Marzahn: Fußgängerbrücke fertig, aber noch nicht freigegeben

Ein Bauzaun soll den Zugang zur Fußgängerbrücke versperren. Doch Fahrgäste interessiert das nicht. Foto: Marcel Gäding
Ein Bauzaun soll den Zugang zur Fußgängerbrücke versperren. Doch Fahrgäste interessiert das nicht. Foto: Marcel Gäding

Zweimal schon musste die Eröffnung einer neuen Verbindung zwischen dem S-Bahnhof Marzahn und dem Parkfriedhof verschoben werden. Obwohl die Bauarbeiten beendet sind, ist die Brücke immer noch gesperrt. Von Marcel Gäding. 

Ein kräftiger Ruck – mehr war nicht nötig, um den Bauzaun umzuwerfen. Wochenlang schon versperrt dieser den Weg vom Parkfriedhof Marzahn zur neuen Fußgängerbrücke, die sich über den S-Bahnhof Marzahn spannt. Sie soll kurze, vor allem aber barrierefreie Wege ermöglichen. Und obwohl die neue Brücke nun fertig ist, darf sie noch nicht genutzt werden. Das interessiert jedoch einige wenige nicht: Sie werfen die Absperrungen immer wieder um, damit sie zum S-Bahnhof gelangen.

Das alles klingt nach einer verdammt schlechten Provinzposse. Schon 2011 wurde beschlossen, die barrierefreie Fußgängerbrücke zu bauen. Bis dahin existierte zwar bereits eine weitere Brücke am anderen Ende des Bahnhofs. Diese ist aber nur über viele Treppen zu erreichen. 2017 gab es schließlich den ersten Spatenstich und die vollmundige Ankündigung, dass ein Jahr später alles fertig ist. Doch die für 2018 geplante Eröffnung wurde erst auf den April 2019, später auf August 2019 verschoben. Jetzt, wo alles fertig ist, könnte alles ganz schnell gehen…

„Aufgrund des fehlendem Bauwerksbuches und fehlender VOB-Abnahme (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen), kann – trotz Fertigstellung – noch keine Übernahme und Öffnung durch DB Station & Service erfolgen“, teilt die Senatsverkehrsverwaltung auf eine Anfrage der Abgeordneten Iris Spranger (SPD) mit. „Es ist vorgesehen die Firma jetzt in Verzug zu setzen und bei mehrfach verstrichener Frist auch in die Ersatzvornahme zu gehen. Hierbei ist von einem Zeitraum von sechs Wochen auszugehen“, heißt es weiter. Parallel werde DB Station & Service prüfen, ob unter bestimmten Umständen auch vorab eine Öffnung möglich sei.

Dass es immer wieder zu Verzögerungen kam, habe nach Darstellung der Deutschen Bahn AG mehrere Gründe: „Zum einen war die Planung insbesondere in Hinblick auf bestehende Leitungen im Baugrund mangelhaft. Ebenso war die Ausführung durch den Auftragnehmer mangelhaft.“ Zudem musste die zunächst zu sanierende Treppe wegen ihres schlechten Zustandes komplett durch einen Neubau ersetzt werden. Immerhin soll nun auch die marode Brücke südlich vom Bahnhof erneuert werden. Das könnte im zweiten Halbjahr 2022 geschehen.

Die Marzahn-Hellersdorfer SPD-Fraktion sieht nun die bezirkliche Verkehrsstadträtin Nadja Zivkovic (CDU) in der Pflicht, sich stärker für den S-Bahnhof Marzahn einzusetzen. Bislang gebe es keinerlei Informationen zur Wiederöffnung, weder von der Deutschen Bahn noch vom Bezirksamt. „Es kann nicht sein, dass die Bewohnerinnen und Bewohner noch immer auf einen Termin für die Eröffnung warten müssen“, sagt Christiane Uhlich, die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. „Auch wenn die Berliner S-Bahnhöfe nicht im Hoheitsgebiet des Bezirksamtes liegen, darf die Marzahn-Hellersdorfer Bevölkerung ein stärkeres Engagement der Bezirksverwaltung erwarten.“