Haus der Zukunft am ukb: Sensoren für Senioren

Blick in das Schlafzimmer der Musterwohnung vom „Haus der Zukunft am ukb“. Per Knopfdruck wird den Patienten beim Aufstehen geholfen, Sensoren melden Stürze. Foto: Marcel Gäding
Blick in das Schlafzimmer der Musterwohnung vom „Haus der Zukunft am ukb“. Per Knopfdruck wird den Patienten beim Aufstehen geholfen, Sensoren melden Stürze. Foto: Marcel Gäding

Am Unfallkrankenhaus Berlin zeigt das „Haus der Zukunft am ukb“, wie gute Pflege aussehen kann. Viele der digitalen und technischen Hilfsmittel sind bereits jetzt bereit für ihren praktischen Einsatz.

Am Tresen im Eingangsbereich warten zwei Roboter und begrüßen die Besucher. Etwas futuristisch sehen sie aus, und ihre Greifarme wirken wie aus einem Science-Fiction-Film. Ein kleiner Gag zur Eröffnung, ausgedacht von den Betreibern des „Haus der Zukunft am ukb“. Sobald es die Pandemielage zulässt, stehen am Tresen selbstverständlich richtige Menschen aus Fleisch und Blut. Gut möglich, dass irgendwann auch einmal Roboter die Concierge-Dienste übernehmen. Noch ist das aber Zukunftsmusik.

Das „Haus der Zukunft am ukb“ ist das jüngste Projekt auf dem Gesundheitscampus rund um das Unfallkrankenhaus Berlin. Die Betreiber der Klinik wollen nicht nur ein Behandlungszentrum von akuten Unfall- und Brandverletzungen unterhalten. Seit einigen Jahren holen sie sich auch Partner in die Nachbarschaft, um die Wege für Patientinnen und Patienten zu verkürzen. Erst im Januar eröffnete dort eine eigene Reha-Klinik; zwei Jahre zuvor ging die Arona-Klinik für Altersmedizin in Betrieb. Alle Einrichtungen eint ein Ziel: Betroffene sollen schnell wieder am Leben teilnehmen – und auch im Alter möglichst lang selbstbestimmt daheim leben können.

Wie das in den eigenen vier Wänden funktioniert, ist nun im „Haus der Zukunft am ukb“ zu sehen – wobei der Name der Einrichtung in dieser Form eigentlich etwas irreführend ist. Denn allein die zahlreichen kleinen technischen und digitalen Helfer auf der Etage des „Smart Living & Health Center“ sind bereits praxiserprobt und könnten theoretisch sofort bei Hilfs- und Pflegebedürftigen zu Hause eingebaut werden. 48 Partner konnten dafür gewonnen werden – namhafte Anbieter aus dem Hilfsmittelbereich, Sanitätshäuser, Gesundheitseinrichtungen, Badausstatter und Energiedienstleister. In einer Musterwohnung zeigt der eigens gegründete Betreiberverein mit seinen Partnern, was heutzutage daheim schon alles geht: Eine Küche ist dort zu sehen, die über nützliche Funktionen für Menschen mit Einschränkungen in der Bewegung verfügt. Oder ein Bad, dessen Dusche über einen Ganzkörperfön verfügt. Eine Toilette ist in der Lage den Blutzuckerspiegel zu messen. Und überall gibt es Sensoren, die im Fall eines Sturzes einen Alarm an einen Pflegedienst senden. Selbst an schwer pflegebedürftige Patienten ist gedacht: Das Schlafzimmer der Musterwohnung verfügt über ein Bett, das den Patienten per Knopfdruck aufrichtet und ihm beim Aufstehen hilft. An den Wänden sind kleine Monitore zu sehen, mit denen sich Funktionen per Fingerzeig oder Geste steuern lassen. „Die Produkte, die das Leben auch in Zukunft einfacher machen, wollen wir hier gemeinsam mit Unternehmen weiterentwickeln“, kündigt Christian Gräff, der Geschäftsführer des Trägervereins, an. „Mit dem Haus der Zukunft ist ein einzigartiger Ort in Deutschland entstanden, an dem Beratungsangebote für ein selbstbestimmtes Leben mit Lösungen für den Alltag in den eigenen vier Wänden kombiniert werden können.“

Es sind unzählige Möglichkeiten, mit denen man Wohnungen alters- und bedarfsgerecht aufrüsten lassen kann. „Das Digitale hat sich durchgesetzt, weil es die Dinge leichter macht“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Eröffnung vom „Haus der Zukunft am ukb“. Er weist darauf hin, dass sich die Pflegekassen bereits heute an den Umbaukosten für sogenannte „Hilfsmittel“ beteiligen. Auch daran wurde im „Haus der Zukunft am ukb“ gedacht: Nur wenige Meter von der Musterwohnung entfernt befindet sich ein Pflegestützpunkt vom Land Berlin und der AOK Nordost, in dem Betroffene wichtige Fragen klären können. Wer möchte, kann seinen Umbau der eigenen vier Wände direkt vor Ort planen und berechnen lassen. Der Pflegestützpunkt stelle damit eine optimale Schnittstelle bei der Planung, Umsetzung und Finanzierung von Maßnahmen wie Umbauten oder Hilfsmittelversorgung dar, erklären die Betreiber.

Was heute bereits alles möglich ist, sei in diesem Haus vorbildlich zusammengefasst. „Das ist etwas Besonderes für Marzahn, aber auch für Berlin“, sagt Jens Spahn. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärt, dass bis zum Jahr 2030 mehr als 800.000 Berliner*innen 65 Jahre und älter sein werden. „Deren medizinische Versorgung muss angepasst stimmen.“

Das „Haus der Zukunft am ukb“ wurde für rund 5,8 Mio. Euro vom Unfallkrankenhaus Berlin errichtet. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf steuerte dafür etwa 1,4 Mio. Euro bei, weitere 700.000 Euro kamen von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. (gäd.)

Wachsender Gesundheitsstandort Marzahn-Hellersdorf

„Die Eröffnung des Hauses der Zukunft rundet den zwanzigjährigen Aufbau des ukb-Gesundheitscampus ab“, sagt Prof. Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer ukb.1997 wurde das Unfallkrankenhaus Berlin eröffnet. In der Nachbarschaft befindet sich eine Augenklinik. 2014 eröffnete nebenan das ukb-Gesundheitszentrum mit Poliklinik, niedergelassenen Ärzten, Therapiezentrum und Apotheken. Zum Campus gehören außerdem eine Klinik für Psychosomatik, eine Reha-Klinik und das am 1. Juni 2021 eröffnete „Haus der Zukunft“.

Weitere Informationen:
Smart Living & Health Center e.V.
Blumberger Damm 2k, 12683 Berlin
Tel. 030 375895090
E-Mail: office@smart-living-health.de
Webseite „Haus der Zukunft am ukb“