Neuer Name für Verein in Hohenschönhausen

Der VaV gehört zu den größten Sozialunternehmen im Bezirk. Als Verein für aktive Vielfalt und mit neuen Gesichtern an der Spitze startet er nun in eine neue Ära. Von Marcel Gäding.

Es ist eine bewegte Zeit, an die sich Christina Emmrich erinnert: 1991 tat sie sich mit einigen anderen Mitstreitern zusammen, um in der Gehrenseestraße den Verein für ambulante Versorgung e.V. (VaV) zu gründen. Drei Räume belegte die gemeinnützige Organisation in der früheren Vertragsarbeiterunterkunft. „Unser damaliger Schwerpunkt lag auf einem Familienpflegedienst“, sagt Emmrich. Die meisten der zwölf Beschäftigten wurden im Rahmen sogenannter Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen eingestellt.

Inzwischen sind fast 30 Jahre vergangen – und der VaV eine feste Größe, nicht nur in Hohenschönhausen. Mit gut 220 Beschäftigten gehört der Verein zu den namhaften Anbietern sozialer Leistungen im Bezirk Lichtenberg. Stolz berichtet Emmrich, die auch lange als Stadträtin und Bezirksbürgermeisterin von Lichtenberg tätig war, von insgesamt 24 Projekten an elf Standorten. Darunter sind Kitas, Jugendfreizeiteinrichtungen, Schulstationen, Familienzentren und das große Nachbarschaftshaus in der Ribnitzer Straße. „Wir wachsen sehr kontinuierlich“, sagt Emmrich mit Blick auf Beschäftigtenzahlen und Einrichtungen. Der Umsatz liegt aktuell im hohen einstelligen Bereich.

Neuer Name, neue Gesichter im VaV

Weil die Angebote des VaV mittlerweile so vielfältig sind, läutete der Verein eine neue Ära ein, beginnend mit einer Namensänderung. Seit Herbst 2019 tritt der VaV als Verein für aktive Vielfalt e.V. auf, der vor allem eines vermitteln soll: das bunte Spektrum sozialer Projekte. Längst spannt sich deren Bogen durch alle Altersgruppen – vom Kleinkind über die alleinerziehende Mutter bis hin zum Rentner aus dem Kiez. Die Initiative für die Namensänderung sei vornehmlich von jüngeren Menschen im VaV ausgegangen, und ja, es gab auch viele Diskussionen. Am Ende aber stand ein Kompromiss: Das Logo von einst – eine Silhouette der Großsiedlung Hohenschönhausen – bleibt genauso wie das Kürzel „VaV“ erhalten. Nur der Name ist eben neu. Doch das war es noch nicht mit den Veränderungen im VaV: Seit Anfang des Jahres hat der Verein auch eine neue Spitze: Mit Britta Brauckhoff als Geschäftsführerin und Martina Walter als Verwaltungschefin übernehmen zwei Frauen die Verantwortung für das Tagesgeschäft des stetig wachsenden Sozialunternehmens, werden dabei von den beiden Bereichsleiterinnen Sarah Ladkau (Kinder, Jugend, Familie und Soziales) sowie Sarah Wehe (Gemeinwesenarbeit) unterstützt. Denn die Zeichen des noch jungen Jahres 2020 stehen auf Expansion. Im April nimmt der VaV seine neue Kita „Pirateninsel“ in der Anna-Ebermann-Straße in Betrieb. Geplant ist weiterhin, eine flexible Kinderbetreuung insbesondere für alleinerziehende Mütter und Väter zu gründen und auch Betreuungsangebote für Kitakinder zu schaffen, die Verhaltens­auffälligkeiten zeigen. Dabei bleibt der VaV seiner Devise treu, in Zukunft passgenaue Angebote für die Menschen in der Region zu schaffen. „Ein Thema ist die zunehmende Vereinsamung von Menschen“, sagt Christina Emmrich. Im neu eröffneten Café „Klönsnack“ an der Ribnitzer Straße ist jedenfalls reichlich Raum für Begegnungen. Der tägliche, preiswerte Mittagstisch wird gut angenommen.

Ganz auf Teamplay setzt die neue VaV-Geschäftsführerin Britta Brauckhoff: Die passionierte Handballerin wechselte vor drei Jahren von der freien Wirtschaft in die Sozialbranche. „Ich habe gemerkt, dass das ein Bereich ist, in dem ich gerne arbeite“, sagt die 37-Jährige. Zur Ausrichtung des VaV sagt sie, dass das, was an Projekten existiert, unbedingt bestehen bleiben muss. „In erster Linie wollen wir versuchen, die Projekte zu verfeinern, um dann Stück für Stück zu wachsen.“ Einen wichtigen Partner hat sie schon mal gewonnen: Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke), der den VaV als „Fels in Hohenschönhausen, und das seit Jahrzehnten“, bezeichnet. Zumindest für die Erstausstattung der neuen Kita in der Anna-Ebermann-Straße muss sich Brauckhoff wenig Gedanken machen: Der Politiker feiert am 13. März seinen 50. Geburtstag – und bittet aus diesem Anlass für die Kita „Piratenkinder“ um Geld.

Weitere Informationen zum VaV und seinen Projekten gibt es im Internet unter
www.vav-hhausen.de und im Nachbarschaftshaus Ostseeviertel, Ribnitzer Straße 1, 13051 Berlin.