Marzahn-Hellersdorf bleibt vorerst auf dem Trockenen

Glasklares Wasser mit Strand – leider nicht in Marzahn-Hellersdorf, sondern irgendwo an der Ostsee. Weil der Bezirk weiter auf ein Freibad warten muss, will die Linksfraktion nun eine Schwimmhalle in Schnellbauweise errichten lassen. Foto: Marcel Gäding
Glasklares Wasser mit Strand – leider nicht in Marzahn-Hellersdorf, sondern irgendwo an der Ostsee. Weil der Bezirk weiter auf ein Freibad warten muss, will die Linksfraktion nun eine Schwimmhalle in Schnellbauweise errichten lassen. Foto: Marcel Gäding

Im Baggersee soll nicht geschwommen werden, die sanierte Schwimmhalle Helmut Behrendt öffnet später als geplant, und ein neues Freibad für Marzahn-Hellersdorf wird es so schnell nicht geben. Übergangslösungen könnten helfen.

Seit einigen Wochen veröffentlicht der grüne Bezirksverordnete Nickel von Neumann in gewisser Regelmäßigkeit Bilder vom Biesdorfer Baggersee. Der ist – wir berichteten mehrfach – vom Straßen- und Grünflächenamt mit einem Steinwall versehen worden. Damit will der Bezirk, vertreten durch Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic (CDU), verhindern, dass in dem Gewässer nahe dem U-Bahnhof Biesdorf-Süd gebadet wird. Erst kürzlich betonte Zivkovic auf der Sitzung der Bezirksverordneten, dass die neuerlichen Maßnahmen in erster Linie dazu gedacht sind, die Grünanlage vor weiterer Zerstörung zu schützen. Ein weiterer Grund für die Maßnahmen sind Beschwerden von Anwohnern, die vor allem im Sommer Lärm und Müll Tausender Badegäste ertragen müssen.

Einen Dialog mit allen Beteiligten aber gab es nie – obwohl dies von mehreren Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) bereits vor Monaten gefordert wurde. Nickel von Neumann wirft der Stadträtin vor, Beschlüsse der BVV zu ignorieren. SPD und Linke in der BVV sehen das auch so. „Schon im September 2020 haben wir gemeinsam mit SPD und Bündnisgrünen einen Antrag für mehr Sicherheit der Badenden und zur Unterstützung der DRK-Rettungskräfte in der Saison 2021 auf den Weg gebracht. Auch dieser wurde beschlossen, aber bisher nicht umgesetzt. Eine Stellungnahme des Bezirksamts zu den Anträgen gibt es bislang nicht“, erklärt Bjoern Tielebein, der Vorsitzende der Linksfraktion.

Einig sind sich die Bezirkspolitiker darin, dass die Marzahner und Hellersdorfer nicht länger auf dem Trockenen sitzen. Doch dieses Jahr (und auch in naher Zukunft) wird sich so schnell an dieser Tatsache nichts ändern. Zwar ist die Sanierung der Schwimmhalle „Helmut Behrendt“ am Helene-Weigel-Platz beendet (wir berichteten). Doch erst am 19. Juli soll sie wieder öffnen.

Weiter auf sich warten lässt das lang ersehnte Freibad, das im Jelena-Šantić-Friedenspark an der Hellersdorfer Straße geplant ist. Nach Angaben des zuständigen Bezirksstadtrates Gordon Lemm (SPD) seien beim Land Berlin Investitionsmittel von knapp 32 Millionen Euro beantragt worden. Parallel sollen baurechtlich die Voraussetzungen für den Bau des Freibades geschaffen werden. Inzwischen hat sich Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke) mit ihrem Lichtenberger Kollegen Michael Grunst (Die Linke) darauf verständigt, dass Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf beim Bau eines Freibades nicht in Konkurrenz treten werden. „Jeder der beiden wachsenden Bezirke hat einen Anspruch auf ein eigenes Freibad“, sagt Pohle.

Trotz der Einigkeit zieht sich ein möglicher Neubau hin: Zunächst muss das Abgeordnetenhaus das Geld dafür freigeben. Den Bebauungsplan zu ändern, dauert mindestens zwei Jahre. „Erst danach kann mit den Arbeiten begonnen werden“, erklärt Gordon Lemm. Weitere vier bis fünf Jahre werden die eigentlichen Bauarbeiten wiederum in Anspruch nehmen.

So lange will die Linksfraktion nicht warten – und schaut interessiert in den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Dort wird auf einer Liegewiese des Prinzenbades eine Schwimmhalle in Schnellbauweise errichtet. „Im vergangenen Jahr haben wir mit einem Beschluss der BVV das Bezirksamt aufgefordert zu prüfen, ob und wie eine solche Schnellbauschwimmhalle auch in Marzahn-Hellersdorf errichtet werden kann. Leider wurde dieser Beschluss bisher nicht umgesetzt“, sagt Bjoern Tielebein. Die Linksfraktion werde nochmals Druck machen, „dass schnell geklärt wird, ob auch unser Bezirk über einen solchen Weg kurzfristig Entlastung in Sachen Schwimmhallenkapazitäten erhalten kann“.

Und wie geht es beim Baggersee weiter? Der Ton Richtung Bezirksstadträtin Zivkovic wird deutlich schärfer: „Wir werden alle Möglichkeiten des Bezirksverwaltungsgesetzes nutzen, um eine öffentliche Diskussion über die Zukunft des Sees zu ermöglichen und die Alleingänge der Bezirksstadträtin zu beenden“, sagt Bjoern Tielebein. (gäd.)