Orthodoxe zeigen Interesse an Marzahner Friedhof

Linden säumen den Hauptweg des einstigen Marzahner Dorffriedhofs. Foto: Marcel Gäding
Linden säumen den Hauptweg des einstigen Marzahner Dorffriedhofs. Foto: Marcel Gäding

Auf dem alten Dorffriedhof von Marzahn könnten womöglich wieder Beisetzungen stattfinden. Die russisch-orthodoxe Gemeinde hat Interesse, das gerade einmal 5.700 Quadratmeter große Areal an der Landsberger Allee 496 zu nutzen. Von Marcel Gäding.

Das satte Grün der Bäume und Sträucher legt sich wie ein Vorhang über die wenigen noch vorhandenen Gräber auf dem alten Marzahner Dorffriedhof. 1984 fand dort unweit des alten Dorfkerns die letzte Beisetzung statt. Seither verfallen die Grabanlagen. Zwar pflegt der Bezirk Rasen, Bäume und Sträucher bis heute. Doch die meisten Spuren der Vergangenheit sind verwischt. Auf alten Luftaufnahmen aus dem Jahr 1928 blickt man auf den abseits vom Dorfzentrum gelegenen Friedhof. Heute ist er von mehrspurigen Straßen und Hochhäusern umgeben. Vor der alten gusseisernen Einfahrt steht inzwischen ein mächtiger Baum.

Lange schon ringt man im Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit der Frage, wie es mit dem Dorffriedhof weitergeht. Erst vergangenes Jahr war die Bezirksverwaltung von den Mitgliedern der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) aufgefordert worden, ein Konzept zu erarbeiten. Ziel ist es, den weiteren Verfall der historischen Grabanlagen zu stoppen. Damals initiierte die Linksfraktion in der BVV einen entsprechenden Antrag. Passiert ist seither nichts. „Eine Abschlussinformation des Bezirksamtes liegt noch immer nicht vor“, kritisiert Bjoern Tielebein, der Vorsitzende der Linksfraktion. Doch nun gibt es einen weiteren Anlauf, das langgezogene Grundstück zu retten. Mehrheitlich beschloss die BVV in ihrer Juni-Tagung, den alten Marzahner Friedhof zu reaktivieren. Demnach wird das Bezirksamt ersucht zu prüfen, wie der russisch-orthodoxen Kirche in Marzahn für die Realisierung eines eigenen Friedhofs geholfen werden kann. Möglich wäre, der Gemeinde den Friedhof oder ein eigenes Gräberfeld auf der Grundlage eines Erbbaurechtsvertrages zur Verfügung zu stellen. „Hierbei ist die Pflege schützenswerter Grabstätten sowie der vorhandenen Naturdenkmäler im Falle der Nutzung des Alten Marzahner Friedhofs zu vereinbaren“, heißt es im Antragstext.

Die „Russisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats“ betreibt sechs Gemeinden in Berlin, darunter in der Allee der Kosmonauten 184-188. Dort steht seit sechs Jahren eine Holzkirche, die dem Großherzog Wladimir gewidmet wurde. Gut 150 aktive Mitglieder zählt seine Gemeinde, sagt Priester Evgeny Murzin. Im Schnitt betreut seine Gemeinde bis zu vier Trauergottesdienste im Monat. Bislang finden die Beisetzungen auf verschiedenen Friedhöfen statt. Die Kirche kümmere sich auch um russisch-orthodoxe Christen, die nicht aktiv in der Kirche seien. Der Geistliche schätzt die Zahl der Glaubensangehörigen in Berlin auf 2.000 bis 3.000.

Der einzige Friedhof der Gemeinde an der Wittestraße in Tegel ist ausgelastet, freie Grabstellen gibt es dort keine mehr. Daher suche man nach einem weiteren Standort. Priester Murzin sagt, dass eine Option ein Teil des Katholischen Friedhofs in der Konrad-Wolf-Straße in Alt-Hohenschönhausen wäre. Doch es sei unmöglich, dort zu pachten. Der Dorffriedhof von Marzahn wäre hingegen ideal gelegen, denn zur russisch-orthodoxen Kirche sind es nur wenige Hundert Meter. „Wir stehen noch ganz am Anfang unserer Gespräche“, sagt Evgeny Murzin. Denn den Friedhof an der Landsberger Allee für russisch-orthodoxe Zwecke herzurichten, ist mit Investitionen verbunden. Außerdem existiert die Kapelle, die sich in der Mitte der alten Lindenallee befindet, nicht mehr. Sie wurde in den 1970er-Jahren abgerissen. Darüber hinaus müsste die Gemeinde den Friedhof betreuen, also dafür entsprechendes Personal bereitstellen.

Derzeit ist alles offen. Demnächst soll es Termine mit der Bezirksverwaltung geben.