Mit dem Hund ins Amt – aber nur für Behördenmitarbeiter

Nine im Büro von Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic. Künftig könnte die Vierbeinerin auf Artgenossen in der Bezirksverwaltung treffen. Foto: privat
Nine im Büro von Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic. Künftig könnte die Vierbeinerin auf Artgenossen in der Bezirksverwaltung treffen. Foto: privat

Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf stimmt einem Antrag der CDU zu und erlaubt künftig Hunde am Arbeitsplatz. Im Netz sorgt das Projekt „Bürohunde“ mitunter für Häme.

Immer am Freitag darf Nine mit ins Büro. Die Vierbeinerin gehört Nadja Zivkovic, Bezirksstadträtin und eigener Bekundung zufolge große Hundefreundin. An vier Tagen in der Woche ist Nine Gast in einer Hundetagesstätte. Doch freitags, wenn die Arbeitstage ihrer Besitzerin meist besonders lang sind, geht es mit zur Arbeit. Das handhabt die CDU-Politikerin schon eine ganze Weile so – auch, weil sich ihr Arbeitsplatz im Gebäude eines privaten Vermieters befindet. Nun sollen auch die übrigen Beschäftigten der Marzahn-Hellersdorfer Bezirksverwaltung Gelegenheit erhalten, ihre Tiere mit zur Arbeit zu nehmen. Das jedenfalls sieht ein Beschluss des scheidenden Bezirksamtes zum Thema Bürohunde vor.

Der Beschluss geht auf einen Antrag der bezirklichen CDU-Fraktion zurück, die sich im Sommer dafür stark machte, Verwaltungsmitarbeitern zu erlauben, ihre Hunde mit ins Büro zu nehmen. In einem Interview mit dem Bezirks-Journal hatte der Bezirksverordnete Maximilian Schröder gesagt: „Es geht um einige Faktoren. Neben dem schon beschriebenen Stressabbau kann ein Hund im Büro auch die Zufriedenheit und Motivation der Beschäftigten stärken.“ Außerdem profitierten die Tiere davon. „Denn einen Hund viele Stunden allein zu Hause zu lassen, ist nicht wirklich tiergerecht.“

Juliane Witt (Die Linke) leitete bis zur Berufung des neuen Bezirksamtes übergangsweise die Bezirksverwaltung und verkündete auf ihrem Account bei Facebook: „Das Bezirksamt schätzt es als außerordentlich positiv ein, wenn am Arbeitsplatz in den Räumen des Bezirksamtes, wo es möglich ist, das Haustier (Hund) mitgebracht wird.“ Aus arbeitspsychologischer Sicht sei dies für das Betriebsklima sehr förderlich. Doch Witt stellt klar: „Auf das Mitbringen des eigenen Hundes besteht kein Rechtsanspruch, sondern muss jeweils auch mit den Arbeitsaufgaben abgestimmt sein, im Publikumsverkehr ist dies sicher nicht sofort uneingeschränkt denkbar.“ Außerdem weist sie darauf hin, dass es Besuchern allerdings weiter untersagt sei, Hunde mit in ein „Bürodienstgebäude“ zu bringen.

Mit ihrer Nachricht löste die Kommunalpolitikerin kürzlich eine Reihe von unterschiedlichen Reaktionen aus. Die reichen von „bravo“ bis „unglaublich“. Abgesehen von jenen, die sich vor Hunden fürchten oder die mit einer Tierhaarallergie kämpfen, melden sich auch Menschen mit satirischen Ansätzen oder gar Häme zu Wort. „Ist der öffentliche Arbeitsplatz die zweite Wohnstube? Ein Haustier ist doch sehr privat, oder?“ schreibt einer von ihnen. Eine andere Nutzerin freut sich schon mit einem Zwinkern auf die neue Art der Verwaltungs-Produktivität: „Da wird ja die Arbeit richtig flott vorangehen! Darauf kann man sich freuen.“ Zum Nachdenken regt ein weiterer Kommentator an: „Es ist nicht 1. April oder? Oder ist der 1. April jetzt öfter? – Das geht doch nicht bei Publikumsverkehr. Haustiere sind doch, wie es der Name sagt: Haustiere.“

Juliane Witt betont, dass ein Hund nur dann mit ins Büro darf, wenn der jeweilige Vorgesetzte dem zustimmt, niemand belästigt werde und „die Arbeitsverhältnisse und die Arbeitssituation mit weiteren Mitarbeitenden es erlauben“. Eine Zustimmung ergehe deshalb stets mit Widerrufsvorbehalt, „da auch im Nachgang Bedingungen eintreten können, die das Mitbringen von Tieren nicht mehr zulassen“. (gäd.)