„Haus der Gesundheit“: Streit um künftige Nutzung

Das Haus der Gesundheit wurde 2014 geschlossen. Der Sanierungsbedarf wird auf mehr als 20 Millionen Euro eingeschätzt. Foto: Marcel Gäding
Das Haus der Gesundheit wurde 2014 geschlossen. Der Sanierungsbedarf wird auf mehr als 20 Millionen Euro eingeschätzt. Foto: Marcel Gäding

Das „Haus der Gesundheit“ an der Etkar-Andre-Straße soll nach dem Willen der CDU wieder eröffnen – mit Haus- und Facharztpraxen sowie Platz für Beschäftigte des Gesundheitsamtes. Die SPD hält davon wenig. Von Marcel Gäding.

In Marzahn-Hellersdorf fehlt es an Ärzten – das ist seit Langem bekannt. Nun gibt es (mal) wieder neue Zahlen, die das belegen. Eine Antwort auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Jan Lehmann ergab, dass der Versorgungsgrad bei Hausärzten in Marzahn-Hellersdorf derzeit bei 90,2 Prozent liegt, bei Kinder- und Jugendpsychiatern sind es gerade einmal 85,8 Prozent, bei Hals-Nasen-Ohren-Ärzten liegt die Quote bei 88,4 Prozent. Der Grund: Offenbar ist der Osten Berlins nach wie vor nicht auf Platz eins bei Medizinern, die sich nach einer Praxis umschauen.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat vergangenes Jahr beschlossen, sich in den besonders unterversorgten Gebieten zu engagieren – und die Ansiedlung von Medizinern zu fördern. Eine Idee: Unter dem Dach der KV entstehen Praxen, in denen sich Ärzte anstellen lassen können. Denn immer häufiger scheuen insbesondere Berufseinsteiger den Weg in die Selbstständigkeit.

Ein Ort, an dem eine solche KV-Hausarztpraxis entstehen könnte, ist bereits nach Ansicht der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vorhanden: das Haus der Gesundheit in der Etkar-Andre-Straße. Seit 2014 steht das Gebäude ungenutzt da. „Mit der Kassenärztlichen Vereinigung haben wir eine Akteurin, die auf der Suche nach geeigneten Immobilien ist“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Martin. Darüber hinaus seien Teile des bezirklichen Gesundheitsamtes seit geraumer Zeit ausgelagert. Im Haus der Gesundheit gäbe es Platz für eine große Hausarztpraxis der KV und für die Mitarbeiter der Verwaltung. „Denkbar sind unserer Ansicht nach auch Räume für Fachärzte“, sagt Johannes Martin. Der Standort sei zudem deshalb ideal, weil es im Kiez seit Jahren an Hausärzten fehlt. Darüber hinaus sei er sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Zuständig für die Immobilie ist die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH. Nach Informationen des Bezirks-Journals ist im Gespräch, gemeinsam mit einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft die Immobilie zu entwickeln – und auch den Parkplatz vor dem Haus der Gesundheit zu bebauen. Davon hält Johannes Martin jedoch nicht viel. „Bevor gebaut wird, müssen wir erst einmal die notwendige Infrastruktur haben.“

Auf Antrag der CDU-Fraktion soll zunächst geprüft werden, wie das Haus der Gesundheit als Standort für die ärztliche Versorgung entwickelt werden kann. Dabei soll in jedem Fall die Kassenärztliche Vereinigung im Rahmen einer sogenannten Machbarkeitsstudie einbezogen werden.

Skeptisch sieht der Abgeordnete Jan Lehmann (SPD) den Antrag der CDU in der Bezirksverordnetenversammlung: „Wenn wir eines nicht brauchen, sind es vorerst Praxisräume.“ Davon gäbe es seiner Ansicht nach genug. So sei das landeseigene Wohnungsunternehmen Stadt und Land bereit, beim Bau neuer Mehrfamilienhäuser in der Bodo-Uhse-Straße Praxisräume einzuplanen. Auch der neue Eigentümer des einstigen Corso, das inzwischen Kienbergforum heißt, verfüge Lehmann zufolge über freie Kapazitäten. Lehmann sieht ein ganz anderes Problem. Denn Medizinern steht es frei, wo sie sich in Berlin niederlassen. Weil der Bezirk nicht mit Anreizen wie Prämien locken könne, sei jetzt die Kassenärztliche Vereinigung am Zuge.