Kaufhof im Linden-Center: das Ende naht

Kaufhof betreibt seit 1995 eine Filiale im Linden-Center. Die Außenwerbung stammt noch aus der Zeit vor der Fusion mit Karstadt. Foto: Marcel Gäding
Kaufhof betreibt seit 1995 eine Filiale im Linden-Center. Die Außenwerbung stammt noch aus der Zeit vor der Fusion mit Karstadt. Foto: Marcel Gäding

Die geplante Schließung der Galeria Karstadt Kaufhof-Filiale im Linden-Center am Prerower Platz rückt näher. Nach Informationen des Bezirks-Journals wird gerade ein Schlussverkauf vorbereitet. Dem Vernehmen nach soll der Kaufhausstandort schon im Oktober aufgegeben werden. Von Marcel Gäding.

Noch vor wenigen Tagen gab es für die rund 50 Beschäftigten der Galeria Karstadt Kaufhof-Filiale im Linden-Center Hoffnung: Während Bezirkspolitiker und Gewerkschaften für den Erhalt des Kaufhausstandortes protestierten, verhandelten führende Landespolitiker mit dem Eigentümer der wirtschaftlich angeschlagenen Warenhauskette, um die bereits angekündigte Schließung von sechs Berliner Galeria Karstadt Kaufhof-Filialen zu verhindern. Am Montag dieser Woche verkündete Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, dass immerhin vier Standorte erhalten bleiben können, darunter auch die Filiale im Ring-Center an der Frankfurter Allee. Die Beschäftigten der Standorte in den Gropius-Passagen (Neukölln) sowie im Linden-Center (Hohenschönhausen) aber müssen sich einen neuen Job suchen. Für die beiden Warenhäuser konnte keine Lösung gefunden werden.

„Das ist ein schwarzer Tag für die betroffenen Beschäftigten“, sagt Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) mit Blick auf eine am Montag zwischen Senat und Betreiber-Holding verabschiedete Absichtserklärung. Es sei schön, dass den Angestellten der Filiale im Ring-Center eine langfristige Perspektive unterbreitet wurde. „Die Beschäftigten der Filiale im Linden-Center stehen hingegen vor der Arbeitslosigkeit.“ Alle Gespräche, Briefe und Proteste hätten den Betreiber-Konzern Signa am Ende kalt gelassen. „So geht man nicht mit Beschäftigten um, die oft 25 bis 40 Jahre ihrer Lebensenergie in das Unternehmen investiert haben.“ Die Entscheidung gegen den Standort Linden-Center ist auch Sicht von Lichtenbergs Wirtschaftsstadtrat Kevin Hönicke (SPD) nicht nachvollziehbar. „Einen Standort mit solchen Potentialen und einer so engagierten Belegschaft stillzulegen, zeigt nur kurzsichtiges wirtschaftliches Denken.“

„Kaufhof-Schließung ist ein großer Fehler“

Michael Grunst glaubt, dass die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH mit der Schließung ihrer Filiale im Linden-Center einen großen Fehler mache. Im Einzugsgebiet wohnen an die 50.000 Menschen, von denen vor allem viele ältere gern in dem Warenhaus einkaufen. Außerdem soll Ende des Jahres ein städtebaulicher Wettbewerb für ein Zentrum von Hohenschönhausen starten. Geplant ist die Gestaltung der Flächen zwischen dem Linden-Center, dem Multiplexkino und dem Bahnhof Hohenschönhausen. Dort will der Bezirk zudem ein unter dem Arbeitstitel „KuBiz“ ein Kultur- und Begegnungshaus errichten, in dem Platz für die Anna-Seghers-Bibliothek, das Bürgeramt sowie das Standesamt wäre. „Da steckt viel Potenzial drin“, erklärt Grunst.

Wie aber geht es mit den Beschäftigten weiter, deren Arbeitsplätze wegfallen? „Das Land Berlin erwartet, dass das Unternehmen hier ihrer Verantwortung als Arbeitgeber gerecht wird und steht unterstützend zur Seite“, heißt es in einer Erklärung der Senatskanzlei. Beschäftigte könnten zudem ab dem 1. November in die Transfergesellschaft (Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft) wechseln und haben die Möglichkeit, weitere sechs Monate beschäftigt zu werden. „Das Land Berlin setzt sich weiter dafür ein, diese auf 12 Monate zu verlängern.“ Den Beschäftigten, die nicht in die Transfergesellschaft wechselten, hätten die Möglichkeit, eine Abfindung zu erhalten.

Neue Jobs in den Bürgerämtern?

Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst hat zudem noch eine andere Idee, den Beschäftigten eine Perspektive zu bieten. „Wir suchen für die Bürgerämter dringend Personal.“ Immerhin hätten die von Kündigung betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langjährige Erfahrungen im direkten Kontakt mit Kunden. Grunst ist optimistisch, dass mit einer entsprechenden Weiterbildung zusätzlich Kräfte für die Bürgerämter gewonnen werden können. Daher werde er sich an den Finanzsenator wenden, um ihn für die Idee zu gewinnen.