Kunstprojekt: Hellersdorf hat jetzt sein eigenes Skatspiel

Die Künstlerin Carola Rümper präsentiert in ihrem mp43-Projektraum einige Rückseiten-Motiven. Das Kleeblatt ist das Sieger-Bild. Foto: Steffi Bey
Die Künstlerin Carola Rümper präsentiert in ihrem mp43-Projektraum einige Rückseiten-Motiven. Das Kleeblatt ist das Sieger-Bild. Foto: Steffi Bey

Am Boulevard Kastanienallee in Hellersdorf gestalten Anwohner im Rahmen eines Kunstprojekts ihre eigenen Skatspiele. Motto: „Boulevard ist Trumpf“. Von Steffi Bey.

Reizen, bedienen, stechen – dass Skatspielen verbindet, wissen die meisten. Aber dass sich für dieses Thema plötzlich auch Menschen interessieren, die das Spiel gar nicht beherrschen, macht stutzig.

In Hellersdorf gibt es seit Sommer vergangenen Jahres jedenfalls ein Projekt unter dem Motto: „Boulevard ist Trumpf“. Die Konzept-Künstlerin Carola Rümper hat es initiiert und setzt es mit vier befreundeten Künstlern sowie gemeinsam mit vielen am Boulevard Kastanienallee Lebenden um. Gefördert wird es mit Mitteln aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“.

Das Spannende an dieser Aktion, die bis Ende 2022 läuft, sind die vielen interessanten Details, die sich im Laufe der Zeit ergeben. „Ziel ist es, ein eigenes Skatblatt für Hellersdorf zu entwickeln“, sagt Carola Rümper: Insgesamt sollen sogar vier verschiedene Spiele gedruckt werden.

In Workshops kreieren die Teilnehmer unter Anleitung der Profis individuelle Karten. Nicht einfach in Pandemie-Zeiten, aber ein Kurs mit mehreren Terminen fand bereits statt. Rund 40 Hellersdorfer waren dabei und schufen 70 unterschiedliche Motive: Das eigene Wohnhaus, die Schule, Blicke in die Natur, das Haustier oder auch nur ein einziger Baum entstanden unter anderem in Linolschnitt-Technik.

„Ich war überrascht und begeistert, mit wie viel Fantasie und Freude die Teilnehmer mitmachten“, berichtet Carola Rümper, die an der Stollberger Straße 73 ihr Atelier „mp43-Projektraum“ betreibt.

Aber auch die persönlichen Geschichten der Anwohner über das 1813 im thüringischen Altenburg erfundene Kartenspiel erstaunen die Künstlerin. „Das fing an, als ich mit meinem Bauchladen im Boulevard unterwegs war, um für das Projekt zu werben“, berichtet Carola Rümper. Sie kam dabei mit vielen Leuten ins Gespräch. Einige erzählten ihr, wann und wo sie das Spiel erlernten oder dass sie dabei ihren Lebenspartner fanden. Andere, die bislang keine Berührung damit hatten, kamen schließlich sogar zum Workshop. „Genau das wollen wir auch erreichen – eine Diskussionsplattform schaffen, die mit Heimatgeschichte zu tun hat. Es ist schön, wenn sich Menschen erinnern und ebenso für Neues interessieren“, erklärt die 53-Jährige.

Neben der Motivsuche für die Vorderseiten gab es noch einen offenen Aufruf mit dem Titel „Stich“. 28 Hellersdorfer reichten daraufhin 48 selbst gestaltete Werke zu den Blatt-Rücken ein. Sie malten, fotografierten, zeichneten oder bastelten. Alles wurde im Dezember am Pavillon im Boulevard ausgestellt und eine vierköpfige Jury aus Mitgliedern vom Quartiersrat, einem Kunstpädagogen und einer Künstlerin ermittelten das Sieger-Motiv: Das Kleeblatt-Foto von Anne Dogan hat gewonnen und wird auf den Rückseiten der vier Spiele abgebildet.

Jetzt soll das erste selbst kreierte Skatspiel in einer Auflage von 100 Stück erscheinen. „Jedes eingereichte Vorderseiten-Motiv wird gedruckt – manchmal muss dafür dann eine Blatt-Vorderseite geteilt werden“, sagt die Künstlerin.

Voller Spannung blickt sie auf den weiteren Projekt-Verlauf. Geplant sind unter anderem Ausstellungen, bei denen das Skatspielen mit den Hellersdorf-Karten ausdrücklich erwünscht ist. Außerdem sucht sie Geschichten rund um das Thema Skat. „Wer etwas erzählen möchte, wendet sich gerne an mich“, sagt Carola Rümper. Einige Stories hat sie schon zum Nachhören online gestellt.

Interessierte, die über ihre Skat-Erlebnisse berichten wollen, melden sich telefonisch beim Quartiersmanagement Boulevard Kastanienallee unter Tel. 030 91141293. Weitere Infos zum Projekt „Boulevard ist Trumpf“ unter www.boulevardisttrumpf.blogspot.com