Rathaus Marzahn: Sanierung viel teurer als geplant

Ist in die Jahre gekommen, nun muss es grundsaniert werden: das Alte Rathaus Marzahn am Helene-Weigel-Platz. Foto: Uwe Lemm
Ist in die Jahre gekommen, nun muss es grundsaniert werden: das Alte Rathaus Marzahn am Helene-Weigel-Platz. Foto: Uwe Lemm

Das denkmalgeschützte Rathaus Marzahn am Helene-Weigel-Platz soll ab 2023 baulich instandgesetzt werden. Die ursprünglich eingeplanten Kosten von 22 Millionen Euro haben sich vervielfacht. Von Uwe Lemm.

Es trägt die Nummer „09085212,T“ der Berliner Denkmaldatenbank, steht seit 1988 am Helene-Weigel-Platz 8 in Marzahn und zählt „wegen seiner Individualität zu den anspruchsvollen Bauten der späten DDR und steht seit dem Jahr 2008 unter Denkmalschutz“, wie es bei Wikipedia heißt: Die Rede ist vom Alten Rathaus Marzahn, laut Wikipedia einem „der wenigen Rathäuser, die in der DDR zu diesem Zweck erbaut wurden.“ Doch mit der Berliner Bezirksreform von 2001 und der Fusion von Marzahn und Hellersdorf verlor es seine eigentliche Funktion als Rathaus – es stieg in die „Zweite Liga“ der Dienstgebäude des Bezirks ab.

Nun hat das Bezirksamt seine Pläne für die Sanierung des Gebäudes vorgestellt. Nachdem sich schon in der Vergangenheit eine Verteuerung der Baumaßnahme abgezeichnet hatte – ursprünglich waren 22 Mill. Euro aufgerufen –, werden nun voraussichtlich 34 Mill. Euro zur Komplettsanierung des Gebäudes benötigt. Die größte Herausforderung sieht die seit 2020 bestehende Planungsmannschaft aus Amtsvertretern und dem beteiligten Team der Firma Kebe + Schoberth Architekten in der energetischen Sanierung des in die Jahre gekommenen Baus. Ein Grund dafür ist die fehlende Isolationsschicht der Außenplatten – nun muss eine hochwertige Innendämmung so aufgebracht werden, dass eine Schimmelbildung in den Innenbereichen vermieden wird.

Dies ist jedoch nur eine, wenn auch vielleicht die schwierigste Aufgabe der Bauleute, müssen doch auch die Fenster komplett erneuert werden, ebenso die veraltete Haustechnik, Heizkörper, Brandschutzeinrichtungen und die vom damaligen Architektenkollektiv des Ingenieurhochbaus Berlin um Wolf-Rüdiger Eisentraut, Karla Bock und Bernd Walther entworfenen Blumenkästen. Ebenso müssen die Fugen erneuert und die Platten teilweise ausgebessert werden – glücklicherweise können defekte Klinker nachgebrannt werden. Außerdem soll das Gebäude barrierefrei umgebaut, die vier heute als Abstellraum für Fahrräder genutzten Innenhöfe und der ehemalige Ratskeller reaktiviert werden. Der Ratskeller soll im Übrigen nicht verpachtet, sondern nach Fertigstellung für Aktivitäten etwa des Bezirks oder von Vereinen genutzt werden. Zu guter Letzt kommt eine Solaranlage aufs Dach, das ebenfalls total erneuert werden muss.

Eine Menge Arbeit also, die schon begonnen hat, aber für Außenstehende nicht offen sichtbar wird, wie die auch für Stadtentwicklung, Gesundheit, Personal und Finanzen zuständige scheidende Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke) bei der Präsentation der Pläne bemerkte. Bevor die ersten Gerüste voraussichtlich 2023 gestellt werden können, stehen Einzelplanung, Genehmigung des Bauvorhabens und der dafür benötigten Investitionen durch den Berliner Senat und die europaweite Ausschreibung der Bauleistungen. Danach müssen die Bezirksverordnetenversammlung mitsamt allen Mitarbeitern und die hier Beschäftigten von Jugend- und Stadtentwicklungsamt in Ausweichquartiere umziehen. Nach Fertigstellung der Sanierung, die für 2027/8 vorgesehen ist, sollen allerdings alle an den alten Standort zurückkehren, weiß Juliane Witt, Bezirksstadträtin für Weiterbildung, Kultur, Soziales und Facility Management (Die Linke) zu berichten. Ein Bürgeramt, von vielen Marzahnern sehnlichst gewünscht, werde es aber hier nicht geben.

Sollte die Fertigstellung der Sanierungen im Jahr 2028 verwirklicht werden (eine Termintreue, die in Berlin bei größeren Projekten erfahrungsgemäß ja nicht generell vorausgesetzt werden kann), ließe sich geschickt die Wiederinbetriebnahme und das 40-jährige Bestandsjubiläum mit einem großen Bürgerfest auf dem Helene-Weigel-Platz feierlich begehen. Schon vorher dürfte aber die künftige Ruheständlerin Dagmar Pohle aufatmen, hatte sie doch erklärt, sich für den Fall eines Abrisses am Alten Rathaus zu dessen Rettung anketten zu wollen: Diese Gefahr ist inzwischen jedenfalls „vom Tisch“.