Hilfe für Alleinerziehende: Wohnprojekt „JuLe“ feiert Zehnjähriges

Sandra war 21 Jahre alt, als sie eine Wohnung im Projekt „JuLe“ fand. Inzwischen steht sie auf eigenen Beinen. Foto: Marcel Gäding
Sandra war 21 Jahre alt, als sie eine Wohnung im Projekt „JuLe“ fand. Inzwischen steht sie auf eigenen Beinen. Foto: Marcel Gäding

Das Wohnprojekt „JuLe“ (Junges Leben) besteht seit zehn Jahren. Es hilft jungen Menschen dabei, ein eigenständiges Leben zu führen. Von Marcel Gäding.

Als Sandra 21 Jahre alt war, bekam sie ihr erstes Kind. Doch die Beziehung zu ihrem Freund ging in die Brüche. Ohne Ausbildung und mit einem Batzen Mietschulden stand die junge Frau vor einer verzweifelten Situation: Wer hilft, wenn es keine Familie gibt, die einen auffängt? In der Zeit las sie schließlich vom Projekt „JuLe“, einem Wohnprojekt für Alleinerziehende des Vereins Kinderring Berlin. Die Mitarbeiterinnen dort waren sich einig, dass Sandra mit Unterstützung gute Chancen hat, aus ihrem Schlamassel herauszukommen. Also zog die junge Mutter mit ihrem Sohn in eine der Wohnungen ein, erhielt Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und bei der Bewältigung ihrer Probleme. „Mir war wichtig, nicht von Hartz IV zu leben“, sagt Sandra heute.

Sandra gehört zu den 50 Alleinerziehenden, denen in den vergangenen zehn Jahren über das „JuLe“-Projekt geholfen werden konnte. Der Kinderring Berlin hatte hierzu 2012 mit Unterstützung des landeseigenen Wohnungsunternehmens degewo in mehreren Wohnhäusern an der Golliner Straße in Marzahn Wohnungen zur Verfügung gestellt bekommen. Ziel des Projektes ist es, jungen alleinerziehenden Menschen eine Ausbildung zu organisieren, sie im Alltag zu unterstützen und später in ein selbstbestimmtes Leben zu entlassen. Sandra konnte dadurch bereits zwei Ausbildungen erfolgreich abschließen und ist nun dabei, Erzieherin zu werden. „Ich bin dem Kiez treu geblieben, lebe heute mit meinen beiden Kindern in einer schönen Vier-Zimmer-Wohnung“, sagt sie. Fünf Jahre sei sie bei „JuLe“ zu Hause gewesen, nun meistert sie ihr Leben eigenständig.

„JuLe“ ist für viele der ehemaligen und aktuellen Bewohnerinnen auch ein Familienersatz. An sieben Tagen in der Woche ist quasi immer jemand da, der ein offenes Ohr hat oder sich darum kümmert, dass in Notfällen für die Betreuung der Kinder gesorgt ist. Derzeit gibt es an der Golliner Straße neben Gemeinschaftsräumen elf Drei-Zimmer-Wohnungen im Haus sowie drei weitere Wohnungen in der Nachbarschaft. Unterstützt wird „JuLe“ vom Jugendamt, dem Bezirk und dem Wirtschaftskreis sowie der Alice Salomon Hochschule Berlin. Im Schnitt dauert der Aufenthalt der alleinerziehenden Elternteile drei bis fünf Jahre. Haben sie ihre Schule beziehungsweise die Ausbildung abgeschlossen, helfen die Vereinsmitarbeiter bei der Wohnungssuche. „Dann sagen wir ihnen: jetzt müsst ihr fliegen lernen“, erklärt Projektmitarbeiterin Marina Bikadi. Das Ziel sei erreicht, wenn die jungen Menschen zwischen 18 und 27 Jahren nicht mehr von Sozialleistungen abhängig seien. „Wenn sie ausziehen, können sie gut allein ihre Miete bezahlen“, sagt Bikadi stolz. Vor allem die Kinder seien die Gewinner des Projekts, erklärt der Vereinsvorsitzende Burkhard Zimmermann.

Bezirksbürgermeister Gordon Lemm (SPD) ist froh, dass es das „JuLe“-Projekt gibt. „Alleinerziehende stehen vor großen Herausforderungen.“ Die vom Bezirk bereitgestellten Mittel seien dort gut angelegt. Allerdings sei der Bedarf in Marzahn-Hellersdorf groß, Familien und Alleinerziehende zu unterstützen. „Wir müssen uns trauen, mehr zu investieren“, sagt Lemm. Denn „JuLe“ zeige, dass mit derartigen Hilfsangeboten langfristig Feld gespart werden könnte, etwa bei den „Hilfen zur Erziehung“. Derzeit gibt der Bezirk jedes Jahr rund 100 Millionen Euro aus, um in Not geratenen Familien oder Alleinerziehenden unter die Arme zu greifen.

Informationen zum Projekt gibt es online: www.jule-marzahn.de