Hochhaus in Lichtenberg: Wohnen mit Blick auf den Fernsehturm

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), HOWOGE-Geschäftsführer Ulrich Schiller und Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) blicken aus der 16. Etage des neuen Wohnhochhauses am Bahnhof Lichtenberg auf Berlin. Innerhalb von zwei Jahren wurden dort 394 Wohnungen errichtet. Foto: Marcel Gäding
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), HOWOGE-Geschäftsführer Ulrich Schiller und Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) blicken aus der 16. Etage des neuen Wohnhochhauses am Bahnhof Lichtenberg auf Berlin. Innerhalb von zwei Jahren wurden dort 394 Wohnungen errichtet. Foto: Marcel Gäding

Die HOWOGE stellt am Bahnhof Lichtenberg ihr erstes neue Hochhaus fertig. Das 64 Meter hohe Gebäude soll nun noch eigene Windkrafträder erhalten. Von Marcel Gäding.

Unten rattern die Züge im Minu­tentakt, in der Ferne ist das rote Signallicht des Fernsehturms gut zu sehen. Wer das Glück hatte und eine von insgesamt 394 Wohnungen im neuen Hochhaus am Bahnhof Lichtenberg ergattern konnte, der hat einen atemberaubenden Blick auf die gesamte Stadt. Keine zwei Jahre sind zwischen der Grundsteinlegung und der Fertigstellung des Neubaus an der Frankfurter Allee 218 vergangen. Die ersten Klingelschilder sind bereits montiert. Täglich fahren nun Umzugswagen mit dem Hab und Gut der neuen Bewohner vor. LIESE hat die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE ihr jüngstes Projekt getauft, was eine Abkürzung für „Lichtenberger Riese“ ist. Dass es äußerlich an die neue HOWOGE-Zentrale nur wenige Hundert Meter weiter erinnert, ist kein Zufall. Beide Häuser wurden von dem Architekten Prof. Gerd Jäger geplant.

Mit dem Wohnhochhaus beschreitet die HOWOGE neue Wege. Denn große Baugrundstücke sind teuer. Gerade einmal 4.600 Quadratmeter misst das Areal nahe dem Bahnhof Lichtenberg. Schnell war daher klar, dass es an dieser Stelle nur hoch hinaus gehen kann, um der nicht abreißen wollenden Nachfrage nach Wohnraum gerecht zu werden. Über 22 Etagen verteilen sich also 394 Wohnungen, die zwischen ein und vier Zimmer groß sind. Ganz oben, in 64 Metern Höhe, entsteht derzeit noch ein Ort der Begegnung mit Hochbeeten, Kletterwand, Sitzgelegenheiten und Terrasse. Stellplätze für Autos gibt es keine, dafür Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Platz für 800 Fahrräder. Ein Concierge besetzt rund um die Uhr den Empfangsbereich. Dank eigener Trinkwasserstationen wird warmes Wasser im Haus aufbereitet, ein Lüftungssystem gewinnt zudem Wärme der Umluft, um daraus Energie zu gewinnen. Spielen die Behörden mit, bekommt das Gebäude in den kommenden Monaten noch vier Windkrafträder aufs Dach. Sie unterstützen die bereits installierte Solaranlage bei der Stromerzeugung.

Die Ähnlichkeit mit der erst vor wenigen Monaten eröffneten HOWOGE-Zentrale ist nicht zufällig: Beide Häuser wurden von Prof. Gerd Jäger entworfen. Foto: Marcel Gäding
Die Ähnlichkeit mit der erst vor wenigen Monaten eröffneten HOWOGE-Zentrale ist nicht zufällig: Beide Häuser wurden von Prof. Gerd Jäger entworfen. Foto: Marcel Gäding

Der Hochhausneubau ist der ganze Stolz der HOWOGE, denn er setzt nicht nur architektonisch Akzente in Lichtenberg, sondern ist auch in für Berlin ungewöhnlicher Rekordzeit entstanden. Bei einem solchen Vorzeigeprojekt lässt sich dann auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) zum Fertigstellungstermin blicken, um von einem „schönen Tag“ zu reden. „Dieses Projekt hier zeigt: Wir machen Dinge möglich. In dieser Legislaturperiode haben wir uns vorgenommen, 35.000 neue Wohnungen zu bauen“, sagt Giffey. Das LIESE-Hochhaus füge sich gut in die Stadt ein. Und es zeige: Sozialer Wohnungsbau muss nicht immer nach sozialem Wohnungsbau aussehen. „Das Haus wirkt hell, freundlich und einladend. Ein lebenswertes Haus“, attestiert die Regierende. Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) outet sich als Hochhausfan und berichtet stolz, dass sein Bezirk jedes Jahr um 2.000 Wohnungen wächst. „In den vergangenen zehn Jahren zogen 50.000 Menschen zu uns, das entspricht einer ganzen Kleinstadt.“

Die Hälfte der 394 Wohnungen ist gefördert und kann daher für 6,50 Euro pro Quadratmeter und Monat nettokalt angeboten werden. Die übrigen Wohnungen schlagen mit durchschnittlich 10 Euro pro Quadratmeter und Monat nettokalt zu Buche. Allerdings sind bereits alle Wohnungen vermietet. Und die HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft arbeitet an weiteren Vorhaben. Nach Auskunft ihres Geschäftsführers Ulrich Schiller würden in diesem Jahr 1.800 Wohnungen fertiggestellt, für weitere 2.000 Wohnungen werde in diesem Jahr der Grundstein gelegt. Der aktuelle Bestand von 73.500 Wohnungen soll langfristig auf 100.000 Wohnungen erweitert werden.