Hohenschönhausen: Anwohner erkämpfen sich „ihren“ Supermarkt

Trotz eisiger Temperaturen in den vergangenen Wochen gehen die Arbeiten für den Bau des neuen Supermarktes in der Wartenberger Straße voran. Fotos: Marcel Gäding
Trotz eisiger Temperaturen in den vergangenen Wochen gehen die Arbeiten für den Bau des neuen Supermarktes in der Wartenberger Straße voran. Fotos: Marcel Gäding

Seit Jahren gibt es im Hohenschönhausener Kiez rund um die Wartenberger Straße keinen Supermarkt mehr. Anwohner wollten das nicht hinnehmen und engagierten sich dafür, dass sie bald wieder zum Einkaufen nur mal über die Straße müssen. Mit Erfolg.

Noch gehört einiges an Fantasie dazu, sich alles bildlich vorzustellen. Das Fundament liegt, die Wände stehen, der Dachstuhl ist montiert. „Hier vorn befindet sich künftig die Obst- und Gemüseabteilung“, sagt Ingenieur Steffen Retzlaff von der Firma Keßler-Bau aus dem uckermärkischen Hohengüstow. Ingolf Hähnel, Sprecher des Kiezbeirates, hört interessiert zu und wirkt zufrieden.

Seit 2014 bemühen sich die Anwohner, die Volkssolidarität, Mieterinitiativen und der Kiezbeirat darum, dass sie in der Wartenberger Straße wieder einkaufen können (wir berichteten mehrfach). Dort befand sich lange eine Konsum-Kaufhalle, die noch nach der Wende von einem Einzelhandelskonzern betrieben wurde, 2009 aber schließen musste. Die vornehmlich älteren Anwohner mussten seither weite Wege in Kauf nehmen, um mal eben einzukaufen. Schon 2012 gab es Pläne der Berliner Konsum-Genossenschaft (ihr gehört das Gelände), die Kaufhalle abzureißen und dort neu zu bauen. Doch es gab immer wieder Schwierigkeiten mit dem Bezirk, sogar gerichtliche Auseinandersetzungen. Seit November vergangenen Jahres aber wird gebaut: Keßler-Bau ist mit dem Neubau eines Netto-Supermarktes beauftragt. 800 Quadratmeter Verkaufsfläche wird dieser haben und vor allem durch seine großzügige Glasfassade beeindrucken. Auch eine Kundentoilette wird es geben. Für das uckermärkische Bauunternehmen ist dieses Bauvorhaben reine Routine. Bundesweit baute es mittlerweile rund 30 Supermärkte neu oder aus. „Wir stellen den Markt komplett fertig her“, sagt Steffen Retzlaff. Der neue Betreiber Netto müsse dann nur noch ab April den Laden einrichten.

Für Ingolf Hähnel ist der lang ersehnte Neubau ein gelungenes Beispiel für Bürgerbeteiligung „mit einem zufriedenstellenden Ergebnis für alle Beteiligten“. Schließlich hatten seine Mitstreiter und er nicht lockergelassen, sich immer wieder an den Bezirk gewandt. Denn nach all den Jahren ging es nicht mehr nur um die Nahversorgung vornehmlich älterer Menschen. Inzwischen sind rund um die Wartenberger Straße auch etliche neue Mehrfamilienhäuser entstanden. „Dadurch ist der Bedarf an einem Supermarkt noch mehr gestiegen“, sagt Hähnel.

Ende April will Keßler-Bau den Schlüssel übergeben. Allerdings ist angesichts der Witterungsverhältnisse offen, ob dieses Datum zu schaffen ist. Für Hähnel und seine Mitstreiter ist dies aber zweitrangig. Sie wissen selbst am besten, dass sich Ausdauer lohnt. (gäd.)