Familienplanungszentrum sucht dringend neue Räume

Die Frauenärztin Minou Azizi-Nachini und Vereinsgeschäftsführerin Stefanie Hoffmann in einem der Behandlungsräume des Familienplanungszentrums. Foto: Marcel Gäding
Die Frauenärztin Minou Azizi-Nachini und Vereinsgeschäftsführerin Stefanie Hoffmann in einem der Behandlungsräume des Familienplanungszentrums. Foto: Marcel Gäding

Nach 25 Jahren ist das Familienplanungszentrum „Balance“ auf der Suche nach einem neuen Domizil. Kommunalpolitiker setzen alles daran, dass die Einrichtung in Lichtenberg bleiben kann. Eine Lösung ist in greifbarer Nähe. Von Marcel Gäding.

Hell und modern wirkt das Untersuchungszimmer, in dem die Frauenärztin Minou Azizi-Nachini arbeitet. Die Medizinerin gehört zum achtköpfigen medizinischen Fachteam des Familienplanungszentrums „Balance“ in der Mauritius-Kirch-Straße. Das bietet nicht nur Untersuchungen, Vorsorge und Beratung an, sondern steht Patientinnen auch im Zusammenhang mit Themen wie Schwangerschaftsabbruch, Empfängnisverhütung oder Kinderwunsch zur Verfügung. Die Leistungen richten sich an Menschen jeden Alters – unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung. Behandelt werden dort zudem Ratsuchende, die über keinen aktuellen Versicherungsschutz verfügen. Niedrigschwellig nennen sich solche Angebote: Wer medizinische Hilfe benötigt, erhält sie im „Balance“. Gemäß einer Vereinbarung mit der Kassenärztlichen Vereinigung dürfen pro Quartal 240 Patientinnen behandelt und beraten werden. Die eigentliche Zahl liegt jedoch viel höher. „Zu uns kommen Patientinnen, die in keine andere Praxis gehen würden“, sagt Minou Azizi-Nachini. Das liegt auch daran, dass das Praxisteam mehrere Sprachen spricht und daher auch von Menschen mit Migrationshintergrund aufgesucht wird.

Das Team um Minou Azizi-Nachini ist eines von fünf sogenannten Fachteams unter dem Dach des 1992 gegründeten Familienplanungszentrums Berlin, kurz FPZ. Seit 1995 bietet es auf rund 670 Quadratmetern im Mauritius-Kirch-Center nahe dem Bahnhof Frankfurter Allee medizinische, psychologische, sexualtherapeutische Beratung an, betreibt Öffentlichkeitsarbeit und setzt Projekte um. 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuten allein im vergangenen Jahr 6.500 Ratsuchende – fast die Hälfte davon mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung. Das FPZ schließt eine große Lücke, die von der Regelversorgung nicht abgedeckt wird. Träger ist der Verein Familienplanungszentrum Berlin e.V., ein Verbund von pro familia Landesverband Berlin, Humanistischer Verband Deutschland (HVD) Berlin-Brandenburg und Frau und Familie e.V.

Familienplanungszentrum will in Lichtenberg bleiben

Doch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FPZ sind in Sorge: Der Eigentümer des Mauritius-Kirch-Centers will den bis 2022 geltenden Mietvertrag nicht verlängern. Und inzwischen sind bezahlbare Büro- und Praxisflächen in Berlin rar. Mindestens 600 Quadratmeter, zudem barrierefrei, werden nach Angaben von Vereinsgeschäftsführerin Stefanie Hoffmann benötigt. „Lichtenberg ist unsere Herzensgegend, wir würden hier ungern weggehen“, sagt Dr. med. Gabriele Halder, Vorstandsmitglied beim FPZ. Hinzu kommt, dass es im Kiez zu wenig niedergelassene Frauenärzte gibt, die nach einer Betreuung im FPZ Patientinnen weiter regulär behandeln.

Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) hat jedoch eine Idee, wie sich das FPZ mit seinen Angeboten im Bezirk halten lässt. Keine 300 Meter Luftlinie vom jetzigen Standort entfernt baut die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE derzeit ein Wohn- und Geschäftshaus. Dort wäre theoretisch Platz für das Familienplanungszentrum. „Ziel ist es, das FPZ in Lichtenberg zu erhalten“, sagt Grunst. Daher unterstützt er Gespräche zwischen der HOWOGE und dem Trägerverein. Außerdem will er mit der Kassenärztlichen Vereinigung Kontakt aufnehmen, um für zusätzliche Frauenärzte im Kiez zu werben.