Neues Leben im Kulturforum Hellersdorf

Das sanierte Kulturforum Hellersdorf in der Carola-Neher-Straße 1. Ab 14. Dezember zieht dort die Jugendkunstschule ein. Foto: Marcel Gäding
Das sanierte Kulturforum Hellersdorf in der Carola-Neher-Straße 1. Ab 14. Dezember zieht dort die Jugendkunstschule ein. Foto: Marcel Gäding

Zweieinhalb Jahre nach dem Start der Sanierungsarbeiten ist eine der wichtigsten Kultureinrichtungen von Marzahn-Hellersdorf bezugsfertig. In zwei Wochen zieht die Jugendkunstschule ins Kulturforum Hellersdorf. Wann dort wieder Konzerte oder Lesungen stattfinden, ist jedoch ungewiss. Von Marcel Gäding.

Eine sandbraune Klinkerfassade, neue Fenster, Türen und barrierefreie Zugänge, dazu ein neuer Schriftzug am Giebel: Die im Juni 2018 begonnene Sanierung des Kulturform Hellersdorf ist beendet. Vergangene Woche rückten die letzten Bauarbeiter ab. „Es ist großartig, dass wir nach dem Schloss Biesdorf ein weiteres Kulturhaus in unserem Besitz jetzt umfassend sanieren konnten und das kommunale Objekt für das wichtige Thema Bildung für Kinder und Jugendliche nutzen“, sagt Juliane Witt (Die Linke), die Kulturstadträtin von Marzahn-Hellersdorf und zuständig für die Immobilie an der Carola-Naher-Straße 1. „Jetzt folgt erst einmal die Phase Einzug und Start, zum Januar 2021 werden wir schauen, wie die Bedingungen für öffentliche Veranstaltungen sind, für Februar 2021 fassen wir aber in Aussicht, dann auch wieder mit den Nachbarn und weiteren Interessierten ins Gespräch zu kommen.“

Das Kulturforum Hellersdorf war als eine der letzten öffentlichen Einrichtungen des neuen Ostberliner Stadtbezirks Hellersdorf zu DDR-Zeiten geplant und kurz nach der Wende errichtet worden. Viele Jahrzehnte bespielte der Kulturring in Berlin e.V. das Haus, lud zu Konzerten, Lesungen und Theateraufführungen ein. Doch der bauliche Zustand des Gebäudeensembles verschlechterte sich, sodass der Bezirk entschied, es zu sanieren. Dafür wurde das Haus komplett entkernt. Eigentlich erinnert nur noch der Grundriss an einstige Zeiten. Technisch und baulich hingegen ist das Kulturforum nun auf dem neuesten Stand.

Allerdings: Waren zunächst 2,2 Millionen Euro für die Sanierung veranschlagt, liegt die Endabrechnung nun bei 2,8 Millionen Euro. Nach Auskunft des Bezirksamtes habe es Probleme gegeben, gute und zuverlässige Unternehmen zu finden. Zudem seien die zunächst in der Bauplanungsunterlage kalkulierten Kosten von den tatsächlichen Kosten abgewichen. Weiteres Problem für einen Bauverzug: Im Dach wurden Asbestfasern entdeckt, was zu einem Bauverzug führte. Die für Ende September geplante Übergabe musste daher verschoben werden. Ganz fertig ist das Projekt auch jetzt noch nicht: Wie Juliane Witt berichtet, werden im Frühjahr die Außenanlagen gestaltet. Zudem sei für das kommende Jahr geplant, die Bühnentechnik einzubauen.

Nach der Sanierung des Kulturforum Hellersdorf geht das bezirkliche Kulturamt auch neue Wege bei der Nutzung: Das Haus wird nicht mehr von einem Verein betrieben, sondern in Eigenregie der bezirklichen Jugendkunstschule. Vorgesehen ist, dass das Haus jedoch auch für Projekte von Vereinen und anderen Organisationen geöffnet wird. Die Jugendkunstschule trägt künftig den Namen der jüdischen Sängerin, Tänzerin und Kunstaktivistin Lin Jaldati und plant „ein breites Angebot von künstlerischer Bildung für Kitagruppen, Schulklassen und Kinder und Jugendliche“. Im Kulturforum werden nach Angaben von Juliane Witt auch Swantje Buchhordn, die bezirkliche Koordinatorin „Kulturelle Bildung“ im Bezirksamt, tätig sein „und damit ganz direkt auch die bezirklichen Akteure der kulturellen Bildung unterstützen, vernetzen und informieren“.

Die bezirkliche SPD hingegen übt Kritik am Bezirksamt. „Für die Öffnung des Kulturforums Hellersdorf, hat das Bezirksamt bisher noch keinerlei Maßnahmen ergriffen, Kulturschaffende oder die breite Öffentlichkeit zu beteiligen“, sagt Jennifer Hübner, die Vorsitzende der SPD-Fraktion und des Ausschusses für Kultur und Weiterbildung. „Bereits vor der Pandemie gab es ausreichend Zeit, für die Beteiligung und Ideenfindung mit Kulturschaffenden und Bürger/-innen.“ Das Bezirksamt habe diese Zeit jedoch nicht genutzt. „Die SPD-Fraktion fordert das Bezirksamt nun auf, mehr Anstrengungen für eine offene und demokratische Gestaltung des Kulturforums zu unternehmen.“ Das Kulturforum Hellersdorf sollte so vielen Kulturschaffenden wie möglich zur Nutzung offenstehen und entsprechend auch vielfältigste Angebote beherbergen, die den Wünschen der Bürgerinnen und Bürgern entsprechen, erklärt Hübner.

Kulturstadträtin Witt entgegnet, dass es zunächst einmal ein Team vor Ort geben müsse, „welches Bürgerwünsche nicht nur aufnehmen, sondern auch umsetzen kann“. Anders mache Bürgerbeteiligung keinen Sinn. „Derzeit gibt es dazu weder den richtigen Zeitpunkt noch die geeigneten Formate, wenn alle gerade das Haus nicht verlassen sollen, zu Bürgerinformationsversammlungen einzuladen.“ Kulturamtsleiter Nicolas Vecchini sagt, dass das Kulturforum vor allem am Wochenende und in der Woche abends für Erwachsene, Familien und Senioren dienen soll. „Für diese Angebote ist ein offener Aufruf für einen Ideenfindungsprozess geplant.“