Lichtenberg macht Kinder zu Sicherheitsexperten

Bezirksbürgermeister Michael Grunst und Lichtenbergs Katastrophenschutzbeauftragter Philipp Cachée übergaben kürzlich die Broschüren an die künftigen Junior-Sicherheitsexperten der Schule im Gutspark – in diesem Fall an Kinder der Klasse 4a. Foto: Marcel Gäding
Bezirksbürgermeister Michael Grunst und Lichtenbergs Katastrophenschutzbeauftragter Philipp Cachée übergaben kürzlich die Broschüren an die künftigen Junior-Sicherheitsexperten der Schule im Gutspark – in diesem Fall an Kinder der Klasse 4a. Foto: Marcel Gäding

Mit Hilfe einer Broschüre sollen Lichtenberger Grundschüler lernen, mit Gefahren im Alltag umzugehen und besonnen mit Notfällen umzugehen.

Wie verhalte ich mich bei einem Feuer? Was ist zu tun, wenn sich ein Spielkamerad verletzt? Und was muss ich beachten, wenn ich im Sommer im See baden gehe? Antworten auf diese und unzählige weitere Fragen liefert jetzt die Broschüre „Schau genau – mach dich schlau“, die das Bezirksamt Lichtenberg für 25 Grundschulen im Bezirk gedruckt hat. Insbesondere im Rahmen des Sachkundeunterrichts sollen Dritt- und Viertklässler mit Gefahrensituationen des Alltags vertraut gemacht werden, um im Ernstfall besonnen zu reagieren. Am Ende erhalten die Grundschüler eine Urkunde als „Junior-Sicherheitsexperte“.

"Manni" und "Hannah" zieren das Deckblatt der neuen Broschüre.
“Manni” und “Hannah” zieren das Deckblatt der neuen Broschüre.

Die Idee für die Broschüre und das Projekt hat sich der Bezirk aus Bochum abgeschaut. „Dort gab es 2009/2010 den Versuch für eine frühkindliche Förderung“, sagt der bezirkliche Katastrophenschutzbeauftragte Philipp Cachée. Sein Vorgänger und Vertreter des Rotary Club Berlin fanden die dort für eine Grundschule entwickelte Broschüre so spannend, dass sie diese auf Berlin anpassten. Viele der comichaften Zeichnungen wurden auf die Hauptstadt umgemünzt – mit Motiven wie der Alten Försterei in Köpenick, dem Teltowkanal oder dem Brandenburger Tor. Das 16 Seiten starke Heft beginnt mit einer Erdmännchenfamilie im Tierpark Berlin, die sich vor Gefahren zu schützen weiß. Die Broschüre macht mit den verschiedenen Rettungs- und Katastrophenschutzorganisationen vertraut und erklärt, was bei einem Notfall zu tun ist. Ziel sei es, Grundschulkindern auf spielerische Art und Weise die Themen Gefahren, Erste Hilfe, Eigenschutz und Selbsthilfefähigkeit näher zu bringen.

„Es gibt viele Alltagssituationen, in denen Gefahren lauern“, sagt Philipp Cachée. Mit dem vom Rotary Club Berlin finanzierten Projekt sei ein erster Schritt getan, Kinder „für Fälle abseits der Normalität“ zu sensibilisieren. Dabei werden die Grundschülerinnen und Grundschüler insbesondere im Umgang mit Notfällen geschult. Cachée sieht in den Kindern zudem Multiplikatoren, die ihr Wissen an Eltern und Großeltern weitergeben.

Zum Start des neuen Projekts wurden zunächst Broschüren an die Schule im Gutspark verteilt. „Das passt wunderbar in unseren Sachkundeunterricht“, sagt Simone Schutte, Klassenlehrerin der 4a. Dort werde bereits vermittelt, wie man sich bei Bränden oder Unfällen verhält. Sie will das Heft jetzt gezielt über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen im Rahmen eines Sicherheitsprojekts einsetzen und kann sich auch gut vorstellen, die Berliner Feuerwehr, die Polizei oder das Technische Hilfswerk einzuladen. „Gleichzeitig wird dadurch das Interesse am Ehrenamt im Brand- und Katastrophenschutz geweckt“, ergänzt Philipp Cachée.

„Die Themen Bevölkerungsschutz und Selbsthilfefähigkeit für verschiedene Altersstufen in den Schulunterricht zu integrieren, ist uns ein wichtiges Anliegen“, sagt Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke). „Auch Grundschulkinder können bereits lernen, sich in Gefahrensituationen klug, umsichtig und hilfsbereit zu verhalten.“ Dank des Projekts lernen Schülerinnen und Schüler, welche Sicherheitsnetze und -strukturen es in unserem Land gebe, sagt Astrid Blaß, die Leiterin der Schule im Gutspark. „Für viele Kinder ist es gerade in der aktuellen Zeit wichtig zu wissen, dass man aufgefangen wird.“

Für Thomas Herrschelmann vom „Rotary Club Berlin – Platz der Republik“ war es selbstverständlich, den Druck der 3.000 Broschüren zu finanzieren: „Das Thema Selbsthilfefähigkeit ist in unserer Gesellschaft leider noch zu wenig präsent. Wir haben uns für dieses Projekt eingesetzt, damit Kinder dafür sensibilisiert werden und lernen, wie sie sich selbst und anderen helfen können.“ (gäd.)