Hohenschönhausen: An der Obersee-Schule wird der Platz knapp

Das Gebäude der Obersee-Schule ist denkmalgeschützt. Alte Linden prägen den Schulhof. Eltern fürchten um das Erscheinungsbild des Geländes. Foto: Marcel Gäding
Das Gebäude der Obersee-Schule ist denkmalgeschützt. Alte Linden prägen den Schulhof. Eltern fürchten um das Erscheinungsbild des Geländes. Foto: Marcel Gäding

Der Bezirk Lichtenberg will auf dem Gelände der Obersee-Schule an der Roedernstraße weitere Klassenräume errichten. Elternvertreter fürchten, dass darunter der historische Charakter des Schulgeländes leidet.

Getrübt ist die Ferienstimmung bei Eltern von Kindern, die an der Obersee-Schule unterrichtet werden. Kurz vor dem Ende des Schuljahres erhielten sie die Nachricht, dass auf dem Areal an der Roedernstraße ein Schulneubau errichtet werden soll. Geplant ist nach Angaben des Bezirksamtes ein sogenannter modularer Ergänzungsbau (MEB) mit 16 Klassenzimmern und einer Mensa. Dafür müsste aber der Schulhof umgestaltet werden.

„Für den Schulhof bedeutet das die Rodung der alten Bäume, die Beseitigung der Fahrradstellplätze, die Beseitigung des Schulgartens, die Beseitigung der Spielgeräte sowie eine direkte Angrenzung an die Kleingartenanlage Roedernaue“, heißt es in einer Pressemitteilung der Elternvertreter.

Die Obersee-Schule, an der heute rund 400 Grundschulkinder unterrichtet werden, ist eine Schule mit einer langen und wechselvollen Geschichte. Sie wurde in den Jahren 1912 bis 1913 vom damaligen Architekten James Carl Bühring entworfen und dann als Doppelschule eröffnet. Damals wurden Mädchen und Jungen getrennt unterrichtet. „Noch heute ist der Hof in seiner Form mit den alten Linden und den zwei Feldern (damals für Jungen und Mädchen getrennt) in der Ursprungsform erhalten“, berichten die Elternvertreter. Genau dieses historisch anmutende Antlitz sehen die Eltern in Gefahr. Nicht nur das: Sie behaupten, dass die Schulleiterin gar nicht in die Planungen für den jetzt vorgesehenen Schulergänzungsbau einbezogen wurde.

„Das Thema gab es bereits vor fünf Jahren“, sagt Joern Kotzur, der Gesamt-Elternsprecher und Vorsitzende vom Schul-Förderverein. „Damals wurde es von der Bezirksverordnetenversammlung abgelehnt.“ Der Schulhof sei 7.000 Qua­dratmeter groß und reiche derzeit gerade einmal für die 400 Schüler. Daher seien die Pläne des Bezirks in keiner Weise nachvollziehbar.

Der Bezirk ist jedoch in einer verzwickten Lage. Er benötigt für die steigende Zahl an Schülern Platz, um Grundschülern aus der Nachbarschaft wohnortnahe Schulplätze bereitzustellen. In der dafür festgelegten Planungsregion – sie umfasst Alt-Hohenschönhausen – sind bereits im übernächsten Schuljahr an den fünf Grundschulen die Kapazitäten erschöpft. „Auf Grund steigender Schüler- und Bevölkerungszahlen kommt es bis 2022/23 zu einem Kapazitätsdefizit von mehr als 400 Schulplätzen“, erklärt Schulstadtrat Martin Schaefer auf Nachfrage. Rechne man rund zehn Prozent der Kinder ab, die auf eine Privatschule gehen werden, blieben noch 360 Kinder, die nicht im Kiez zur Schule gehen könnten. Verstärken soll sich das Problem wegen des anhaltenden Zuzuges spätestens 2025/2026: Dann fehlen allein an der nahegelegenen Brodowin-Schule und an der Schule am Wilhelmsberg jeweils 360 Plätze.

Natürlich habe der Bezirk auch nach Grundstücken in der Nachbarschaft geschaut, um eventuell dort einen Ergänzungsbau für die Obersee-Schule zu errichten. „Weitere Freiflächen zum Zwecke des Schulbaus in ausreichender Größe konnten in der Region nach Prüfung durch alle beteiligten Behörden nicht eruiert werden“, sagt Schaefer. Kurzfristig könne auf das hohe Schulplatzdefizit somit nur mittels eines schnell verfügbaren modularen Ergänzungsbaus auf bezirkseigenen Schulgrundstücken reagiert werden. Daher gebe es nun Vorplanungen für einen modularen Ergänzungsbau in Holzbauweise an der Roedernstraße. „Die Veränderung des Schulstandortes wird mit den genehmigenden Behörden beraten und in Planungen festgehalten“, erklärt Schaefer. Dies betreffe auch Spielgeräte, Fahrradabstellanlagen und andere Objekte, die umgesetzt oder neu errichtet werden.

Schaefer widerspricht der Darstellung der Eltern, dass die Planungen an der Schulleitung vorbei erfolgen. „Die Schulleitung wird im Prozess von Beginn an eingebunden.“ Zuletzt habe es am 17. Juni eine Informationsveranstaltung gegeben, in deren Rahmen Fragen beantwortet wurden. Dabei seien auch Eltern, Elternvertreter, die Schulleitung und das Kollegium gewesen. (bzj.)