Juliane Witt an. Für die Büros der BVV und der Fraktionen sollen Räume temporär angemietet werden.

Bezirksstadträtin Witt ist zuversichtlich: „Auch wenn es noch etwas dauert und komplexer und teuer ist als gehofft, gehe ich davon aus, dass hier ein wichtiger Ort für den Bezirk besteht und weiter auch bestehen wird!“ Das Rathaus Marzahn sei als Verwaltungsstandort im Bezirk akzeptiert. Auch die hervorragende Lage und die gute Verkehrsanbindung seien wichtige Gründe für den Erhalt als Bürodienstgebäude.  „Es ist absolut ein besonderer Ort und gut, dass den Abrissversuchen widerstanden wurde.“