Freiwillige Feuerwehr Mahlsdorf: Neubau lässt weiter auf sich warten

Peter Scholz, Torsten Kiesner und Steffen Nagel vor der Feuerwache in der Donizettistraße. Sie ist viel zu klein. Doch ein Ersatzneubau lässt weiter auf sich warten. Foto: Marcel Gäding
Peter Scholz, Torsten Kiesner und Steffen Nagel vor der Feuerwache in der Donizettistraße. Sie ist viel zu klein. Doch ein Ersatzneubau lässt weiter auf sich warten. Foto: Marcel Gäding

Bei der Feuerwehr muss es schnell gehen. Doch in manchen Dingen müssen sich die ehrenamtlichen Brandbekämpfer in Geduld üben. So ist das beispielsweise mit dem Neubau, den die Freiwillige Feuerwehr Mahlsdorf erhalten soll. Gut ein Jahr ist es her, dass sich Vertreter unterschiedlicher Parteien mit einer Erfolgsnachricht meldeten: Nach langem Hin und Her sollen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte in der Straße „An der Schule“ eine XL-Feuerwache bekommen. Dort könnte ein Neubau mit fünf Fahrzeughallen entstehen, zudem Platz für Rettungswagen. Es wäre ein großer Meilenstein in der Geschichte der 119 Jahre alten Freiwilligen Feuerwehr Mahlsdorf. Die Betonung liegt jedoch auf „wäre“.

Auch zwölf Monate nach der „Erfolgsmeldung“ lassen die Planungen für die XXL-Feuerwache in Mahlsdorf auf sich warten. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der SPD-Abgeordneten Iris Spranger (SPD) hervor. Darin teilt Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD) mit, dass es seit 2018 Gespräche mit der TLG Immobilien AG (TLG) gebe, die zuletzt stagnierten. Der TLG gehört die Fläche in der Straße „An der Schule“, auf der die XL-Feuerwache gebaut werden soll. Dieses Grundstück müsste das Unternehmen an das Land Berlin veräußern. „Ein herausgelöster Verkauf der für die Errichtung der Feuerwache identifizierten Teilflächen wird seitens der TLG zurückhaltend bewertet“, erklärt Akmann. Nicht zuletzt wegen der Pandemie gestalte sich der Verhandlungsprozess jedoch zwischen der TLG und der für Landesimmobilien zuständigen BIM schwierig. Weder stehe derzeit das Grundstück für die Feuerwehr zur Verfügung, noch seien die finanziellen Mittel für den Ersatzneubau gesichert, erklärt der Innenstaatssekretär. Die Folge: „Aktuell gibt es keine Zeitleiste der Planung bis zur Fertigstellung der Wache“, sagt Akmann.

Wie notwendig ein Neubau ist, zeigt ein Blick auf und in die bisherige Feuerwache in der Donizettistraße 4. Das Gebäude wurde vor mehr als 100 Jahren errichtet und in den 1950er-Jahren um einen kleinen Anbau erweitert. In der Fahrzeughalle befinden sich ein im Dezember 2020 in Dienst gestelltes Löschhilfeleistungsfahrzeug und ein Rettungswagen. Eigene Umkleiden für die 22 aktiven Einsatzkräfte gibt es nicht. Die Einsatzbekleidung hängt in der Fahrzeughalle. Zuletzt geriet die Feuerwache in die Schlagzeilen wegen eines Schimmelbefalls.

„Die Diskussion um einen Neubau gibt es bereits seit mindestens 20 Jahren“, sagt Steffen Nagel, der stellvertretende Wachleiter. Peter Scholz, der Wachleiter, erinnert sich sogar an Ausbaupläne aus DDR-Zeiten, die aber wegen der Wende nie verwirklicht wurden. „Der Platz für Fahrzeuge und Einsatzkräfte ist zu eng, unser Schulungsraum viel zu klein, und die Jugendfeuerwehr hat keine eigenen Räume“, sagt Scholz. Ein Fahrzeug, 1996 als Katastrophenschutzfahrzeug in Dienst gestellt, ist seither immer auf anderen Feuerwachen untergebracht – weil es in Mahlsdorf dafür an einer dritten Fahrzeughalle fehlt. Als im Sommer 2020 die Nachricht verbreitet wurde, dass das Land Berlin von der TLG ein Grundstück für die XL-Feuerwache kaufen möchte, „waren wir gedanklich schon beim Einrichten“, sagt Wilfred Jäkel, der stellvertretende Vorsitzende des Feuerwehrfördervereins. Mahlsdorf erlebe seit Jahren Zuzug, „wir sind inzwischen für mehr als 30.000 Menschen im Einzugsgebiet die einzige Feuerwehr“, erklärt Jäkel. Die nächstgelegene Wache der Berufsfeuerwehr befindet sich in Hellersdorf. Ein Neubau sei daher längst überfällig, „auch aus Gründen des Arbeitsschutzes für unsere Kameraden“, wie Peter Scholz sagt.

Wenn sie in Mahlsdorf bei der Feuerwehr eines gelernt haben, ist es, sich in Geduld zu üben. Dass die XXL-Feuerwache in absehbarer Zeit gebaut werden kann, ist jedoch auch für die größten Optimisten unter den Feuerwehrleuten derzeit kaum denkbar. Denn in wenigen Wochen gibt es in Berlin auf Landes- und Bezirksebene Wahlen. „Niemand von uns weiß, wie dann die Prioritäten gesetzt werden“, sagt Steffen Nagel. Immerhin gebe es seitens der Berliner Feuerwehrführung Rückendeckung für den dringend benötigten Neubau. „Wir sind nicht glücklich über den jetzigen Zustand, die Bedingungen sind nicht optimal“, räumt Torsten Kiesner, der Vorsitzende des Feuerwehrfördervereins, ein. „Deswegen werden wir aber nicht unseren Dienst für den Schutz der Bevölkerung einstellen“, ergänzt Steffen Nagel. (gäd.)