Wo Jack Nicholson eine Fassung bekommt

Die Bilderrahmen Neumann GmbH ist ein geachteter Partner für Fotografen und Künstler aus aller Welt. Von Angelika Giorgis.

Die Beratung kann lange dauern, manchmal sogar Stunden“, erzählt Stephan Adamski. Sein Chef Andreas Neumann erklärt gerade zwei Englisch sprechenden Kunden, in welchem Rahmen das mitgebrachte Foto am besten zur Geltung kommt. Adamski berät auch selbst, ansonsten ist er für die Montage zuständig und kennt die Abläufe in der 650 Quadratmeter großen Bilderrahmen-Manufaktur genau.

Die Arbeit beginnt in einem Raum, in dem Harthölzer liegen – so als wären sie gerade aus der Rinde des Baumes geschält worden. Aus diesen balkengroßen Brettern werden Profile hergestellt, die wiederum das Ausgangsprodukt für Leisten in unterschiedlichen Ausführungen und für Rahmensysteme sind. Im Leimraum werden diese verklammert und verklebt. Es entstehen Rahmen – von ganz klein bis zu fünf Meter groß. Damit alles eben und glatt ist, wird immer wieder geschliffen, auch im Farbraum, wo sie ihre Verwandlung erleben. Hier wird zudem geölt und gewachst. Die Mitarbeiter rühren Schelllack und Farbmischungen mit Pigmenten nach alten Rezepturen selbst an und tragen sie auf die Rahmen auf. Von Weiß bis Gold sind so gut wie alle Farben vertreten.
„Ehe ein Rahmen golden erstrahlt, dauert es etwa 14 Tage“, berichtet Anita Ring, die drei Jahre lang das Handwerk der Vergolderin erlernte. Immer wieder legt sie den Pinsel aus der Hand, bessert aus und schleift nach, bis die Oberfläche ebenmäßig ist und gleichmäßig leuchtet. In der Manufaktur werden auch alte Stücke res­tauriert oder originalgetreu nachgebaut. Außerdem gibt es eine große Auswahl an Ausstellungsmöbeln wie Sockel, Vitrinen oder Leuchtkästen. „Bei der Montage wird der Rahmen mit dem Kunstwerk verheiratet“, erklärt Stephan Adamski lächelnd. Der Rahmen muss das Kunstwerk schützen und es zugleich optimal zur Geltung bringen. Meistens setzt man entspiegeltes Glas, vor allem Museumsglas, ein. Auch die Passepartouts werden hier geschnitten und die Transportkisten gebaut, damit die Kunstwerke nach ihrer Fertigstellung sicher und wohlbehalten beim Empfänger landen.

Elf fest angestellte und drei bis vier freie Mitarbeiter – bei Großaufträgen auch noch einige Honorarkräfte – bemühen sich jeden Tag um exzellente Ergebnisse. Sie arbeiten als Tischler, Vergolder, Lackierer, Einrahmer oder Kaschierer und kommen wie ihre Kunden zum Teil von weit her. Die Kunden sind Sammler, Galerien, Museen und Künstler. Neumanns Adresse hat sich auf dem internationalen Kunstmarkt herumgesprochen. „Es ist von Vorteil, dass ich Englisch und Französisch spreche. Das geisteswissenschaftliche Studium hat mir also doch noch etwas gebracht“, meint er schmunzelnd. Es ist ihm wichtig, dass auch seine Angestellten vielsprachig sind.

Von Kreuzberg nach Lichtenberg

Der gelernte Maschinenschlosser arbeitete während seines Studiums der Geschichte und Politikwissenschaften häufig bei Fotografen und rahmte Bilder ein. Das wurde schließlich seine Profession. Er eröffnete einen eigenen kleinen Rahmenladen, arbeitete lange Jahre als Werkstattleiter und Geschäftsführer bei „Bilderrahmen Landwehr“ und übernahm schließlich 2016 das Kreuzberger Unternehmen. Die Werkstatt wurde im Laufe der Jahre zu klein und bei seiner zweijährigen, berlinweiten Suche nach einem neuen Standort fand er ein Domizil an der Herzbergstraße. Hier konnte er sich in einer neuen, großen Werkhalle seinen Arbeitsplatz maßgeschneidert einrichten.

Platz ist wichtig, vor allem, wenn es um große Aufträge geht. Beispielsweise vom international renommierten Fotografen Martin Schoeller, der in Israel 75 Überlebende des Holocaust porträtierte und seine Arbeiten noch bis zum 26. April unter dem Titel „SURVIVORS – Faces of Life after the Holocaust” in der Mischanlage der Kokerei Zollverein auf dem UNESCO-Welterbe in Essen ausstellt. Andreas Neumann und seine Mitarbeiter stellten innerhalb von 14 Tagen dafür alle Rahmen her.

Steht die Tür zur Kaschiererei einen Spalt offen, blickt man gerade auf große Fotos von Meryl Streep und Jack Nicholson, zwei von 45 Arbeiten, die für eine Ende Februar im NRW-Forum Düsseldorf beginnende Fotoausstellung von Martin Schoeller kaschiert und gerahmt werden. „Jedes Kunstwerk braucht seinen eigenen Rahmen“, erklärt Andreas Neumann. „Das gilt für Werke alter Meister wie für zeitgenössische Fotografie.“ Er erinnert sich an einen riesigen Auftrag für das am Bahnhof Zoo stehende Hotel Waldorf Astoria. Mehr als 1.000 Rahmen wurden für Bilder vom Foyer bis zur obersten Etage gebaut. Studenten der Universität der Künste fertigten die Originale dafür – von klassisch bis modern. Mehr als zwei Jahre stand ich mit den Innenarchitekten in ständigem Kontakt“, erzählt Neumann.

Im vergangenen Jahr verließen jeden Monat etwa 300 Bilderrahmen den Meisterbetrieb. Für Neumann und seine Kollegen in der Manufaktur ist das eine tägliche Herausforderung.

Weitere Informationen:

www.bilderrahmen-neumann.com
Tel. 030 6156464
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