Hunde im Bezirksamt: Wie Enya die Herzen erfreut

Enya und ihre Besitzerin Angelina Heuft im Büro. Die Kolleginnen und Kollegen freuen sich über den Vierbeiner. Foto: Marcel Gäding
Enya und ihre Besitzerin Angelina Heuft im Büro. Die Kolleginnen und Kollegen freuen sich über den Vierbeiner. Foto: Marcel Gäding

Seit einiger Zeit dürfen Beschäftigte vom Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf Hunde mit ins Büro nehmen. Die fünf Jahre alte Enya ist nun mehrmals in der Woche unter dem Schreibtisch ihrer Besitzerin zu finden. Von Marcel Gäding.

Etwas schüchtern sitzt Enya in sicherer Entfernung zum Besucher und verfolgt jede Bewegung. Die Mischlingshündin ist Fremden gegenüber schüchtern, was daran liegen mag, dass sie ursprünglich aus Rumänien stammt und als Welpe vermutlich nicht nur freundliche Menschen kennenlernte. Gut 20 Minuten sollen vergehen, bis sie sich etwas entspannt und nun ihren Abstand zum Besucher verringert. Am Ende siegt die Neugier und sie legt sich unter den Tisch, an dem ihre Besitzerin Angelina Heuft mit ihrem Gast sitzt, um über Hunde im Bezirksamt zu sprechen.

Vor mehr als einem Jahr hatte die CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung mit einem Antrag angeregt, Beschäftigten die Mitnahmen ihres Hundes zu gestatten (wir berichteten). Das ist für die Tiere gut, denn sie sind dann auch tagsüber nicht allein. Außerdem sollen Hunde eine beruhigende Wirkung haben, sogar gegen Stress wirken. Inzwischen gibt es eine Dienstvereinbarung, in der geregelt ist, was erlaubt ist und was nicht. Wer jetzt beispielsweise glaubt, dass auf allen Verwaltungsfluren Hunde das Kommando übernommen haben, irrt. In der Regel sind die Vierbeiner nur dort anzutreffen, wo es keinen Publikumsverkehr gibt. Auch muss Rücksicht genommen werden auf Kolleginnen und Kollegen, die Angst vor Hunden haben.

Angelina Heuft ist die Frauenvertreterin im Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf und dem Bereich von Bezirksbürgermeister Gordon Lemm (SPD) unterstellt. Sie vertritt die Belange von rund 1.200 weiblichen Beschäftigten in der Bezirksverwaltung, wird unter anderem bei Einstellungen einbezogen und engagiert sich dafür, dass Frauen und Männer gleichberechtigt behandelt werden. Dass sie nun Enya mehrmals in der Woche mit ins Büro nehmen darf, freut sie sehr. „Wir haben sie im Tierheim am See in Eisenhüttenstadt entdeckt“, sagt Angelina Heuft. Es sei der erste Hund für die dreiköpfige Familie. Anfangs habe sich das kleine Fellknäuel kaum für seine künftigen Besitzer interessiert. „Wir gingen zunächst mit ihr Gassi, um Vertrauen aufzubauen“, erinnert sich die Frauenbeauftragte. Beim ersten Treffen blieb Enya sogar stur sitzen und machte keine Anstalten, ihren Zwinger zu verlassen. „Beim zweiten Mal aber war alles anders, da hüpfte sie vor Freude durchs Gras und wirkte wesentlich entspannter.“ Viereinhalb Jahre lebt Enya nun in der Familie von Angelina Heuft.

Bislang musste einer aus der Familie mittags immer nach Hause, um mit Enya Gassi zu gehen. Seit Angelina Heuft ihre Enya mit ins Büro nehmen kann, ist das deutlich einfacher. Tagsüber liegt die Hündin meist unterm Schreibtisch, mittags geht es zur Gassirunde raus vor das Dienstgebäude in Helle Mitte. War Enya anfangs noch schüchtern, wagt sie sich inzwischen auch mal aus dem Büro in der sechsten Etage, wo es keine Besucher gibt. „Die Kolleginnen und Kollegen locken sie schon mal mit Leckerchen“, berichtet Angelina Heuft. Empfängt sie in ihrem Büro Kolleginnen und Kollegen, die ein Anliegen haben, fragt sie stets vorab, ob der Hund stört. „Die meisten kommen aber gut klar, freuen sich sogar.“

Hundebesitzerin Heuft ist froh, dass sie Enya mit ins Büro nehmen darf und dass es nun dafür eine Dienstvereinbarung gibt. „Vorher war nichts geregelt“, berichtet sie. Als Mitglied des Personalrats sei sie sehr erleichtert gewesen, dass sich Bezirksbürgermeister Gordon Lemm offen für das Thema zeigte. Schließlich war es der Wunsch vieler Beschäftigter, Hunde mit zur Arbeit zu nehmen. Enya ist nicht immer allein. Hin und wieder kommt es zu Begegnungen mit anderen Vierbeinern auf den Fluren. „Dann beschnuppern sich unsere Hunde auch schon mal.“

Ein Jahr soll nun geschaut werden, wie die neue Dienstvereinbarung in der Praxis umgesetzt wird. Dann entscheidet sich, ob Hunde darüber hinaus weiter am Arbeitsplatz erlaubt sind. Besucherinnen und Besucher der Verwaltung hingegen haben jedoch das Nachsehen. Sie dürfen ihre Vierbeiner auch künftig nicht mit in die Dienstgebäude des Bezirksamtes nehmen.