Medizinisches Mobiliar für das Corona-Krankenhaus

Leonhard Lischka in der Produktion seines Unternehmens an der Boxberger Straße in Marzahn. Foto: Angelika Giorgis
Leonhard Lischka in der Produktion seines Unternehmens an der Boxberger Straße in Marzahn. Foto: Angelika Giorgis

Die Marzahner Lischka GmbH stattete das Corona-Behandlungszentrum auf dem Messegelände mit speziellen Maschinen für die Reinigung und Desinfektion aus. Im Rahmen unserer Reihe „Unternehmen im Fokus“ haben wir den Betrieb im Marzahner Gewerbegebiet besucht. Von Angelika Giorgis.

Vor 27 Jahren gründete Leonhard Lischka sein Unternehmen in Lichtenberg. Jahrelang widmete es sich ausschließlich dem Vertrieb und dem Service von Pflege- und Hygienetechnik. Der Geschäftsführer und sein Team sammelten dabei viele Erfahrungen und stellten schließlich fest, dass sie einige dieser Produkte selbst besser herstellen können. Der Erfolg gab ihnen recht. Seit 19 Jahren fertigen sie medizinisches Mobiliar, Arbeitspflegekombinationen, ein Endoskop-Lagerungssystem sowie Reinigungs- und Desinfektionsgeräte für Kliniken, Praxen und Pflegeheime. Alle Produkte werden weltweit vertrieben, Standorte gibt es in allen Bundesländern, Servicepartner auf allen Kontinenten.

Gut ausgebildete Fachkräfte

Vor drei Jahren bezog die Firma Lischka ihr eigenes Gebäude an der Boxberger Straße in Marzahn. Das ist ihr Hauptstandort. Vorn gut sichtbar und integriert in einer hübschen Grünfläche hat die Verwaltung ihren Platz gefunden. Direkt angrenzend findet man die Fertigung. Alle bisherigen Mitarbeiter wechselten in die neuen Räumlichkeiten, mehr als zwölf neue Angestellte aus Marzahn kamen hinzu.

Leonhard Lischka schätzt die schöpferische Atmosphäre, die Kompetenz und die kurzen Wege im Bezirk. Er selbst arbeitet im Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis mit. „Im Bezirk findet man viele gut ausgebildete Facharbeiter“, weiß Lischka. „Sie freuen sich über die Nähe zu ihrem Arbeitsplatz.“ Mittlerweile sind im Berliner Unternehmen 65 Leute tätig, in Verwaltungsberufen, als Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker oder Anlagenbediener. Sechs Lehrlinge und einen Ausbildungsbeauftragten gibt es momentan hier. Auch in Corona-Zeiten werden weitere Kollegen gesucht, insbesondere Servicetechniker, Elektroniker, Projektmanager und Mitarbeiter im Außendienst.

Präzision ist ihre Stärke

Die Geräte und das medizinische Mobiliar werden mit großer Sorgfalt aus Chrom-Nickel-Stahl und elektrolytisch verzinktem Stahlblech gefertigt. Numerisch gesteuerte Werkzeugmaschinen erledigen mittels moderner CAD/CAM-Software ihre Aufgaben hochpräzise. Zum modernen Maschinenpark gehören spezielle Biegemaschinen, Bohr-, Fräs- und Drehmaschinen. So lassen sich auch individuelle Kundenwünsche verwirklichen.

Ende März stand das Unternehmen vor der Kurzarbeit. Die Servicetechniker durften nicht mehr in die Krankenhäuser gehen. Baustellen zu betreten war verboten.

Zu dieser Zeit beschloss der Berliner Senat den Aufbau eines Corona-Behandlungszentrums, eines Reservekrankenhauses auf dem Messegelände an der Jafféstraße. Zunächst sollten in der Messehalle 26 500 Intensivbetten aufgestellt und für insgesamt 1000 Patienten Medizintechnik wie Beatmungsgeräte und Sauerstoffleitungen beschafft werden.

Darum trat der Betreiber über ein lokales Medizintechnik-Planungsbüro an die Lischka GmbH heran. Sie konnte die gewünschten Leistungen anbieten. Nach langen Verhandlungen und mit Unterstützung des Bezirksamts erhielt die Lischka GmbH den Zuschlag für dieses Projekt und der Auftrag blieb somit in Berlin.

„Alles, was für die sichere Reinigung und Desinfektion von gebrauchten Utensilien oder für das Herstellen von Reinigungslösungen benötigt wird, konnten wir liefern und installieren“, so Lischka. Das sind beispielsweise 29 Reinigungs- und Desinfektionsgeräte, Desinfektionsmitteldosiergeräte, Ausgussschränke und Lagerregale. Der Auftrag belief sich auf ca. 250.000 Euro.

In den Ausstattungsmerkmalen zur medizintechnischen Versorgung unterscheidet sich das Corona-Behandlungszentrum von keinem anderen modernen Krankenhaus. Ausgenommen sind die Trennwände zwischen den Behandlungsbereichen, die Patientenzimmer simulieren. Vorteil der Bauweise ist es, dass ein Großteil der Infrastruktur, also technische Geräte und Betten, sich später weiter an den anderen Standorten des Betreibers nutzen lassen.

Mittlerweile gibt es in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens der Situation angepasste Hygienepläne, so dass die Lischka GmbH Aufträge wieder fristgerecht erfüllen kann. Kurzarbeit war in den letzten Wochen weiterhin nicht nötig. Einige Mitarbeiter hatten für wenige Tage Homeoffice, vor allem wegen der Kinder. Eine Kollegin arbeitet noch tageweise zu Hause, bis ihre Kinder wieder regelmäßig betreut werden.

Planungen für die Zukunft

Jetzt, nachdem einige Corona-Regeln überarbeitet wurden und alle mit der neuen Normalität vertraut sind, nahm Leonhard Lischka erneut Kontakt zu seinen Partnern und Händlern, beginnend in den Nachbarländern Österreich und Schweiz, auf. Beide Seiten wollen, dass bestehende Lieferverträge erfüllt und für das nächste Jahr neue Verträge verhandelt werden. Lischka hofft darauf, dass auch die Geschäftsbeziehungen zu den Partnern auf den anderen Kontinenten bald wieder intensiviert werden können.

Was er sich noch wünscht? Dass eine BVG-Buslinie über die Bitterfelder Straße am Unternehmen vorbeiführt. Die Mitarbeiter, die in der Nähe wohnen, kommen meistens mit dem Fahrrad hierher, die anderen noch mit dem Auto.