Hellersdorfer Imker freuen sich über Zulauf

Informationsvermittlung über Bienen hält Uwe Meyer für eine wichtige Aufgabe des Imkervereins Wuhletal 1864. Infotafeln helfen im Bienenlehrgarten dabei. Foto: Dr. Uwe Lemm
Informationsvermittlung über Bienen hält Uwe Meyer für eine wichtige Aufgabe des Imkervereins Wuhletal 1864. Infotafeln helfen im Bienenlehrgarten dabei. Foto: Dr. Uwe Lemm

Die Zahl der Bienenzüchter steigt und wird weiblicher, wie der Imkerverein Wuhletal 1864 zu berichten weiß. Von Uwe Lemm.

Den Einstein zugeschriebenen Ausspruch, dass vier Jahre nach dem Aussterben der Bienen auch die Menschen aussterben werden, hält Uwe Meyer dann doch für etwas zu pauschal. Von der Tendenz her stimmt der Rentner und frühere Techniker eines großen deutschen Telekommunikationsunternehmens aber schon zu: Meyer ist Vorsitzender des Imkervereins Wuhletal 1864, der den 2011 vom Land Berlin überlassenen rund 3.200 Quadratmeter großen Bienenlehrgarten in der Lichtenhainer Straße 14 in Hellersdorf bewirtschaftet. Und hier lesen Interessierte dann auf einer der vielen Informationstafeln auch, dass wir mehr als 75 Prozent der Bestäubungen bei Obstblüten den Honigbienen verdanken.

102 Mitglieder hat der 1864 vor allem von Lehrern und Pfarrern in Lichtenberg gegründete Imkerverein heute. Vor der Wende waren es 130, kurz danach nur noch 28. Die inzwischen deutlich gestiegene Zahl sei vor allem dem Interesse jüngerer Frauen an der Imkerei zu verdanken, sagt Meyer. Seine Vereinsmitglieder besitzen im Durchschnitt fünf Völker in eigenen Gärten oder Gartenkolonien, Meyer hat doppelt so viele. „Je nach Anzahl der Bienenvölker und der eigenen Erfahrung braucht ein Imker einen halben bis ganzen Tag pro Woche für die notwendigen Arbeiten mit den eigenen Bienen“, verrät Meyer dem Bezirks-Journal. Hinzu kommt der Zeitaufwand für die im Bienenlehrgarten beheimateten „Vereinsbienen“.

Neben einer guten Zusammenarbeit mit dem zuständigen Bezirksamt kann sich Uwe Meyer besonders über eines freuen: Die Zahl der Mitglieder seines Imkervereins ist ausgesprochen stabil, Fluktuationen gibt es kaum. Ist also der Bestand des Vereins gesichert, der Bestand der Bienen ist es nicht. Zwar finden die in Berlin und vor allem in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg, woher die meisten Vereins­imker stammen, gute Bedingungen vor, so dass die Zahl der Bienenstöcke im Lehrgarten von derzeit 14 problemlos deutlich vergrößert werden könnte, ihre Zahl ist aber vor allem durch eine Reihe von Krankheiten bedroht. Vorrangig sind das die Varroa-Milbe und die Amerikanische Faulbrut: Die Milbe – ein Spinnentier, das durch Aussaugen der Bienenlarven deren Entwicklung verschlechtert und gleichzeitig Viren überträgt, die z. B. Flügeldeformationen auslösen – kann durch Vernichtung befallener Waben oder durch Einsatz von Ameisen- oder Oxalsäure nach der Honigernte bekämpft werden.

Die bakterielle Amerikanische Faulbrut (die nicht von dorther stammt, sondern erstmals in Amerika beschrieben wurde) tötet dagegen den Bienennachwuchs rigoros und ist in Deutschland meldepflichtig. Was letztlich dazu geführt hat, dass Bienenvölker selbst nur bei einem Umzug zwischen den Berliner Bezirken eine „Seuchenfreiheitsbescheinigung“ benötigen und angemeldet werden müssen.

Den vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf pachtfrei überlassenen Lehrgarten teilt sich der Verein mit weiteren Institutionen: Die benachbarte Kolibri-Grundschule sowie das Melanchton-Gymnasium umsorgen hier eigene Bienenvölker, während das Freilandlabor (Hoch-)Beete bewirtschaftet. Dessen vor Ort anwesende Beschäftigte ermöglichen es, den Garten von Mai bis Mitte September montags bis donnerstags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr, freitags bis 14 Uhr kostenlos offenzuhalten. In dieser Zeit kann vereinseigener Honig zum Preis von 5 Euro pro Glas gekauft werden. „Das Besuchsangebot wird von Müttern mit kleinen Kindern, aber auch von Kita-Gruppen angenommen. Ich schätze, dass wir auf 20 bis 30 Gäste pro Öffnungstag kommen“, sagt Uwe Meyer, dem das Hobbyimkern vom Vater in Beeskow beigebracht wurde, und das er selbst nun bald 50 Jahre erfolgreich betreibt.

Künftig soll es wieder jährlich mehrere ganztägige öffentliche Veranstaltungen geben. Alle interessierte Gruppen, vor allem aber solche aus Kitas und Schulen, haben außerdem Gelegenheit, nach Absprache mit dem Imkerverein an einer Bienenlehrstunde teilzunehmen. Der Kostenbeitrag dafür beläuft sich auf 4 Euro pro Teilnehmer (keine Ermäßigung, Informationen über Veranstaltungen: www.imkerverein-wuhletal1864.de; Buchungen unter Rufnummer 030 5676535 bei Uwe Meyer).

Wirklich fürchten vor den Bienen müssen sich Besucher des Gartens übrigens nicht: „Unsere Bienensorten sind alle friedlich, wenn man sie nicht reizt. Sie sind auch nicht wie die Wespen an unserem Kuchen interessiert, die gehen nur auf Blüten und den Nektar. Und sogenannte Killerbienen gibt es bei uns auch nicht“, weiß der Vereinsvorsitzende zu beruhigen. Dafür fliegen Bienen übrigens schon mal in einem Radius von fünf Kilometer um ihren Bau, Wildbienen z. B. beschränken sich auf Flugstrecken von wenigen Hundert Metern. Dass der Mensch sich aber auch um das Wohlergehen dieser „Tierchen“ sorgen sollte, wird im Bienenlehrgarten von Hellersdorf ebenfalls klar: Drei große Insektenhotels für Hummel und Co. machen deutlich, dass die Vereinsmitglieder regelmäßig auch über ihren eigenen Bienenhonigglas-Rand schauen.